FEATURED: ART.FAIR 2016 / Fair for modern and contemporary art

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Text: Steffi Kutsch & Fotos: Athenea Diapoulis & Simon Hariman


Jedes Jahr aufs Neue beeindruckt mich stets das kunstvolle Gesamterlebnis der ART.FAIR, der Messe für moderne und aktuelle Kunst in Köln, die vom 27. Oktober bis zum 30. Oktober in den Kölnmesse-Hallen 1 & 2 stattfindet. Hier geht es um die Präsentation junger und zeitgemäßer Kunst, ums Verkaufen und das Vorstellen von Künstlern durch die unterschiedlichen, z.T. internationalen Galerien, die die Teilräume der Halle bzw. beide ihrer Stockwerke, gekonnt bespielen.

Zum Interview bin ich mit dem finnischen Künstler Kuskaa Saksi in der Mumm-Lounge im zweiten Stock der Art.Fair verabredet. Der Ort ist kein Zufall, da Kustaa, der auf Deutsch Gustav hieße, zum heutigen Anlass ein Flaschen-Etikett für Mumm-Sekt designte, wobei das Motiv als Tapeten-Hintergrund in der gesamten Lounge aufgegriffen wurde und von weiteren Designern zudem als Anregung für diverse im Raum verteilte „Sitzobjekte“ diente. Auf grau-schwarzen, schwungvoll-geometrischen Grundformen heben sich demgemäß weiße Kugeln ab, die die prickelnden „Bubbels“ des perlenden Sekts repräsentieren. Diese verdichten sich ihrerseits wieder in scheinbar zufälligen Ansammlungen an grünen Ranken bzw. Rebstöcken als ganze Traubenbündel, was natürlich auf die Herkunft der Sektgewinnung bzw. das Ursprungsprodukt anspielt.

Zum Gespräch über die eigentlichen künstlerischen Arbeiten von Kuskaa lassen wir uns lachend und mit einem Gläschen Sekt in der Hand in die soft-weiche Rauminstallation eines übergroßen Traubenstranges fallen, was eigentlich untersagt ist, aber zum Interview ausnahmsweise gestattet sei. Der Künstler ist mir allein durch diese Aktion sympathisch, genauso frei und ungezwungen wünscht er sich selbst entsprechend den Umgang und die Kontaktaufnahme, z.B. durch Berührungen seiner Kunstwerke, durch die Besucher. Er freue sich geradezu, dass seine Arbeiten – überdimensional große Wandteppiche in „Jacquard“-Optik aus natürlichen Materialien wie Wolle und anderen Garnstrukturen, knallbunt gemixt mit metallischen und z.T. gar phosphorisierenden Fäden- eben diese, den Betrachter zum „Berühren- wollen“ animierende Wirkung hätten.

Als Grund für die zu sehende vielfältige „Farbpalette“ nennt er schmunzelnd den früher empfundenen Lichtmangel und die Tristesse karger Winterlandschaften seines südfinnischen Heimatdörfchens, aus dem er stammt. Der in Folge entstandene üppige Farbausdruck seiner Werke sollte bewusst einen kompletten Kontrast bilden und durchaus an exotischen Urlaubsflair erinnern. Seine „persönliche Farbpalette“ habe sich dabei aber in den vergangenen Jahren durchaus verändert und sei mittlerweile sogar eher schlichter geworden. Er wohne ja nun schon seit über 10 Jahren nicht mehr in Finnland, sondern aktuell z.B. im pulsierenden Amsterdam. Das zuvor beschriebene künstlerische Gegengewicht als Ausgleich sei nicht mehr nötig, sagt er und fügt schmunzelnd hinzu, dass er sich mittlerweile sogar ab und an wieder nach dem Gegenteil, den natürlichen und oftmals ursprünglichen Naturregionen sehne, um seine Seele baumeln zu lassen und zur Ruhe kommen zu können. Um dies Naturempfinden nachzustellen, gab es in der Vergangenheit z.B. schon Hängungen und Installationen seiner Wandteppiche innerhalb von Laubwäldern, wo sie, anders als im gewohnten Umfeld von Galerien ganz neue und für den Künstler selbst spannende Wirkungen erzielen können. Am liebsten präsentiere er seine Werke aber dennoch auf schlicht weißen, nüchternen Wänden, damit sie ihre volle Strahl- und Wirkungskraft darauf entfalten könnten.

Bildquelle: www.hugoandmarie.com/artist/kustaa-saksi

Auch seine gewählten Bild-Motive sind, im weitesten Sinne, natürlichen Ursprungs. Dargestellt sind Elemente aus Träumen, die sämtlich aus realen Traum-Erlebnissen einer um die 30-Jährigen Verwandten Kustaas stammen, welche unter einer krankhaften Form der Schlafstörung leide und dadurch tatsächlich in jener für sie selbst während des Traumes überaus realistisch wirkenden Weise träume, die sie dem Künstler nachher berichtet. Da sie ihm alles ganz frei und ungezwungen erzählt, gibt es in der Folge entsprechend positiv-fantasievolle Träume sowie auch Albtraum-Szenarien mit Spinnen und Monstergestalten, die Kustaa anschließend in den Wandteppichen aufgreift.

Die Gesamtkomposition eines solchen „Teppich-Bildes“ übernimmt der Künstler dann selbst. Er zeigt demnach letztlich nur seine Interpretation des ursprünglichen Geschehens, was er z.T. zunächst auf einem Skizzenblock entwirft, sie aber in ihrer Endform und Zusammensetzung auf dem Computer gestaltet und anschließend in spezielle Webmaschinen einspeist.
Durch die künstlerische Interpretation der vorgefundenen Träume selbst sowie im Besucher-Kontakt bei zahlreichen Ausstellungen, sollen gewollt und bewusst neue, eigene Traum-Wirkungen gefunden werden, was Kustaa besonders spannend findet.

Sein Talent zum bildlichen Geschichten-Erzählen stammt bereits aus früheren Jahren in denen er als Illustrator tätig war, wobei er sich in seiner Darstellungsweise insbesondere an Stilrichtungen der Epochen „Art Deco“ oder „Art Nouveau“ orientiert und sich an psychedelische Muster von Vinyl-Plattencovern oder Plakaten der 60er/70er- Jahre anlehnt.

Ungern erhebe ich mich schließlich aus den soften Kissen des „Trauben-Sitzmöbels“ auf dem wir saßen. Ich verabschiede mich von dem äußerst sympathischen und interessanten Künstler und gebe mich beim weiteren Durchlauf durch die Hallen meinen eigenen bunten Tagträumen und den Impressionen des fröhlichen Art.Fair-Geschehens hin.

Beim weiteren Rundgang bewegen sich, links und rechts von mir, Kunstwerke vorbei, dabei durchaus einige in Menschengestalt. So fällt mir jedes Jahr aufs Neue bei meinem Art.Fair-Besuch auf, dass mich nicht nur der Blick auf die Bilder an den Wänden oder die Installationen der Künstler auf dem Boden der kleinen Galerien-Separées fesselt, sondern es bleibt mein Blick ebenfalls an dem ein oder anderen Besucher haften. Sie haben sich Gedanken gemacht und besondere Mühe gegeben, denke ich bei mir, in besonderer Weise z.B. ihre Haare aufgetürmt oder gar speziell gefärbt, tragen Hüte oder undefinierbare aber in jedem Fall spektakuläre Kopfbedeckungen, haben geometrisch- runde oder besonders kantige Brillen-Formen und weisen insgesamt einen bunten Muster- und Farbmix ihrer Kleidung auf. Es gibt neonfarben-bestrumpfte Damen mit ansonsten hochgeschlossenen Kostümen, Herren in auffällig gemusterten Sakkos oder gar mit Capes, z.T. herrscht auch nüchternes Schwarz vor. Wie ich es liebe, diese freie und gelöste Stimmung, in der sich ein jeder gar ein bisschen selbst als Künstler fühlen oder dazu machen kann.

Als mein Blick wiederholt an einem kleinen Grüppchen Besucher hängenbleibt, die sich im Halbkreis stehend angeregt unterhalten, entdecke ich auch den Grund dazu. In ihrer Mitte steht ein Künstler, der gerade live an einem seiner Werke arbeitet und damit beschäftigt ist, braunes, handelsübliches Paketband in Streifen zu Lagen zusammen zu fügen. Diese klebt er auf einen speziellen Leuchtkasten übereinander, sodass im Ganzen der Eindruck eines dreidimensional wirkenden sepiafarbenen Bildes entsteht, das Szenen mit Liebespaaren, Frauenfiguren, einer Westernszene oder ähnliches in der Stilrichtung von 20er-Jahre-Filmen zeigt. Gebannt betrachte ich mit den weiteren Zuschauern, die fasziniert stehengeblieben sind, den Entstehungsprozess und komme mit dem Künstler Max Zorn ins Gespräch, der ursprünglich für sich gar nicht den Weg über eine studierte Kunstausbildung wählte, sich aber immer besonders für die Streetart-Szene interessierte und hierüber selbst einen kunstpraktischen Zugang für sich fand.

Impuls für seine Arbeiten kam ihm durch sein persönliches Bedauern, dass all die herrlich-bunte Streetart-Kunst unserer Umwelt, bei Nacht betrachtet, ihre Wirkung verliert und schlicht im Dunkel verschwindet. Max hatte demgegenüber den Gedanken, eine entsprechende Kunstform für die Nacht zu finden bzw. sie dorthin zu übertragen. Er experimentierte dazu mit halbtransparentem braunen Klebeband, welches er zunächst in geometrischen Formen -bei Tag- am Küchenfenster installierte und ausprobierte. Fast organisch fand er in diesem Prozess für sich die Möglichkeit mit einem Skalpell weiche, runde Formen auszuschneiden und durch Übereinander-Kleben insgesamt einen 3D-Effekt und eine spezielle Raumwirkung zu erzeugen.
In der Nacht brachte er seine hübschen Bilder in der Nachfolge an Straßenlaternen an und führte sie damit auf die Straße als Wirkungsraum.

Motivisch möchte er die Menschen durch ausgewählte Szenen z.B. des „Film Noirs“ oder überhaupt der 20er-Jahre ansprechen, welche ihm selbst besonders gut gefallen. Immer handelt es sich dabei um Szenen und Ausschnitte, die berühren sollen.

Seine Farbpalette wurde im weiteren Verlauf durch ein kühles Transparent-Weiß, z.B. bei Wolken- oder Luft-Simulationen genutzt, um einen Eindruck von Weite zu erzeugen, oder auch ein sattes Rot, welches Kleinigkeiten und besondere Schmuckstücke als Detail im Werk hervorhebt. Wie er zu dieser Entwicklung gekommen sei, frage ich Max, der mir lächelnd antwortet, dass man ihm ursprünglich schlicht einmal das falsche Farbband geschickt hatte, welches er in der Weise für sich nutzte. Selbst die zeitweiligen Knicke, die das dünne braune Band erzeugt und die ihn zunächst ärgerten, hat er mittlerweile als positiven Fakt zur weich-fließenden Gestaltung von Haaren und Kleidern für sich gebraucht.

Nach dem millionenfachen Klicks eines Youtube-Videos zum Bild-Entstehungsprozess, welches er zunächst aus reinem Spaß ins Netz setzte, entschloss er sich, diese Tätigkeit als Kunst zu verbreiten, was ihm so gut gelang und was so viele Menschen anspricht, dass er mittlerweile von Hongkong bis Amerika, sprich weltweit, hiermit unterwegs ist.

Vollkommen beeindruckt und kreativ angeregt durch die intensiven Gespräche mit den zwei ausgewählten Art.Fair-Künstlern, geflutet voll positiver Stimmung und dem herrlich bunten Gesamteindruck der Messe, schlendere ich glücklich Richtung Ausgang. Die Zeit ist im Nu verflogen, draußen wirken im Nachtwind und bei Sternenhimmel die Eindrücke in meinem Innern nach.

WE ARE CITY empfiehlt euch ganz besonders einen Besuch auf der diesjährigen Art.Fair, es lohnt sich allemal!

Eure Steffi, Athenea & Euer Simon

ART.FAIR
Do, 27.10 - So, 30.10.2016
koelnmesse, Halle 1 und 2
Messeplatz 1
50679 Köln Deutz
www.art-fair.de

* *Sponsored Post: Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit Mumm Sekt.