Featured: Kölsch und Kunstgenuss für den guten Zweck: Auftakt zur Reihe Benhammer & Friends im Veedel Club

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Text: Rebecca Luyken & Fotos: Florian Yeh

Bereits bevor man den Veedel Club betritt, sieht man: Hier geht’s heute Abend nicht nur ums Feierabendbier, sondern es liegt Kunst in der Luft. Auf einem Klappstuhl balancierend und bewaffnet mit einem Edding, malt die Kölner Künstlerin Allison Hubbell ein Mural an die Hausfassade auf der Luxembuger Straße.

Der Veedel Club ist heute Bühne für ein ganz besonderes Event: Heute Abend soll hier Kunst für kleines Geld angeboten werden, und den Genuss von Livemusik und einem Kurzfilm gibt es gratis dazu. Der Erlös des Abends, einschließlich der Einnahmen an der Garderobe, gehen vollständig an den Kalker Kindermittagstisch. Der Initiator hinter dem Event ist Ben Hammer, Fotograf aus Köln, der den Veedel Club für seine Spendenaktion in ein kleines Kunstwohnzimmer verwandelt hat: Benhammer & Friends feiern heute Auftakt! „Das ist alles ein bisschen improvisiert, ein kleiner Testballon“, eröffnet Ben den Abend am Mikrofon, „es wird bestimmt ganz nett“. Bevor die Gäste sich über den Kunstflohmarkt hermachen dürfen, sollen sie aber erst mal erfahren, wer überhaupt alles hinter diesem Abend steckt.

Über seinen Kumpel Elmar, den Inhaber von Gentlemen Barber Clubs, hat Ben von Elisabeth erfahren, der Initiatorin des Kalker Kindermittagstischs. Elmar spendet seine Einnahmen des letzten Tags im Monat an die Initiative. „Wenn du jemanden unterstützen möchtest, dann die Elisabeth“, hatte Elmar zu Ben gesagt.

Manche denken, sie haben nicht genug zu geben. Aber das ist Quatsch. Von 10 Euro kann ich für 120 Kinder Nudeln mit Tomatensoße machen.
— Elisabeth vom Kalker Kindermittagstisch

Und jetzt sitzt die quirlige kleine Kölnerin auf dem kuscheligen Clubsofa und erzählt über die Entstehung ihres Projekts vor acht Jahren: „Mein Sohn hat früher immer einen Freund zum Mittagessen mitgebracht. Irgendwann war die Freundschaft vorbei, aber der Junge kam weiter zum Essen. Bei ihm gäbe es immer nur Toastbrot.“ Elisabeth wollte das nicht glauben und begleitete den Jungen nach Hause. „Da sacht mir der Vadder ernsthaft: ‚Wenn am Monatsende das Jeld knapp is, musses eben für Kippen und Bier reischen.’ Da hab ich mir gesagt, so geht das nicht.“ Elisabeth kauft sich einen kleinen Van und beginnt, Essens- und Geldspenden zu sammeln. „Am ersten Tag kam keiner, am zweiten einer, inzwischen bekommen täglich bis zu 150 Kinder zwischen einem halben und 19 Jahren bei mir mittags eine warme Mahlzeit.“ Nachmittags gibt es eine Hausaufgabenhilfe und einmal in der Woche auch eine Lebensmittelausgabe für die Eltern. Finanziert wird das Ganze rein über Spenden. „Kinderarmut gibt’s ja offiziell in Deutschland gar nicht, da werden für so einen kleinen Fisch wie uns keine öffentlichen Gelder zur Verfügung gestellt.“ Außerdem stünden kleine Initiativen wie ihre immer im Schatten der großen Etablierten. Die meisten großen Supermarktketten schmeißen Lebensmittel weg, oder es geht eben an die Tafel: „Wenn ich mit meinem kleinen Van da ankomme, schicken die mich gleich wieder weg.“ Und auch Privatpersonen müssten oft erst ermutigt werden, sich zu einer Spende zu trauen: „Manche denken, sie haben nicht genug zu geben. Aber das ist Quatsch. Von 10 Euro kann ich für 120 Kinder Nudeln mit Tomatensoße machen.“

Schließlich hat sie aber doch einen dauerhaften Unterstützer gefunden: Ein Penny Markt in Kalk spendet ausrangierte Lebensmittel aus dem Sortiment für den Kalker Kindermittagstisch: „Die schieben mir den Rollcontainer hin und ich sortiere mir dann raus, was ich brauchen kann.“ Elisabeth strahlt so viel Tatkraft aus, dass es ansteckend ist.

Kein Wunder also, dass Ben Hammer für diesen Abend zahlreiche Künstler dazu bewegen konnte, aufzutreten, über ihre Projekte zu erzählen oder Bilderund Fotografien für den Kunstflohmarkt zu spenden. Einige von ihnen bittet er nach und nach auf die Bühne, damit sie bei einem Kranz Gaffel von ihren Projekten erzählen. Allison, die draußen bereits das Mural neben den Eingang des Clubs gemalt hat, hat auch den Raucherbereich verschönert. Dafür wurde vorher extra neu gestrichen. „Die Idee war, in den Murals das Viertel zu charakterisieren“, erzählt Allison. „Jedes Element repräsentiert Menschen, Orte oder Eigenschaften des Veedels.“ Nach einer Woche Vorbereitung hat sie drei Tage durchgemalt. Ihre Murals werden dauerhaft den Veedel Club zieren.

So auch die überlebensgroße Eule, die Tom Schwittala mit weißem Edding auf die Wand an der Bühne gemalt hat. Acht Stunden hat das gedauert. Extra für den Spendenabend hat er weitere Vögel auf Papier gezeichnet und mit Aquarellfarbe ergänzt: „Ich dachte mir, ich bring mal den ganzen Vogelpark in den Club. Und wer auch auf Vögel steht, kann die heute Abend kaufen.“

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Ebenfalls gesprächig auf der Couch sind Alex und Eric von Hometown Creations, die ihren Kumpel und professionellen Windsurfer Marco Lufen zwei Wochen lang beim Windsurfen an der französischen Atlantikküste begleitet und einen Kurzfilm daraus gemacht haben. Mit vier Kameras waren sie unterwegs, haben zu dritt in einem Auto gepennt, mit einer Drohne, Unterwasserequipment und einem Auge für das perfekte Sonnenlicht über zwei Terrabyte Videomaterial gesammelt und das alles in vier Minuten großes Kino eingekocht. Das großartige Sounddesign zum Film „Nine till now“ hat ein Kumpel beigesteuert – ein durch und durch freundschaftliches Projekt also, dessen Premiere wir heute Abend im Veedel Club miterleben dürfen. Herausgekommen sind wunderschöne Bilder zu wunderschönen Klängen, die ganz viel Sehnsucht nach Wind und Salzwasser wecken.

Ähnliches Sehnsuchtspotenzial haben die Fotografien von Alex Haala, die wir heute Abend bestaunen und kaufen dürfen. Eigentlich sind Frauenportraits sein Metier, aber für uns hat er Urlaubsfotos seiner Reise durch Kalifornien dabei. Auch diese sind ganz großes Kino, aber vor allem im Kopf: Leuchtreklamen und Palmen am Venice Beach, der Blick in die Canyons im Yosemite National Park und Haarnadelkurven vor der Skyline von L.A. – das ist der Stoff, aus dem unsere Roadtripträume gewebt sind! Die Einzelstücke sind ratzfatz ausverkauft.

Als letzter Punkt des Abendprogramms kommen Ray Novacane auf die Bühne. Die dreiköpfige Kölner Band feiert am Samstag die Releaseparty für ihre erste EP und die Vorfreude atmen sie mit jeder Pore aus. Es fällt mir schwer mich zu entscheiden, was schöner ist: Sängerin Rays Stimme, ihre glänzenden Augen, wie viel Spaß sie beim Tanzen hat oder wie virtuos ihre Bandkollegen mit Drums und Gitarre umgehen. Mit ganz viel Elan und Gefühl gleitet die Band mit dem Publikum in den lockeren Tanz-trink-plauder-Kunstkaufrausch-Teil des Abends und ich merke: Spenden, Teilen und Konsum in Kombination mit der ansteckenden Energie von so vielen verschiedenen Künstlern kann so viel Spaß machen! Die Kreativität und gute Laune dieses Abends kann höchstens noch Elisabeth mit ihrem kölschen und charismatischen Pragmatismus toppen.

Ich verlasse den Veedel Club an diesem Abend mit sehr viel Inspiration, einem guten Gefühl und einer wunderschönen Fotografie für knapp 40 Euro. Das sind vier Tage Mittagessen für 120 Kinder. Später erfahre ich, dass neben den Kunsteinnahmen auch das Thekenteam sein gesamtes Trinkgeld gespendet hat. So kommen 830,64 Euro zusammen.

Verpasst nicht Volume 2 von Benhammer & Friends im Veedel Club!

Eure Beccy & Flo

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel