IMPRESSIONEN: ‚SPHÄRE’ eine Fotoausstellung von PRAMUDIYA

Gastautorin: Jacqueline Petrich / shecomesinblack.de & Gastfotograf: Martin Förster / foerster-photography.de

Minimalistisch, ruhig und dennoch ergreifend: das waren die Adjektive, die mir bei der Vernissage als erstes durch den Kopf schossen, als ich Nathan Ishars Ausstellung zu Gesicht bekam. Mit Abstand betrachtet, öffneten sich mir ästhetische Inszenierungen von Mensch, Architektur, Natur und großen Flächen. Die Schwarz-Weiß-Fotografie brachte Kontraste sehr schön zum Vorschein und lenkte den Blick auf Formen und Beziehungen von Mensch und Umgebung. Bei genauerem Hinsehen tauchte man ein in eine Welt der Ruhe. Atmosphäre und Gemütslage kamen zum Ausdruck.

Ich wollte die Geschichte hinter der Fotografie und den abgebildeten Menschen erhaschen.

Seit dem 04.06.2016 stellt Nathan Ishar einige seiner Arbeiten bei Kenkawai aus. Die Ausstellung „SPHÄRE“ ist eine Sammlung einiger Fotografien seiner Aufenthalte in Südkorea und Japan (Tokyo, Mt. Fuji und Kyoto) aus dem Jahr 2015. Mit seiner Fotografie setzt Nathan große Flächen in Bezug zu Individuen, sei es in der Großstadt oder der Natur. Der Mensch wirkt als Verbindung dieser und den sowohl traditionellen aber auch technologisierten Flächen der beiden Städte.

Die Atmosphäre der Veranstaltung stimmte. Kenkawai stellte eine entspannte und ruhige Umgebung, in der sich Nathans Arbeiten perfekt integrierten. Kaum verwunderlich, dass eine Verbindung zu Japan beidseits vorhanden und spürbar war. Denn wie der Name bereits erahnen lässt hat Kenkawai japanische Wurzeln und meint so viel wie „Gesundheit“ und „im Fluss sein“. Kein anderer Ort hätte Nathans Arbeiten besser ins Licht rücken können.

What is needed most in architecture today is the very thing that is most needed in life- Integrity. Just as it is in a human being, so integrity is the deepest quality in a building.
— Frank Lloyd Wright

Ich habe Nathan zum Interview gebeten, um tiefere Einblicke in seine Ausstellung zu erhalten.

Wie hast du die Ausstellung erlebt und mit welchen Fragen, wurdest du am häufigsten konfrontiert?

Für mich war eine Einzelausstellung erneut eine bereichernde und spaßige Erfahrung. Das Feedback und der Austausch mit den Gästen waren spannend und inspirierend. Man freut sich über Freunde, die vorbeischauen, aber auch über fremde Personen, die sich für meine Arbeiten interessieren.

Oft wurde ich gefragt, ob oder inwieweit die Fotos gestellt sind, wie die Fotos entstanden sind und wie lange ich gewartet habe, da ich ja meist nur ein oder zwei Personen auf dem Bild hatte, die teilweise sehr belebt sein konnten.

Erzähl mir etwas über den Titel „SPHÄRE“ deiner Ausstellung.

Das faszinierende an Tokyo und den Orten, die ich festgehalten habe, war, dass ich dort nochmal verstärkt gemerkt habe, dass, obwohl wir in einer so „vernetzten“ und offenen Welt leben, jeder für sich selbst in seiner eigenen Sphäre ist. Der Titel steht letztendlich für die Kontraste zwischen belebten Orten und den Individuen in ihrem - von diesen Schauplätzen losgelösten - Bereich.

Minimalistische Kompositionen, die Architektur und Mensch in eine Beziehung setzen, sind kennzeichnend für deine Arbeiten. Gibt es einen Fotografen/Künstler, der dich dazu besonders inspiriert?

Es gibt natürlich viele Fotografen und Künstler, die mich aus verschiedensten Gründen beeinflusst haben. Als ich mich das erste Mal intensiver mit Fotografie beschäftigt habe, waren besonders Filme spannend. Michael Haneke, Ingmar Bergmann, Gaspar Noé, David Lynch und Chan Wook Park haben mich sehr geprägt. Besonders spannend im Bezug auf Orte und Street- oder Reisefotografie sind für mich die Arbeiten von Hiroshi Sugimoto und natürlich Henri Cartier-Bresson. Neulich habe ich auch mehr Arbeiten von Fan Ho entdeckt, dessen Fotografien ich beeindruckend finde. Ich kannte bis vor wenigen Wochen nur ein Foto von ihm.

Wie muss man sich die Entstehung deiner Bilder vorstellen? Liegst du auf der „Lauer wie ein Jäger“ und wartest gerne auch mal eine Stunde auf den passenden Moment oder sind deine Arbeiten viel mehr spontane Schüsse, die auf ein gutes Gespür für eine stimmige Komposition zurückzuführen sind?

Meist schaue ich am Anfang, nachdem ich ein gutes Setting entdeckt habe, welche Perspektive mir besonders gefällt und warte dann auf das richtige Arrangement an Personen im Foto; manchmal auch auf das passende Licht. Da ich die Fotos nachträglich nicht manipuliere und es auch wichtig ist, wo die Personen in dem Ort sind, kann es manchmal länger dauern bis mich das Ergebnis zufrieden stellt. Bei einem Ort, wo mehrere Fotos entstanden sind, war so schönes Wetter und die Gegend lag direkt am Wasser, so dass ich einfach einen guten Nachmittag hatte und ab und an geschaut hab, ob sich an den Spots, die ich besonders fotogen fand, etwas Neues tut.

Vielen lieben Dank, Nathan!

Ich, als bekennender Schwarz Weiß Liebhaber, bin begeistert. Das sind Bilder, die ich in mein Wohnzimmer hängen möchte.

Nathans Ausstellung könnt ihr noch bis zum 08.07.2016 bei Kenkawai besichtigen.

KENKAWAI store&spa
Brüsseler Str. 85
50672 Köln

Öffnungszeiten:
Mo-Fr: 11:00 - 20:00
Sa: 11:00 - 18-00

Eure Jacqueline & Euer Martin