Ehrlich, herzlich, Kölsch - das Projekt „Drink doch ene met“

Text: Gina Käding & Fotos: Nathan Ishar

„Häs de och kei Jeld, dat es janz ejal, drink doch met un kümmer dich nit dröm“ singen die Bläck Fööss im kölschen Klassiker „Drink doch ene met“. Dass diese Mentalität in Köln nicht nur während des Karnevals Gebot ist, sondern auch im Alltag gilt, darauf setzte eine Gruppe Studentinnen der Technischen Hochschule Köln und riefen im Rahmen eines Uniprojektes die Initiative „Drink doch ene met“ ins Leben. Die Idee: Wer in einem Kölner Café einkehrt, kann zusätzlich zum eigenen Verzehr noch einen Kaffee oder ein Stück Kuchen für jemanden mitkaufen, der sich einen solchen kleinen Luxus im Alltag normalerweise nicht leisten kann.

An einem Donnerstagabend sitzen wir mit Lisa und Marisa im Carmelädchen zusammen, einem von vier Cafés in der Kölner Südstadt, die das Projekt seit seinen Anfängen vor ein paar Monaten begleitet haben. Auch die freundliche und engagierte Besitzerin des Cafés, Carmen, hat sich dazu gesellt. An der Wand neben unserem Tisch sind Notizzettel in Reih und Glied aufgehangen. Darauf stehen Dinge wie „Gutschein für einen Milchkaffee“ oder „Für eine Tasse Kaffee und ein Stück Käsekuchen. Lass es dir schmecken!“

Bedürftige Menschen können im Café vorbei kommen, suchen sich einen der Gutscheine an der Wand aus und lösen ihn bei Carmen an der Kasse ein. „Wir sind wirklich überwältigt von der Resonanz der Spender“, erzählt Marisa. Während von Anfang an viele Menschen gerne bereit waren, einen extra Kaffee oder ein Stück Kuchen mehr zu kaufen, um eine bedürftige Person zu unterstützen, so waren es eher die Bedürftigen selbst, die sich am Anfang nicht so recht trauten, das Angebot in Anspruch zu nehmen.

„Drink doch ene met“ - der Satz steht im kölschen Grundgesetzt. Für die Studentinnen repräsentiert er genau das, was Köln besonders macht.

Wie kam es überhaupt zu der Idee hinter dem Projekt? „Wir studieren alle International Management“, erzählt Lisa, „Wir sollten im Rahmen des Studiums ein Projekt entwickeln, mit dem man Menschen helfen kann.“ Nachdem sie von einem ähnlichen Projekt in Italien erfahren hatten, hatte sich die Idee zu „Drink doch ene met“ schnell in ihren Köpfen festgesetzt. Auch der Name war bald gefunden.

Der Satz steht ja auch im kölschen Grundgesetz, er ist ehrlich, herzlich und drückt den Kölner Geist aus.
— Lisa

Dadurch, dass das Projekt für die Uni gedacht war, musste die Gruppe ihr Konzept nicht nur betreuen, sondern auch permanent überwachen, analysieren und überarbeiten. So konnten kleine Hürden schnell gemeistert werden - da war zum Beispiel die anfängliche Scheu der Cafébesitzer. Diesen erachteten die Intention von „Drink doch ene met“ zwar als lobenswert, hatten aber Sorge, was für eine Klientel sich im Rahmen der Aktion möglicherweise in ihren Läden einfinden würde. Da galt es, Überzeugungsarbeit zu leisten, viel organisatorischen Aufwand zu betreiben - doch das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Carmen erzählt von einer alten Dame, die eines Tages ins Carmelädchen kam und schüchtern fragte, ob sie richtig verstanden habe, dass weniger wohlhabende Menschen hier einen Kaffee bekommen könnten. Da saß sie dann, mit strahlendem Gesicht, nachdem sie ihren Gutschein eingelöst hatte und schaute, selig ihren Milchkaffee schlürfend, dem Treiben auf der Bonner Straße zu. „Sie erzählte, dass sie das in ihrer Jugend mit ihren Freundinnen immer gemacht habe, sich das jetzt aber schon lange nicht mehr habe leisten können.“

„Klar ist das alles sehr viel Arbeit, aber wenn wir dann solche Geschichten hören, dann wissen wir immer, warum sich all das so lohnt“, erzählt Marisa.

Mit dem Abschluss des Uniprojektes entwickelt sich „Drink doch ene met“ weiter - Lisa und Marisa wollen die Aktion unbedingt weiterführen

Nun steht „Drink doch ene met“ allerdings vor einer neuen Bewährungsphase, denn die Uni haben die Mitglieder der Projektgruppe mittlerweile abgeschlossen und damit ist theoretisch auch das Projekt zu Ende - doch während die einen sich jetzt ganz auf ihre Zukunftspläne konzentrieren wollen, haben sich Lisa und Marisa dazu entschieden, „Drink doch ene met“ weiterzuführen. Auch wenn das mit nun, mit Vollzeitbeschäftigung, seine ganz eigenen Herausforderungen mit sich bringt.

„Wir würden gerne ein eingetragener Verein werden, noch mehr Cafés zum Mitmachen bewegen“, erzählt Marisa. „Außerdem haben wir gerade begonnen, das Projekt aus den Cafés rauszutragen, da wir uns bei Bewohnern von Seniorenheimen nicht sicher waren, ob sie mobil genug sind, um auch zu den Cafés zu kommen. Da haben wir dann in Kooperation mit dem Seniorenheim Rosenpark ein Treffen bei Kaffee und Kuchen veranstaltet.“ Sie luden auch ein paar Flüchtlinge ein, die sie durch andere Projekte kannten. „Wir fanden es einfach toll, diese verschiedenen Gruppen, die ja in unserer Gesellschaft manchmal außen vor bleiben, zusammen zu bringen.“ Nachdem die erste Scheu überwunden war, war es ein großartiges Miteinander. „Ein solches Treffen findet jetzt jeden Monat statt.“

Die Intention sei dieselbe wie bei der Ursprungsidee von „Drink doch ene met“. Marisa: „Es geht einfach darum, zusammen zu kommen und bei Kaffee und Kuchen das Leben zu genießen.“

Na, begeistert von der Arbeit der Mädels? Dann werde selbst ein Teil von „Drink doch ene met“ und unterstütze das Projekt, damit es auch weiterhin positive Kreise durch Köln zieht. Egal, ob du ein interessierter Cafébesitzer bist, etwas Zeit erübrigen kannst, um bei der Organisation zu helfen, oder vielleicht sogar finanzielle Unterstützung leisten möchtest, z.B. für Werbung und Marketing - Marisa und Lisa freuen sich riesig über die Hilfe von Stadtfreunden und Köln-Enthusiasten, die gemeinsam die kölsche Herzlichkeit verbreiten wollen!

Kontakt und mehr Infos zum Projekt
www.facebook.com/Drink-doch-ene-met

Teilnehmende Cafés sind derzeit das Carmelädchen, die Caffe'Bar, das Café Einspänner und sabor 'ermoso - allesamt in der Südstadt.

Eure Gina & Euer Nathan