Interview mit Kölner Stand Up Artist David Kebe im Café Bauturm

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis

Wer zum Lachen in den Keller geht, ist wohl eher ein Typ der Gattung Miesepeter ohne Freude am Leben. Oder aber es handelt sich ums genaue Gegenteil und man besucht den Comedy Dienstag im Club Subway mit eben diesem Namen. Einmal im Monat treten bei "Zum Lachen in den Keller!" Menschen auf, die lustige Sachen erzählen. So wie David Kebe, Typ der Gattung witzig mit einer schelmischen Note. Kommenden Dienstag, am 5. Dezember, spielt er im Subway sein Solo Programm "Aha? Egal." Wir haben den 33-Jährigen Kölner getroffen, um mal nachzuhören, was ihm eigentlich egal ist. Oder eher gesagt, was nicht.

Im hinteren Bereich vom Café Bauturm, übrigens das älteste Café auf der Aachener Straße, machen wir es uns bei einem Latte Macchiato gemütlich. Zwischen roter Wand und in Zeitungspapier gepackten Büchern erzählt David einen kleinen Schwank aus seinem Leben, warum Comedy oft auch einfach nur alberner Scheiß ist und was man in seiner Show erwarten kann.

Du bist ja nicht neu in der Branche. Seit wann machst du das mit den Witzen?

Ich hatte der Abizeit in einen Studentenjob bei einer Fernsehproduktion einer Comedy Show. Da habe ich erst mal als Kellner gearbeitet, erst das Studiopublikum und nach der Aufzeichnung den Crew bedient. Beim gucken der Sendung dachte ich dann schnell 'Witze schreiben will ich auch.' Das hat dann sogar geklappt und ich hatte manchmal einen Witz in der Sendung. Damals gab es 100 Euro pro Witz. Das habe ich eine Zeit lang gemacht und als ich 20 war, haben die mich fest als Comedy Autor angestellt.

Wie nennt man das was du machst?

Ich mach Stand up.

Wie ist bist du darauf gekommen Stand up zu machen?

Das weiß ja jeder der irgendwie ein Hobby hat: Man hat Bock auf etwas und macht einfach.

Ich hab mal so gar keine Idee davon. Deshalb meine etwas dümmliche Frage: Was heißt denn Stand up?

'Stand Up' heißt eigentlich Bühne, Mikro, kein Schnick schnack. Kein Kostüm, keine falschen Zähne, keine falsche Nase mit Schnäuzer, keine Puppen, keine Musik. Nix. Einfach nur Mikro und der Typ. Und dann im besten Fall authentisches und echtes Zeug. In Amerika ist das seit 80 Jahren so. Die Leute gehen auf die Bühne und erzählen von sich. In Deutschland müssen viele eine Perücke anziehen, um etwas auf der Bühne zu erzählen. Vieles ist da oft mega albern. Ohne Kostüm ist es für das Publikum aber auch eine andere Herausforderung. Wenn der Typ mit der lustigen Stimme und der Perücke auf der Bühne etwas gemeines sagt, dann weiß das Publikum 'ah, das meint der nicht so. Das ist ja die Figur von dem die das sagt.' Wenn ich da stehe und ein heikles Thema habe, ist das vom Verarbeiten her etwas anderes. Aus meiner Sicht ist das aber auch ein komplett anderes Niveau. Es ist ehrlicher.

Ist es deswegen auch eine höhere Überwindung?

Für mich nicht. Wenn mir einer lustige Zähne in die Hand drücken würde, würde ich total affig reden. Das kann ich gar nicht. Das wäre die größere Überwindung. In Deutschland heißt du 'Comedian', wenn du in einer Halle auftrittst und die Leute kommen. Aber eigentlich ist ein Comedian jemand, der lustige Ideen hat. Der eine lustige Haltung hat und zu allem was sagen kann. In lustig.

Für jemanden wie mich, Konsument von Entertainment, ist das ein interessanter Input. Hab ich vorher nie drüber nachgedacht.

Ich gehe davon aus, dass das Authentische, Ehrliche erst mal Nische ist. Mein Antrieb ist es nicht, allen zu gefallen. Alles was allen gefällt ist meistens langweilig.

Du kannst die Kunst ja durchdenken: Justin Bieber erreicht die Leute auch mit irgendeinem Müll. Erfolg ist kein Indiz für Qualität. In Amerika ist die lustige Welt da total entwickelt. In einer politischen Krise kannst du einen amerikanischen Comedian fragen, was er dazu zu sagen hat. Du kannst davon ausgehen, dass die großen Comedians eine lustige und ehrliche Aussage machen. Frag mal die albernen Deutschen im Kostüm, was die davon halten, dass Jamaika gescheitert ist. Meinst du, da wirst du was Sinnvolles hören? Das können die ja gar nicht. Die werden durch das Kostüm in ihrem Kosmos eingeschränkt: ‘Wenn die Figur zum Beispiel eine betrunkener Feuerwehrmann ist, dann kann man eben nur etwas aus der Sicht eines betrunken Feuerwehrmanns sagen.’ Ich habe auch nicht zu jedem Thema einen mega schlauen Witz. Aber vom Grundgefühl will ich etwas sein, der über alles sprechen kann.

War es für dich von Anfang an klar, dass du auf diese Art Stand Up machen möchtest?

Das war immer klar. Mit einer Maskierung könnte ich einfach nicht. Da krümmen sich meine Fingernägel.

‘Stand Up’ heißt eigentlich Bühne, Mikro, kein Schnick schnack. Kein Kostüm, keine falschen Zähne, keine falsche Nase mit Schnäuzer, keine Puppen, keine Musik. Nix.
— David Kebe

Wo holst du deine Inspiration für die Witze her?

Man kann ja nur ehrlich und authentisch über das reden, was man kennt. Das heißt, ich muss aus meiner Welt erzählen. Runtergebrochen sind meine Themen eher 'boring', ich hab am Anfang über meine Fußballmannschaft geredet, rede jetzt über meine Eltern, darüber wie es ist, 33 zu sein, was Karriere bedeutet, und übers Singlesein sein und Freundin haben. Das sind Standardthemen, aber wichtig ist, man bringt eine neue Perspektive rein. Ich will mit dem Programm etwas sagen und ich will, dass das Publikum mich versteht. Auf der Bühne nur lustig sein, das ist wieder der alberne Scheiß. Ich mag Sachen, wozu noch keiner was gemacht hat. Amateurfußball zum Beispiel. Hab ich Tausend Jahre gespielt. Ich rede darüber, wie es ist in der letzten Liga zu spielen. Du kannst nicht absteigen und hast nur Idioten auf dem Platz, die sich jeden Sonntag die Köppe einhauen.

Wenn ich eine gute Party machen will, wer sind die letzten Menschen auf der Welt, die ich um Rat frage? Meine Eltern!
— David Kebe

Was kann man denn am 5. Dezember in deiner Show erwarten?

Ich kann dir sagen, was nicht kommt: Keine Grimassen, keine Musik, alles echt, alles von mir selbst geschrieben und das Beste was ich hab. Die erste Hälfte hat mit mir persönlich zu tun und erklärt aus welcher Welt ich komme, in der Zweiten geht es um meine Sicht auf andere Welten. Die Welt der Stars zum Beispiel. Oder die Welt der Hochzeiten. Was soll das? Alle heiraten, aber ich verstehe das nicht. So eine Hochzeitsparty zum Beispiel. Das ist doch keine Party. Das ist eine Mainstream Feierlichkeit die möglichst vielen verschiedenen Leuten gefallen muss. Mit Anfang Dreißig, wenn man vielleicht das erste mal im Leben ein paar Jahre lang am Stück Geld verdient hat, soll man 'ne Dreißigtausend Euro Feier schmeißen? Sag mal, haben sie die noch alle? In der Blütezeit meines Lebens soll ich mich festlegen? Jetzt? Außerdem hat es sich ja so eingebürgert, dass die Eltern des Brautpaares bei der Orga helfen und ihre Ideen für die Party einbringen. Wenn ich eine gute Party machen will, wer sind die letzten Menschen auf der Welt, die ich um Rat frage? Meine Eltern!

Erzählst du Witze zunächst im Freundeskreis, um zu testen wie sie ankommen?

Ne, direkt auf der Bühne, alles andere wäre zu gestellt. Die Eier musste haben. Ein Witz entwickelt sich, anfangs ist es immer ein gewisses Risiko. Aber irgendwann wird es dann geil.

Wen schaust du gerne?

In bestimmten Abständen flashen mich unterschiedliche Leute. Als ich Film studiert hab, fand ich Tarantino geil, später war es Seinfeld. Da war der aber schon vom alten Eisen, der war ja in den 90ern einer der erfolgreichsten Comedians. Bill Cosby hat eine Show über seinen 40. Geburtstag gemacht, das ist totlustig. Oder Steve Martin, der hat auch schon in den 70ern hammer Sachen gemacht. Und mein Größter ist George Carlin. Der war der Erste, der in den 70ern Dirty Jokes gemacht hat. In den USA gab es damals sieben Wörter, die durfte man nicht in der Öffentlichkeit sagen und wurden immer verpiept oder einfach gestrichen. Motherfucker, tits,  Cunt ... sowas. George Carlin hat ein Programm gemacht und das nach den sieben Wörtern benannt. Das war für diese Zeit unglaublich krass. Der hat Nummern von 1992, da geht es um Religion, Marketing und Massenmedien, das ist immer noch total treffend und präsent.

Was verbindest du mit dem Café Bauturm?

Ich mag die Gegend hier total. Ich habe in der Nähe gewohnt und fühle mich hier sehr wohl. Es gibt hier auch einige Cafés in denen sich alle vom Kellner bis Kunde sehr wichtig nehmen. Das mag ich nicht so. Hier ist es ruhiger und es gibt wenig Fuzzies. Ich find’s irgendwie nett.

Erzähl mir noch von deinem Verhältnis zu Köln.

Jetzt hab ich einen Kaugummi im Mund, ist egal?

Ist egal. Schmatz ruhig in mein Mikro.

Ich hatte schon immer den Drang, wegzugehen. Immer. Also gefühlt immer. Als ich 12 Jahre alt war, waren wir in Australien und mein Vater hat damals schon ein Konto für mich dort eröffnet. Er meinte 'Wenn du dann mal ein Austauschjahr machst, dann haben wir hier schon mal ein Konto.' Dann war ich so schlecht in der Schule, ich hätte das Schuljahr wiederholen müssen, wenn ich ins Ausland gegangen wäre. Das wäre für mich der Horror gewesen damals. Trotzdem wollte ich weg. Als meine Kumpels studierten, sind viele mit Auslandssemestern eine Zeit lang weg gegangen. Ich konnte das nicht so einfach, weil ich nicht studiert hab und nicht das Geld hatte und dachte nur 'Holy shit, ich will doch auch mal ins Ausland.' Aber wenn du Kunst als Leidenschaft hast, dann ist das alles nicht so gut organisiert. Irgendwann später im Studium hatte ich die Chance, mit einem Austausch ans Columbia College in Chicago zu gehen. Es gab nur einen Platz und der sollte an mich gehen! Die haben sogar mit der berühmtesten Improtheater Schule der Welt kooperiert, 'the second city theater'. Und ich fand heraus, dass es in diesem Semester ein Seminar über Comedy gab. Amerikansiche Comedy. Ich konnte nicht mehr, das war so gut, das konnte ja nicht klappen, dachte ich. Genau so kam es auch: Die Haushaltkrise in Amerika kam, das College hatte kein Geld mehr und schrieb eine Mail: 'Sorry, Austausch geht doch nicht.' Das war 2011. Und jetzt wo ich mein Soloprogramm auf Deutsch spiele, kann ich auch nicht weg. Aber im Sommer hab ich frei, dann hau ich ab.

Wer Lust bekommen hat, David mit "Aha? Egal." am 5. Dezember live zu sehen, sollte sich hier noch schnell Karten holen.



ZUM LACHEN IN DEN KELLER! mit DAVID KEBE
„Aha? Egal.“ David Kebes erstes Solo
05.12.2017 I 20:00 Uhr
Subway Club I Aachener Str. 82-84 I 50674 Köln

Wir danken für das sehr unterhaltsame und aufschlussreiche Gespräch und freuen uns auf die Live Show im Club Subway!

Eure Athenea & Charlotte