Kölner machen seit 112 Jahren Hüte: Diefenthal 1905

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Florian Yeh

Gut „behütet“ sind sie allemal im freundlichen Diefenthal-Hutmacherteam mit dem wir, einen Monat nach ihrer Ladeneröffnung in der Kettengasse, verabredet sind. Begrüßt werden wir von Pia Diefenthal, der Hutmacherin in 4. Generation des Traditionshauses, welches zunächst auf die Fertigung von Damenhüten und kunstvollen Kopfbedeckungen spezialisiert war und dabei zeitweise bis zu 500-600 Angestellte aufwies.

Fröhlich lächelnd sitzt die junge Frau heute mit einem Kaffee in der Hand vor ihrem neuen Laden „Diefenthal 1905“, einem wahren Kopfbedeckungs-Paradies, diesmal für Mann und für Frau. Sie hat das Geschäft zusammen mit ihrem Lebenspartner Thomas Rüttgers ins Leben gerufen. Zu ihren Füßen liegt ihr wunderschöner, brauner Hund Barney, der sich über ein sonniges Plätzchen und die gemütliche Ruhe auf dem Bürgersteig der Kettengasse freut, jenseits der Hektik und dem Getümmel des Passantenstroms der nahegelegenen Ehrenstraße. „Wir haben hier Zeit auf den Kunden einzugehen“, so Pia, „die Privatheit und Ruhe ist wichtig für das Kundengespräch und das Wohlfühlen.“ Für manche bedürfe es erstmal Mut, sich überhaupt einen Hut aufzusetzen und sich damit die Frage zu stellen: „Wer bin ich, wie will ich sein und aussehen?“, sagt Pia. Dabei müsse man in keiner Weise besonders geeignet sein, einen Hut tragen zu können. Auch den Mythos vom notwendigen „Hutgesicht“ glaube sie nicht.

„Jeder, der reinkommt, ist ein Hutbürger für uns!“

Das ruft mir in dem Moment Pias Lebensgefährte Thomas munter zu, der gerade ein Kundengespräch beendet hat und sich jetzt zu uns auf das Bänkchen vor dem Laden gesellt. Sie beide selbst gebe es überhaupt nicht „ohne Hut“, meinen sie auf meine Frage diesbezüglich einhellig. „Das ist pure Gewöhnungssache!“, meint Thomas. „Ich fühle mich sogar nackt ohne Hut!“, gibt Pia zu, „und Thomas läuft gar zurück, um seine Kopfbedeckung zu Hause zu holen, wenn er sie mal vergessen hat!“, schließt sie noch an. Beide müssen lachen.

Nachdem ich, während wir so plaudern, unzählige Kunden in und aus dem Laden kommen sehe, wird meine Neugier groß, wir betreten nun endlich gemeinsam das Innere. Wunderschön edles Interieur strahlt mir entgegen, mit zahlreichen, verschiedenen Hut- und Kappenmodellen drapiert, durch liebevolle Accessoires ergänzt. Im Zentrum und Kassenbereich steht ein wunderschöner Arbeitstisch, der sofort meinen Blick anzieht. Thomas scheint meine Faszination bemerkt zu haben: „An diesem Tisch hat bereits Pias Opa gesessen und gearbeitet, er ist ein original Mauser-Tisch, ein frühes Modell von Industrie-Mobiliar und hat damals schon in seinem Showroom gestanden. Es war uns sofort klar, dass er hier einen zentralen Platz erhält.“

Sämtliche, den Tisch umgebende Ladenausstattung hat Thomas selbst entworfen und gebaut, er hat den traditionellen Stil aufgegriffen, ihn zu einem großen Ganzen im Laden ergänzt und damit zugleich ins Hier und Jetzt der heutigen Zeit gebracht.
— Pia Diefenthal

Als ich meinen Blick endlich losreißen kann, bemerke ich erst Leo Kuhnen, den Store-Manager, der mich die ganze Zeit über sehr wohlwollend angelächelt hat und meine staunende Reaktion über das wunderschöne Ladeninnere bereits zu kennen scheint, wie mir sein Schmunzeln verrät. „Es ist wunderschön für mich in einem Team zu arbeiten, wo das Herz für ein und dieselbe Sache schlägt“, bekennt er spontan, woraufhin Pia und Thomas lachend zu ihm eilen und ihn stürmisch umarmen. Es liegt pure, ehrliche Herzlichkeit im Raum.

„Der Hut bringt viele interessante Menschen in den Laden“, meint Leo zudem, „Prominente eingeschlossen!“. So seien beispielsweise Kuddel von den „Toten Hosen“ oder auch Julius Brinkmann, der Olympiasieger im Beachvolleyball, zuletzt im Laden gewesen. Aber egal, ob prominent oder nicht, alle verbinde schlicht dieselbe Leidenschaft, stellt er fest.

„Wie entstehen neue Hut-Kreationen, die solche Emotionen auslösen können?“, will ich wissen. „Ich träume manchmal vorab von den neuen Hüten“, meint Pia lachend, „dann sehe ich sogar ganz konkrete Formen oder Farben vor mir, und wenn die Idee wirklich gut ist, vergesse ich sie auch nach dem Aufwachen nicht!“

„Wieviel Hüte besitzt ihr selbst?“, will ich weiter erfahren. „Um die 25!“, ruft Leo sofort. Pia überlegt etwas zögerlicher. Könne sie nicht genau sagen, meint sie schließlich, sie probiere jedenfalls immer gerne die laufenden Kollektionen aus und wechsle daher eher häufig, auch um eigene Erfahrungen zum Tragekomfort und zu Materialeigenschaften zu sammeln, ergänzt sie noch. Thomas hingegen ist eher beständiger, bei ihm habe vor langer Zeit eine besondere, damals neu erworbene Jeans den Anfang gemacht, die er als Outfit dann mit einer Kappe komplettiert habe von der er sich seitdem nicht mehr trennen habe wollen. Oft sei eine Kappe bei Männern überhaupt das „Einsteigermodell“, weil viele offenbar recht einfach von einer gewöhnlichen Basecap so zur „echten Kopfbedeckung“ wechselten.

Wir könnten endlos weitere Hutgeheimnisse berichten.

Wir könnten zum Beispiel erzählen, dass es spannende Materialien, wie Walkwolle und verschiedene Stoffe gibt, dass ein edler Hut aus geschorenem Hasenhaar ein besonders geeigneter Wärmespeicher ist, während ein Filzhut eher klassischen Regenschutz bietet, dass die Hutmodelle alle eigene Namen als Bezeichnung aufweisen, so zum Beispiel „Ina“, nach einer Mitarbeiterin benannt, dass bestimmte Rohmaterialien, so manche Filzstumpen oder gewisse Farben schwer zu beziehen sind und so weiter und so fort.

WE ARE CITY „zieht den Hut“ vor der sichtlich harten Arbeit, die einem in der Darstellung des Diefenthal 1905-Teams allerdings eher wie ein erfüllendes Hobby vorkommt und alle Tag und Nacht beschäftige, weil es schlicht ihr Leben sei! Ein letztes Geheimnis sei verraten: Wir haben uns von aller Leidenschaft anstecken lassen, sowohl Fotograf Florian Yeh als auch Redakteurin Steffi Kutsch haben nach Erstellen dieses Beitrags nicht ohne neuen, eigenen Hut den Laden verlassen.

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Hutladen Diefenthal 1905
Kettengasse 3
50672 Köln

Preisspanne
Kappen von 49-99 Euro
Hüte von 59-200 Euro

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 11 bis 19 Uhr
Samstag 10 bis 18 Uhr

Eure Steffi und Flo