Art Cologne, die älteste Kunstmesse der Welt

Text: Jill Gräb & Fotos: Nathan Ishar aka pramudiya.com

Die Art Cologne feiert nun schon ihr 50. jähriges Bestehen und ist damit nicht nur ein halbes Jahrhundert alt, sie ist auch die älteste Kunstmesse der Welt. Trotzdem sieht sie so frisch aus, wie eh und je!

Die Kunstmesse, die ihre erste Ausgabe 1967 als Messe der bildenden Künste des 20. und 21. Jahrhunderts, mit lediglich 18 Ausstellern begann, glänzt in diesem Jahr mit 219 Ausstellern, die von etablierter und Moderner Kunst bis zu neuer, zeitgenössischer Kunst einiges zu bieten haben.

Eine solche Vielfalt an bildender Kunst weckte natürlich unser Interesse und lockte uns zu einem Besuch am ersten Tag der Messe.

Voller Erwartungen und Vorfreude betraten wir den recht pompösen Haupteingang des Messegebäudes und begannen zunächst, uns im mittleren Bereich (Halle 11.2) umzusehen. Kommt man dort an, fällt einem zunächst ein riesiger gelb gepunkteter Pumpkin (A 11) auf, der groß und glänzend dasteht und alle Blicke auf sich ziehen möchte. Dieses, von der Japanerin Yayoi Kusama 2016 gebaute Kunstwerk, ist ein schöner und passender Einstieg in die Ausstellung neuer schriller Kunst, die es hier zu bewundern gibt.

Gefunden haben wir außerdem die Künstlerin, die mit ihren schwarzen collagenartigen Bildern bekannter Frauenidole auf 200 Litfaßsäule in ganz Köln zu finden ist (E 41). Die deutsche Künstlerin namens Johanna Reich kreiert in ihren Bildern allseits bekannte Idole wie Coco Chanel, Marilyn Monroe und Angelina Jolie und projiziert sie auf Bilder junger Frauen. Mit dieser Reihe namens Heroines (2015) macht sie auf die Rollenidentitäten junger moderner Frauen aufmerksam. Gerade in Zeiten des Social Webs, in dem wir uns ständig neu kreieren, ist die Frage, welche Identität wir eigentlich einnehmen und nach welcher Identifikation wir versuchen zu streben.

Ein weiterer Blickfang dieser Messe ist die Kunst von dem Schweizer Donato Amstutz, der Leinwände und Medikamentenpackungen in unterschiedlichster Art mit Hand bestickt (E 39). Er macht damit auf den Gegensatz von schneller Reproduktion durch Geräte wie Fotokopierer und dem langsamen Produzieren durch in Handarbeit gestickte Bildern aufmerksam. Aufgrund dessen wählt er für sein Bild Xénophobie (2012) das Bild eines Lexikoneintrags, der zudem wie eine Fotokopie erscheint, da er die nächste Lexikonseite teils mit in sein Gemälde aufnimmt, wie es bei Kopien oft der Fall ist. Hier wird mit dem Verhältnis der langsamen Reproduktionsart der vergangenen Zeiten (Handwerkskunst) und der Reproduktionsart der Gegenwart (technische Reproduktionsgeräte) gespielt und diese auf suspekte Art vereint.

Auch auf Medikamentenverpackungen bewusstseinsverändernder Arzneimittel stickt Amstutz in Kleinstarbeit Produktbezeichnung, Barcode und weitere Infos, die auf den Verpackungen üblich sind.

Auffällig, aber auch absolut zeitgemäß sind Bilder mit Textbotschaften wie Why am I here and not somewhere else (2015) von Jeppe Hein, die mit weißen Leuchtröhren auf schwarzem hochglänzendem Hintergrund präsentiert wurde (B 20).

Ebenfalls auffällig ist die spielerische Umsetzung der Kunstwerke in Hinblick auf Spiegelungen. Im Fall von Michael Schuster ist es ein Spiegel (E 28), auf dem in zeitlichen Abständen das Zitat eines The Velvet Underground-Songs: „I'll be your mirror. Reflect what you are...“ (2016) erscheint. Auch dieser Künstler beschäftigt sich hier mit dem Sein und der eigenen Identität, die real wird, wenn man sich selbst im Spiegel betrachtet.

Eher utopisch ist hingegen das Werk Departures (2015) von Alicia Frames, das eine auf eine Edelstahlplatte gravierte Flughafenanzeige abbildet, die spezielle Departures anzeigt, die in Boarding Time, Delayed oder On Time sind. Die Departures sind unter anderem Orte wie Utopia, Metropolis oder Wonderland (D 18).

Spannend und auch zeitgemäß sind viele Werke der diesjährigen Art Cologne dadurch, dass sie sich mit unserer aktuellen Kultur beschäftigen, aktuelle Themen aufgreifen und diese in künstlerischer Weise auf vielen aktuellen Medien sichtbar machen. Aufgrund vieler übersättigter Farben und gradliniger Formen erinnert die Ausstellung außerdem sehr an die Farb- und Formgebungen, die in der Kunst der Pop-Art verwendet wurden. Aber auch figürlich wurde wieder stark gearbeitet und es wurden viele neue kreative Werke hervorgebracht.

Wir haben einen tollen Einblick in die zeitgenössische Kunst genießen können und auch im unteren Messebereich einige Schätze der etablierten Kunstwelt erblicken dürfen. Darunter Werke von Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Emil Nolde, die zum Verkauf standen.

Unsere Erwartungen wurden somit voll erfüllt und statt wie geplant zwei Stunden waren wir bestimmt vier oder fünf Stunden dort.

Unser Tipp also an euch: Geht hin! Und nehmt euch genug Zeit, denn es lohnt sich!

Eure Jill & Euer Nathan