Alte Lederei Köln: Ein Ort des analogen Ausgleichs

Text: Nicole Neuser & Fotos: Florian Yeh

Ein kleines, weißes Fahnenschild, das an einem Wohnhaus in einer Seitenstraße mitten in Ehrenfeld durch die Luft flattert, weist uns den Weg zur „Alten Lederei Köln“. Julian Eckes, der Gründer des kreativen Werkstatt-Ateliers wird uns später erzählen, dass er das Schild, genau so wie fast alles andere in der „Alten Lederei“, selbst gemacht hat.

Über den Hinterhof betreten wir einen großen Raum, der das Herz von Bastlern und Handwerken höher schlagen lässt. Im hinteren Teil steht ein großer Werktisch vor einer langen Wand voller Werkzeuge, von denen ich nur eine Handvoll mit genauer Bezeichnung kenne. Verschiedene Hölzer und ausrangierte Fundstücke mit Potenzial stehen überall dort, wo sie gerade Platz finden. Hier ist der Ort, an dem Julian zusammen mit seinen Workshop-Teilnehmern Regale, Laptop-Hüllen aus Leder oder kreative Designobjekte aus Flaschen entstehen lässt.

Die „Alte Lederei Köln“ gibt es seit September 2016. Neben DIY-Workshops finden hier Teambuilding-Events und Firmenmeetings in kreativer Atmosphäre statt. Und gleichzeitig ist der Ort ein Stück Lebensraum von Julian.

Ich bin sehr experimentierfreudig und unkonventionell. Die Dinge, die ich brauche, stelle ich einfach selbst her. Ich trenne nicht zwischen Arbeit und Freizeit. Ich habe immer nach einem Raum gesucht, der mir die Möglichkeit gibt, genau das mit anderen zu teilen.
— Julian Eckes

Dass er so auf die Räume des ehemaligen Familienbetriebes „Lederbekleidung und Lederhandschuhe Franz Jos. Müller“ stieß, war ein echter Glücksgriff. In den 70er Jahren war das heutige Werkstatt-Atelier Teil der Produktionsstätte für Lederbekleidungen aller Art und diente später als Zentrale des Betriebes. Bis heute bleiben dem Raum einige Schätze aus alten Produktionszeiten erhalten, die Julian in den Umbau integrierte und damit den Charme der industriellen Nutzung beibehält. So schmücken alte Zuschnitt-Schablonen und Maßtabellen die Wände und auch die mechanische Nähmaschine wird wieder regelmäßig gebraucht - entweder von den Workshop-Teilnehmern oder eben von Julian. Der näht sich nämlich kurzerhand auch mal seine Kleidung selbst.

Woher kann der Mann das eigentlich alles? „Zum größten Teil habe ich das von meinem Vater gelernt. Wir haben schon früh Dinge zusammen gebaut. Vieles habe ich mir später einfach selbst beigebracht.“, erzählt er. Darunter fiel nicht nur das Handwerken mit verschiedenen Werkstoffen. Auch das Programmieren und Designen von digitalen Produkten hat er sich selbst angeeignet und damit lange Zeit sein Geld verdient.

Deshalb ist es mir besonders wichtig, die Alte Lederei als einen Ort des analogen Ausgleichs zu unserem digitalen Alltag zu verstehen - für mich und für alle, die Lust auf eine ‚Real-Life Experience‘ haben.
— Julian Eckes

Kurz bevor wir den Ort des kreativen Schaffens wieder verlassen, fällt uns noch ein robuster, naturbelassener Holzstuhl auf, der vor allem durch sein interessantes Design ins Auge fällt. Ob Julian den auch selber gebaut habe, fragen wir. „Ja, das ist ein Prototyp für meine nächsten DIY-Workshops. In Zukunft möchte ich gerne auch den Bau größerer Möbelstücke anbieten, wie Stühle, Höcker oder Nachttische. Aber erst mal probiere ich die Konstruktion natürlich selber aus“, schmunzelt er.    

Alte Lederei
www.alte-lederei.koeln

Teambuildings
www.dustyhands.com

Julian Eckes
www.julianeckes.com

Termine für die nächsten DIY-Workshops
15.02.2017 Statement-Kette – Upcycling mit IVIDU
Und weitere Termine hier: www.facebook.com/AlteLedereiKoeln

Eure Nicole & Euer Florian