14. European Outdoor Film Tour I Cologne

Text: Charlotte Ebert I Fotos: Vera Hausmann

Sprosse für Sprosse erklimmt James die Leiter, die zu einem Kran gehört. Immer weiter greift er nach den Zwischenstreben und zieht sich nach oben. Unter ihm ein Baustellengelände und der harte Asphalt. Ein Zwischenstopp, kurz lässt er den Blick über den Platz streifen. Dann kraxelt er weiter, immer höher hinauf, bis er auf der Spitze des Krans angekommen ist. Dort verweilt er einen Moment, schaut sich in Ruhe den Ausblick an und macht ein Selfie mit seiner Go Pro Kamera. Unter ihm: 200 Meter Tiefe. Ein falscher Schritt und James würde in den Tod stürzen.

Adrenalinjunkies wie James konnten Zuschauer am 21. und 22. November im E-Werk erleben. Dort gastierte bereits zum 14. Mal die European Outdoor Film Tour. Mit im Gepäck: Acht dokumentarische Kurzfilme über Abenteurer, Extremsportler und waghalsige Athleten.

Wie zum Beispiel James Kingston. Der 23-Jährige Brite ist ein sogenannter Roofer, ungesichert klettert er auf Brücken, Kräne und Türme. Im Film „Don’t lock down“ erklärt er, warum er auf die Trendsportart aus der Ukraine steht, die im Gründungsland schon mehr als 16 Todesopfer gefordert hat. Aber das interessiert den urbanen Höhenkletterer nicht, er kennt keine Höhenangst. Während er im Film die Aussicht von der Moskauer Brücke in Kiew genießt, hat man als Zuschauer vom Hinsehen schon schweißnasse Hände und ein klopfendes Herz.

Drei Stunden dauert der filmische Reisetrip, auf den die E.O.F.T. den Zuschauer einlädt. Start ist in Neuseeland in tausend Meter Tiefe: Der Höhlenkletterer Kieran McKay erforschte dort im Januar mit seinem Team die Verbindung zweier Höhlensysteme. Zwischen hunderten Metern von Fels schlängeln sie sich durch schmale Spalten, es kommt auf jeden Millimeter an. Oftmals weiß das Team nicht, wie weit sie vorstoßen können. Manchmal begleitet sie die Angst, nicht mehr an die Oberfläche zurückzukehren. Aber immer ist da dieser Drang, neues zu entdecken. Dorthin vorzudringen, wo noch niemand unter der Erde war.

Bildquelle: www.eoft.eu

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Bildquelle: www.stuff.co.nz

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Viel frische Luft bekommt dagegen Alex Honnold. Der Amerikaner geht einer der gefährlichsten Sportarten der Welt nach, dem Free Solo – Klettern ohne Sicherungsseil. Allerdings nicht auf Kränen, sondern in der Natur in Mexico. Zusammen mit seinem Kletterpartner Cedar Wright ist er dort die Route „El Sendero Luminoso“ geklettert. Was das genau heißt: Eine 762 Meter hohe Felswand aus kompakten Kalk zu bezwingen. Unvorstellbar für die, die an diesem Nachmittag im Saal des E-Werkes an ihrem Kaffee nippen und die Filme sehen. Unerlässlich für Alex.

Bildquelle: www.alexhonnold.com
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Alle acht Filme zeigen auf unterschiedliche Herangehensweisen Abenteuergeschichten. Mal ist es ein Charakter, der besonders hervorsticht und dessen Motivation und Antrieb thematisiert wird, so wie bei dem Roofer James. Der Film „Nobody’s River“ wiederum setzt vordergründig zwar auf vier Mädels die auf einer Kajaktour durch die Mongolei unterwegs sind, begleitet von beeindruckenden Bildern vom Fluss Amur. Aber man wird das Gefühl nicht los, dass es eigentlich um Freundschaft und Zusammenhalt geht. Es wird gezeigt, wie sie mit Risiken umgehen und welche Methoden sie anwenden, um körperliche und mentale Grenzen zu überwinden. Denn oftmals findet die Angst nur im Kopf statt.

Bildquelle: nobodysriver.org

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© Krystie Wright

© Krystie Wright

Als Zuschauer schwankt man permanent zwischen Faszination und Inspiration. Die körperlichen Leistungen der Einzelnen, ihre Ausdauer und Mut lassen einen staunen. Aber andererseits sind da auch Angst und Unverständnis. Weil es zumeist einfach extrem und krass ist, was die Outdoor-Sportler da machen. Manchmal fragt man sich auch, ob es nicht einfach purer Leichtsinn ist. Doch darum geht es bei der diesjährigen European Outdoor Film Tour: Dass man seinen alten Blickwinkel verlässt und neue Perspektiven einnimmt. Denn egal ob es im Alltag ist oder beim Filmemachen, immer ist es eine bestimmte Haltung, die uns vorantreibt und Basis für unser Handeln darstellt. Die Filme wollen den Zuschauer dazu anregen, alte Muster zu durchbrechen. Welches Filmwerk dafür als Vorlage dient, kann der Zuschauer natürlich nur selber entscheiden.

Egal ob selber Adrenalinjunkie oder einfach Jemand, der Spaß an spannenden Geschichten und beeindruckenden Landschaftsbildern hat. Die European Outdoor Film Tour hat für jeden etwas zu bieten. In Köln waren deshalb auch alle drei Filmvorführungen ausverkauft, knapp 3.500 Zuschauer traten die filmische Reise an. Noch bis zum 8. Februar 2015 geht die Tour, die insgesamt in 13 Ländern und 230 Städten Filmvorführungen veranstaltet. Und wer von den Filmen nicht genug kriegt: Eine DVD Sammlung gibt es mittlerweile auch.

Eure Charlotte & Vera