Die Wertschätzung des Moments - Open Mind

Text: Leni Wolf & Fotos: Leni Wolf & Eric Rosenberg

„Wenn du in einem Club stehst, und das Publikum nicht wie „Erbsen und Möhrchen“ klingt…!“
Damit meint der Moderator Dan O´Clock das normale Grundrauschen, das normalerweise auf Abendveranstaltungen mit Sekt und Bier herrsche.

Als ich die Location „Reineke Fuchs“ auf der Aachenerstraße am 19. April gespannt zur „Open Mind“ betrete, sehe ich den Club so voll wie sonst nur nachts nach 3 Uhr. Es wird auch nicht exzessiv getanzt, sondern man sitzt, steht oder liegt, lauscht und schaut.
Diese außergewöhnliche Form eines „Get-together“ wird heute von Kilian, Tim, Eichi und Jules, die zusammen we.magine bilden, zum dritten Mal veranstaltet. We.magine meint aber nicht nur diese Vier, sondern auch deren zahlreiche Freunde. Sie bilden eine Kollaboration aus Fotografen, Filmemachern, Musikern, Designern, Künstlern und Weltverbesserern.

Heute stehen „Musik, Bilder (bewegt und unbewegt) und ein guter Zweck“ auf dem Programm. Dan O´Clock eröffnet mit deutschen Texten zu Gitarre und mit einer großen Portion Glückseligkeit. Es folgt ein Ausschnitt aus „Happyland" von Chris Piotrowicz. Bilder von der Schönheit der Philippinen in wahnsinnig guten Schnitten. Danach folgt der gemeinnützige Teil des Abends. Harald und Christin, ein sympathisches Ehepaar, erklären, warum der Grüngürtel davor bewahrt werden sollte, allein zur Trainingsfläche des FCs zu generieren. Sie erläutern lieber die Geschichte der Stadt Köln, akzentuieren Punkte wie deren Natur und den Denkmalschutz, anstatt stumpfe Empörung zu schüren. Ein friedvoller Protest von Urban Hippies, der da im Club-Wohnzimmer stattfindet. Wer am Einlass seine 7 Euro bezahlt hat, spendet automatisch 2 Euro an die Initiative zur Rettung des Grüngürtels.

Danach ist wieder Zeit für die Kunst: Nico und Stella entführen uns in eine Welt, in der auch die fabelhafte Amelie wohnen könnte. Französische Chansons voller Herz und Charme mit der Bereitschaft alle schlechte Laune im Raum aufzusaugen. Und das funktioniert. Das Publikum singt und swingt mit.

Dabei schweift der Blick. An den Wänden hängen Bilder des „Fotomachers“ Zappic. Er bezeichnet sich selber nicht als Fotograf, denn das hat er nicht gelernt. Er nutzt die "Knipserei", um sich einen Ausgleich zu schaffen, so, wie andere Sport treiben. Dann erzählt er die „Anekdote vom einäugigen Esel“. Das entsprechende Detail sieht man auf seinem zugehörigen Foto zum Glück nicht, aber die Erzählung weckt Interesse. So erhält heute jeder, der eines seiner Bilder zum reduzierten Freundschaftspreis erwirbt, auch die Hintergrund-Story zum Foto.
Zum Schluss der Bewusstseinserweiterung gibt es soulige Hip Hop-Musik vom CatalinaClub.

Open Mind – der Name ist Programm. Immer wieder hat Dan O´Clock davon gesprochen, dass man sich auf den Moment besinnen solle und dankbar sein dürfe. Tatsächlich scheinen die Worte anzukommen, von einer Stimmung, die „Liebe“ heißt, und „die man sich dick auf´s Brot schmieren“ möchte.

Wenn also das Grundrauschen des Publikums fehlt, und alle aufmerksam bis selig an den Lippen der Künstler hängen, dann ist es wirklich eine Open Mind-Session.

Was ihr bekommt: verschiedene Künste in einem Raum, Drinks und nette Leute
Was es kostet: 7 €
Wo: Reineke Fuchs
Wann wieder: 21.06.16

Eure Leni