Green Club Index I Die Welt des Spaßes achtet auf Nachhaltigkeit

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Nathan Ishar

Energiesparen. Energieeffizienz. Energiemanagement. Das sind nicht unbedingt die Begriffe, die man mit einer rauschenden Clubnacht in Verbindung bringt. Dabei verbraucht eine Diskothek mit durchschnittlicher Größe 120.000 Kilowatt Stunde pro Jahr. Das entspricht einem Jahresverbraucht von mehr als 30 Drei-Personen-Haushalten. Es gäbe als Anlass, sich Gedanken zu machen.

Als Feierkonsument oder Konzertgast werden die maximale Show mit einem maximalen Erlebnis erwartet. Man geht feiern, um den Alltagsstress aus den Haaren zu schütteln. Und wer vorfreudig zu einem Herbert Grönemeyer Konzert pilgert, will nicht hören „Hallo, mein Name ist Herbert Grönemeyer. Ich habe heute meine halbe Band zu Hause gelassen, um energieeffizient zu sein“.

Dass es aber tatsächlich machbar ist, kreativ und laut zu sein und trotzdem Energie dabei zu sparen, zeigten beim Pressetreffen die Betreiber der Kölner Clubs Gebäude 9, der Stadtgarten, Artheater, die King Georg Klubbar sowie das Gloria Theater und der Club Bahnhof Ehrenfeld. Sie sind Teil des Pilotprojektes Green Club Index, dem ersten nationalen Projekt zum Thema Energieeffizienz im Clubbereich. „Energieeffizienz heißt nicht Licht aus oder Musik leiser“, sagte der Gründer, Jacob Bilabel, beim Pressetermin für den Green Club Index 2016.

Bereits 2011 startete das Projekt. Damals engagierten sich sechs Clubs in Nordrhein-Westfalen. Heute sind es deutschlandweit 45, diesen Monat ging es in eine neue Runde. „In Gesprächen mit Clubbetreibern verursacht das Thema Nachhaltigkeit erst mal glasige Augen und ein nervöses hin- und her Rutschen auf dem Stuhl“, erzählt Bilabel. Dabei sei es gar nicht so schwierig, die Welt des Spaßes mit Nachhaltigkeit zu verbinden, man müsse nur „Bock auf Innovation“ haben, dann könne man auch in diesem Bereich mit der Ressource Kreativität neue Wege gehen, so der Gründer.

Beim Projekt werden spezielle Energieberater ins Boot geholt, um mit den Clubbetreibern pragmatische und sinnvolle Maßnahmen zu entwickeln. Einer von ihnen ist Michael Müller von der EnergieAgentur.NRW, die im Auftrag der Landesregierung operiert. Seit Beginn in das Projekt involviert, kann er auf einen langjährigen Erfahrungsschatz zurückblicken und meint: „Man muss die Bereiche abschöpfen, die der Partygast nicht merkt.“ Dazu gehören Kühlschränke, die reine Energiemonster sind. Aber es ginge nicht darum, plötzlich zimmerwarmes Bier zu verkaufen. Vielmehr müsse man sich überlegen, wann es Sinn mache, die Geräte anzuschalten und wann nicht. Auch bei anderen technischen Geräten sieht Müller Potenzial: Lüftungsanlagen oder Scheinwerfern beispielsweise.

Der Club Bahnhof Ehrenfeld und das Gloria Theater gehören zu den Pionierclubs in Köln, die Lust auf Innovation hatten. Beim Projekt Green Club Index mitzumachen habe seinen Club und sein Team sehr bereichert, meinte Gabriel Riquelme, Betreiber des Club Bahnhof Ehrenfeld. Ja, es gehöre eine langfristige Planung dazu, bei der das ganze Team einbezogen werden müsse, räumte er ein. Um beispielsweise die Lebensdauer von Geräten zu steigern, müsse man diese regelmäßig absaugen. Also ganz klassisch den Staub entfernen. „Das erfordert Disziplin, gerade nach einer langen Nachtschicht“, sagte der Clubbesitzer. Riquelmes Entscheidung, beim Projekt mitzumachen kam jedoch nicht nur der Umwelt zu Gute, sondern auch dem Club Bahnhof Ehrenfeld. 2013 sparte die Location nicht nur 47,5 Prozent im Strombereich, sondern auch 4.992 Euro. Das Gloria Theater konnte 27,6 Prozent Kilowatt Stunde und 7.012 Euro Einsparungen verzeichnen (Quelle: Green Club Index).

In einem 12-monatigen Projekt werden vier Workshops mit den Kölner Clubs sowie weiteren Diskotheken und Bühnen stattfinden. In dieser Zeit werden Erfahrungen und Ergebnisse der Energieberatung ausgetauscht und der Öffentlichkeit vorgestellt.

Eure Lotte & Euer Nathan