Cirque Bouffon I Die Welt entschleunigen, das Herz berühren

Text: Lena Sommer / Fotos: Christian Schaffrin

Die Welt entschleunigen, das Herz berühren – der Cirque Bouffon hat sich ein großes Ziel gesetzt in seiner diesjährigen Show „Quilombo“.

Schon mit dem Eintritt ins Vorzelt verlässt man ein Stück weit die Realität und tritt ein in „Quilombo“. So heißt die Show zum zehn jährigen Jubiläum des Cirque Bouffon. „Quilombo“ kommt aus den Bantu-Sprachen und hat verschiedene Bedeutungen: eine Zuflucht, ein Versteck? Auf jeden Fall ein Ort voller Magie und Geheimnisse.

Der Weg führt den Zuschauer in die runde Manege des Zeltes. Es ist nicht groß und die Stühle stehen eng gedrängt bis an den vordersten Rand der Bühne, die sich in der Mitte ein paar Zentimeter vom Boden erhebt. Die absolute Mitte der Bühne und des Zelts bildet eine dicke schwarze Stange, welche zu den Seiten festgespannt ist. An den vier Zeltsäulen wippen Gazellen-ähnliche Artistenfiguren und leise Musik begleitet die Menschen, die ihren Platz noch nicht gefunden haben.

Das Licht wird gedämmt, die Stimmen werden leiser, die Show beginnt. Über Lautsprecher kündigt eine Damenstimme das diesjährige Ensemble an und im direkten Anschluss füllt sich die Bühne mit den vierzehn Artisten und der Raum wird von der wunderbaren Livemusik von Sergej Sweschinski eingenommen.

Das der Ciruqe Bouffon anders arbeitet als herkömmliche Zirkusse wird dem Zuschauer von Anfang an klar. Jeder Artist hat hier seinen ganz individuellen Charakter, der sich in Mimik und Kostüm äußert. Die Musiker sitzen nicht als begleitendes Orchester an der Seite, sondern stehen mit den Körperkünstlern mitten in der Manege. Einige Gesichter sind für mich wie alte Bekannte, die ich ein Mal im Jahr zu Gesicht bekomme. Das erste Mal besuchte ich den Cirque Bouffon als er noch auf dem Gelände des heutigen Odonien in Ehrenfeld spielte. Das Zelt war kleiner, die Bekanntheit noch nicht so groß und der Spielort weit ab vom Zentrum. Ich erinnere mich noch sehr gut an dem Abend, als ich Nataliya Nebrat das erste mit Hula-Hoopreifen spielen sah und die Stimme von Anja Krips mich faszinierte. Heute - fast zehn Jahre später – hat der Zirkus seinen Bekanntheitsgrad erweitert und gastiert direkt am Schokoladenmuseum und verschönert nun ein Mal im Jahr Kölns Rheinufer.

Auch dieses Mal habe ich schnell vergessen wo ich eigentlich bin und folge mit meiner ganzen Aufmerksamkeit fliegenden Akrobaten, tanzenden Jonglierbällen und den entgleisenden Gesichtsausdrücken der Artistengesichter. Viel Witz wird hier phantasievoll abgelöst von Kraft und Ästhetik. Den große Rahmen bildet durchgehend die Musik, welche nicht als begleitende Komponente eingesetzt wird, sondern auch immer wieder alleine im Raum steht und ihrerseits von den Artisten unterstützt wird. Körper, Klang und Instrumenten bilden eine perfekte ausbalancierte Harmonie, in der jedes Teilstück die gleiche Bedeutung erhält. Dies ist eine Besonderheit, die es nicht in vielen Zirkusse gibt und den Cirque Bouffon seit Jahren ausmacht.

Dieses Jahr konzentriert sich die Show viel auf Witz und Komik. Allerdings nicht platt und alt bekannt, sondern mit viel unerwartetem Geschick und einem Humor, der die Menschen abzuholen scheint. Der Zuschauer ist hier nicht passiver Konsument, sondern wird immer wieder in kleineren Spielereien in das Geschehen mit einbezogen. Zusätzlich verstärkt die Nähe der Artisten zu den Zuschauer, durch den geringen Abstand von Bühne und Tribüne, den Eindruck eines familiären gesellschaftlichen Abends. Nicht jeder erlebt den Moment allein und als Aziz Kuyathe in der Mitte mit afrikanischem Gesang seine Trommel begleitet, scheint als säßen alle beisammen in einem kleinen Dorf irgendwo in einem ganz anderen Land. Die Klänge der Trommel umschließt alles und jeden und das Lächeln in den Gesichtern der Artisten, über die völlige Freude des Moments, findet sich auch bei vielen Zuschauern wieder.

Die Artisten sind hier Künstler und nicht Darsteller. Sie vermitteln Freude an dem was sie zeigen und keiner gleicht dem anderen. Hula Hoop, chinesischer Mast, Partnerakrobatik und vieles mehr erwartet den Zuschauer. Alles verbunden durch viel Tanz und Komik und geheimnisvolle Klänge, die dich aus der Welt entführen.

Die Zeit entschleunigen und das Herz berühren – sein Ziel hat Quilombo erreicht. Die Menschen verlassen das Zelt mit leuchtenden Augen und einem entspannten Lächeln im Gesicht. Es geht zurück in die kalte Frühlingsluft. Der Abend war eine kleine Pause zwischen dem Tag heute und dem Tag morgen, einmal kurz Luft holen. Der Cirque Bouffon verschönert die Welt noch bis zum 31. Mai immer von Mittwochs bis Sonntags direkt am Schokoladenmuseum. Lasst euch auch einen Abend entführen an einen geheimnisvollen Ort, an dem ihr für einen Moment alles um euch herum vergesst.

Termine:
30. April bis 21. Juni 2015
Mittwoch bis Freitag 20 Uhr
Samstag 15 und 20 Uhr
Sonntag 14 und 17 Uhr
Montag und Dienstag keine Vorstellungen

Tickets an der Abendkasse bekommt und bei Kölnticket

Eure Lena Sommer & Euer Christian