Der Auftakt zum c/o pop Festival

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Nathan Ishar

Fans von Musikfestivals, bei denen gecampt wird, tun mir im deutschen Sommer richtig leid. Da ist man schon bereit, auf einem kargen Acker auf dünnem Untergrund zu schlafen, hat permanent besoffene Zeltnachbarn, holt sich Herpes auf den Sanitäranlagen und dann macht einem das Wetter hier doch auch jedes Jahr einen Strich durch die Sommerplanung.

Ganz ehrlich: Aus diesen Gründen fahre ich auf kein mehrtägiges Musikfestival. Und noch ehrlicher: Ich habe auch keine Lust, Riesensummen für Hotelkosten auszugeben. Ich bleibe also zu Hause. Ihr denkt, deshalb verpasse ich die einzigartigen Festivalmomente, von denen man noch Jahre später erzählt? Ach was. Mit dem c/o pop Festival kommt das Musikvergnügen einfach in meine Stadt. Ich kann in meinem Bett schlafen, besoffene Nachbarn bekomme ich durch die Wände nicht mit und mein Klo ist so sauber, wie ich es gerne habe.

Gestern war der offizielle Start des Festivals, das bereits zum 14. Mal stattfindet. 16 Locations machen mit, damit wir internationale Stars und spannenden Newcomer entdecken und feiern können: Von der Christuskirche zum Hans-Böckler-Platz bis hin zum kleinen Sendesaal des WDRs im Funkhaus am Wallraffplatz und dem Tanzbrunnen. Viele Programmpunkte finden parallel statt, wie man es von einem Festival kennt. Und das Festivalticket macht es möglich, dass man von einer Location zur nächsten hoppen kann. Von Stage zu Stage sozusagen.

Ich persönlich mag an Festivals vor allem die bunte Mischung aus „Kenn ich schon“ und „Lass mal kennenlernen“. Am Ende bin ich immer überrascht, wie gut es ist, sich auf Shows einzulassen, die man im Vorfeld zunächst ablehnte. Gestern war es mal wieder genauso.

19 Uhr Tanzbrunnen: Omar Souleyman

Der syrische Sänger Omar Souleyman eröffnet den Festivalabend. Gegen 19 Uhr ist der Tanzbrunnen noch nicht wirklich voll, aber hey, die Sonne scheint. Ich frage mich, ob die anwesenden Gäste wegen dem Sänger oder der Nachfolgeband gekommen sind. Das ist nämlich Moderat aus Berlin. Bevor ich Omar live gesehen habe, war mir seine Musik etwas too much. Er singt in syrischem und irakischem Arabisch sowie Kurdisch. Orientalische Folklore wird mit Pop und Electronica gemischt und überfordert mein Ohr und Gehirn. Aus Teamgründen kam ich dennoch zu seiner Show und erlebte die Musik live viel melodischer und mitreißender als zu Hause. Mit den ersten Klängen fingen auch die ersten Festivalbesucher an zu tanzen.

20 Uhr Tanzbrunnen: Moderat

Nach dem orientalischen Warm-Up ging es mit der Berliner Gruppe Moderat weiter. Mittlerweile war die Fläche vor der Bühne ziemlich voll mit einem buntgemischten Publikum. Hipster, Normalos und ältere Generationen wollten sich eines der letzten Konzerte der Band nicht entgehen lassen. Moderat wollte ich unbedingt wegen dem Song „A New Error“ sehen, dem Soundtrack zu einem meiner Lieblingsfilme: „Als wir träumten“. Den spielten sie auch direkt als zweites, kurz bevor Sänger Sascha Ring aka Musiker Apparat verkündete, dass dieses Konzert erst das zweite sei, das sie im Hellen beginnen und das es „sehr befremdlich“ sei, das Publikum vor sich zu sehen. Moderat haben sensationell abgeliefert, es war ein großartiges Spektakel aus sich immer weiter steigernder Musik, einer tollen Licht- und Visualshow. Nicht nur die Ohren wurden verwöhnt, die Augen gleich mit.

23 Uhr Stadtgarten: Naaz

Nach so viel Techno hatten wir jetzt Lust auf etwas „Quirkpop“, wie die niederländische Sängerin Naaz ihre Musik beschreibt. Auf der Bühne verkündet die erst 18-Jährige, dass dieser Abend etwas Besonderes ist, denn: Es ist ihr erstes Konzert außerhalb der Niederlande. Ich habe mich sofort Flashverliebt in das quirlige Mädchen, deren Songs hell und poppig klingen und Lust aufs Tanzen machen. Mitgebracht hat sie ihre vierköpfige Band, die ihren zuckersüßen (aber nicht klebrigen) Sound unterstreichen. „Words“ solltet ihr euch auf jeden Fall einmal anhören und auch sonst die Ohren offenhalten, wenn ihr diesen Namen hört – da kommt noch mehr!

Nach dem Konzert war es draußen immer noch angenehm warm, viele Leute machten es sich auf der Mauer vor dem Stadtgarten gemütlich. Es roch nach Pommes und guter Laune und lud zum Verweilen ein.

Für uns war zu diesem Zeitpunkt erst mal Schluss. Bald schon geht es weiter und wir freuen uns auf die nächste Runde! Wenn Ihr Lust habt, ein bisschen 'live' dabei zu sein, dann folgt uns doch auf Instagram: Dort versorgen wir euch an verschiedenen Abenden mit Stories:
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Eure Charlotte & Euer Nathan