Ein c/o pop Freitag zum Verlieben

Text: Elena Braun & Fotos: Athenea Diapoulis

Die aktuelle Lieblingsband spielt in der eigenen Heimatstadt und es gibt sogar noch Tickets! Dieser Moment löst in mir jedes Mal freudiges Kribbeln aus. Ganz schnell kaufen und Vorfreude starten! Letztes Jahr wurde die große Erwartung von meinem damaligen Band-Crush bei einem kleinen Festival leider enttäuscht. Eine gute Stunde später habe ich Júníus Meyvant zum ersten Mal live gesehen – und war begeistert.

Zum Glück kriegt man beim c/o pop Festival alle Künstler des Tages in einem Ticket, damit kann es einem dann ganz leicht passieren, dass man seine neue musikalische Liebe zufällig entdeckt. Für fortgeschrittene Musikliebhaber gibt’s natürlich auch das Fünf-Tage-Ticket.

18:30 Uhr Hans-Böckler Platz: Mozes and the Firstborn

Für uns startete der Freitagabend unter freiem Himmel, mit vier Jungs aus Eindhoven: Mozes and the Firstborn. Die vier sind noch recht jung, ihr Rock ist jedoch schon längst aus den Kinderschuhen heraus. Die Melodien gehen beim ersten Hören direkt in die Beine. Ich würde glatt behaupten, Mozes and the Firstborn sind nur einen Zufall von einem echten Hit entfernt, der Song „Marianne“ zeigt schon ihr vielseitiges Potential.

Vor der Bühne trocknete erst langsam der letzte Regen, aber die meisten Zuhörer nahmen es, wie wir, locker und ließen sich mit einem Kölsch in der Hand von dem sehr unterhaltsamen Sänger mitreißen.

Zu verdanken hatten wir den Auftritt der Band dem Projekt „Dutch Impact“, das niederländische Bands zu Events auf der ganzen Welt bringt. Die Sängerin Naaz, die meiner Kollegin Charlotte so gut gefiel, gehört auch dazu.

19:45 Uhr Stadtgarten: Júníus Meyvant

Nach dem Start unter freiem Himmel ging es für uns im Stadtgartensaal weiter, der mit Palmen und einer riesigen Discokugel die perfekte Kulisse für mein Wiedersehen mit Júníus Meyvant war. Trommelwirbel, Herzklopfen, die ersten Textzeilen – und Glücksgefühle! Während ich beim ersten Konzert schockverliebt in die unbekannten Klangkombinationen war, hauchte dieser Auftritt den mir jetzt bekannten Liedern Leben ein. Nach den ersten drei Songs hatte der Isländer und seine vierköpfige Band auch die überzeugt, die ihn vorher noch nicht kannten: Bis in die letzte Reihe wurde gewippt und getanzt. Es folgte eine Mischung aus berührenden und funkig-fröhlichen Songs, unterbrochen von herrlich trockenen Witzen.

Dass ich seinen Sound ganz einmalig finde, muss ich wohl nicht mehr sagen. Nur wie ich das Genre nennen soll, weiß ich einfach nicht. Also habe ich ihn nach dem Konzert einfach gefragt. Seine Antwort: Eine Mischung aus Soul und Folk, oder wie er sagt „Soulk“. Aber er schiebt schnell hinterher, dass das nächste Album auch ganz anders klingen könnte. Darauf freue ich mich schon!

21:30 Uhr Christuskirche: David Keenan

Mit noch heißen Wangen machen wir uns auf den Weg zur nächsten Location. Dabei sehen wir viele entspannte Menschen, die den Tag mit einem Bier vor dem Stadtgarten ausklingen lassen.

Unser nächstes Ziel ist die ungewöhnlichste Location des Festivals. Die Christuskirche ist schon von außen beeindruckend: Kirche trifft auf futuristische Wohnhäuser. Das Konzert wird präsentiert von den Cardinal Sessions und es gäbe kaum einen Ort, der besser zu den stimmungsvollen Singer-Songwritern passen würde, die hier auftreten.

Innen erwartet uns ein atmosphärisch beleuchteter Saal, in dem wir den Ire David Keenan sehen. Er betritt nur mit Gitarre und Wasserflasche den Raum und nimmt ihn doch ein. Seine Stimme wandert wie selbstverständlich durch die Oktaven und erfüllt die leicht hallende Kirche. Er erzählt uns in den Liedern Geschichten von einem finnischen Mädchen oder James Dean, während wir uns vorstellen, wie der Mann in Hosenträgern durch irisches Hochland wandert. Es haben sich an dem verregneten Freitag nur wenige in die Kirche verirrt, was David nicht davon abhält, perfekt abzuliefern.

Für uns war die Nacht hier schon vorbei, aber wir gehen auch am Wochenende wieder für euch auf musikalische Entdeckungsreise!

Eure Elena & Eure Athenea