IMPRESSIONEN: Yoga Conference 2016

Text: Vera Hausmann & Fotos: Gastfotografin Hanna Witte & Yoga Conference

Während vor meiner Tür ein Straßenfest tobt, habe ich die besondere Möglichkeit für euch die „Yoga Conference“ zu besuchen. Das optimale und gleichzeitig absolute Kontrastprogramm zum Rummel vor der Tür.

Angekommen vor dem Pullman Hotel kann ich bereits ein buntes Treiben beobachten: Viele Yogis sitzen bei warmem Wetter in bunten Leggins auf den Steinen und genießen ihre Pause. Ein bunter VW-Bus bietet kleine kulinarische Köstlichkeiten an. Beim Betreten des 5-Sterne-Hotels habe ich das Gefühl, dass hier zwei Welten „liebevoll“ aufeinandertreffen: Zum einen die Hotelangestellten, weiblich wie männlich, in schwarzen Hosenanzügen, dazwischen ein paar reguläre Hotelgäste und zum anderen die vielen bunten Yogis, größtenteils in Flipflops und mit Yoga-Bekleidung. Ein friedliches Miteinander.

Ich verschaffe euch hiermit quasi einen kleinen „Blick durchs Schlüsselloch“ der besonderen, großen Yoga-Konferenz. Das vielfältige Angebot unterschiedlicher Yogalehrerinnen und –lehrern in verschiedensten Stilen und Klassen vollständig zu beschreiben, würde den Text-Rahmen sprengen.

Zunächst das Wichtigste: Die beiden Hauptorganisatoren der Konferenz sind Nicole Bongartz und Frank Schuler. In einem ruhigen Moment nutze ich die Gelegenheit mit Frank zu sprechen. Er ist, genau wie Nicole, Mitgründer der „Yoga Conference Germany“ und der drei „Lord Vishnus Couch Studios“ in Köln.

Die Idee zur Yoga-Konferenz begann ganz klein: Nach zwei Jahren Selbstständigkeit mit „Vishnus Couch“ entschied sich Frank mit seinem Team zunächst „eigene“ Yogalehrer zu einem solchen Treffen einzuladen. „Das verrückte war, sie kamen tatsächlich!“, erzählt Frank. - Die „Yoga Conference“ war geboren! Dass sich solch ein großes Event wie heute daraus entwickelt, sei gar nicht geplant gewesen. Es sei tatsächlich vielmehr aus eigener „Yogaliebe“ gewachsen, war niemals eine Geschäftsidee. „Wir waren wie Sternentaler und freuen uns, so akzeptiert zu werden!“, sagt er zum derzeitigen Erfolg der Konferenz. Zum 12. Mal finde die „Yoga Conference“ bereits statt, wenn es so bliebe, könne es in den kommenden Jahren gerne so weitergehen, meint Frank.

Bevor er die „Couch“ gründete, sei er als Fotograf und Künstler tätig gewesen, hätte nachfolgend noch eine eigene Werbeagentur gehabt. Bei seiner jetzigen Arbeit stimme jedoch zum ersten Mal „das Produkt“, so meint er, denn er fühle sich dabei im Grunde als „sein eigener Kunde“ und könne es jederzeit eigenständig formen und gestalten.  
 
Rund 50 freiwillige Helferinnen und Helfer sind vor und hinter den Kulissen der Konferenz tätig. Ich merke selbst, dass hinter dem ganzen Projekt verdammt viel Herzblut steckt. Alle Beteiligten wollen eine gute Zeit haben, ihre Euphorie ist spürbar. Dennoch hat Frank ein Versprechen für mich: „Es bleibt alles unperfekt bei uns!“

Besonders beeindruckt mich persönlich Bryan Kest. - Die einen hassen ihn, die anderen lieben ihn. Er unterrichtet klassisches Power-Yoga im LA-Style und war bislang jedes Jahr auf der Yoga-Conference. Was ihn ausmacht, ist seine Direktheit: Er gibt klare Ansagen ohne Chichi. Er ist zwar nicht mehr der Jüngste, hat dennoch eine durchdringende Präsenz, einen starken Willen und viel Humor. Letzteres zeigte sich während einer Sequenz bei der er die Beinseite verwechselte, was er damit entschuldigt, dass er zu viel „Dope“ geraucht habe. - Kann ja mal passieren Bryan, ich habe vollstes Verständnis, denn, und da sind sich Frank und ich überaus einig: „Ein guter Yogalehrer wird erst durch seine Einzigartigkeit und seine Macken zu einem guten Trainer!“

Bevor und während Bryan uns unterrichtet, erzählt er gerne und viel. Ein paar Dinge möchte ich hier mit euch teilen - So vergleicht er die richtige Yogaübung mit dem Zähneputzen: „Es ist wie beim Zähneputzen, wenn du alle Zähne putzt bis auf einen Zahn. Das wäre total absurd. Es gibt dafür so viele Yogaübungen, damit du keinen Körperteil auslässt!“

Yoga macht dich auch nicht hübsch, schlank oder flexibel. Wenn du flexibel sein willst, geh in den Zirkus! Yoga ist nur dann heilend, wenn du auf deine Gefühle und deinen Körper hörst. Denn 90 Prozent aller Krankheiten im Körper kommen aus deinem Kopf. Wenn du es schaffst, deine Gedanken zu filtern, hast du einen gesunden und glücklichen Körper!
— Bryan Kest

„Asana“ übersetzt Bryan für sich mit „Quiet Mind". Insofern sei jede Tätigkeit, die du ausübst, dann eine „Asana“, wenn du es schaffst, den Verstand auszuknipsen. Von ihm auch „Dishwashing Asana“ oder „Fuck Asana“ genannt.

Als Konsequenz daraus wird deutlich: „Du kannst bei jeder (!) Tätigkeit entspannen, wenn du dabei den Kopf abschaltest. Tu, was dir guttut, nicht was du scheinbar sollst. Hör auf mit dem Gedanken-Karussel! Lösch deine Probleme und löse dich von deinem toxischen Seelenzustand! Gehe behutsam mit dir um! Es geht nicht darum, dich zu ändern, es geht darum, dich so zu lieben, wie du bist! - Ihr mögt jetzt denken, das klingt zu einfach. Es hat niemand gesagt, dass es einfach ist. Allerdings ist es immer besser ein bisschen zu tun, zu starten, als es gar nicht zu probieren! Es geht nicht darum perfekt zu sein!“ Zuletzt zitiert Bryan Ghandi: „Be the change you want to see in the world!“  

Wenn du tatsächlich bei dir selbst anfangen möchtest und dich und deinen Körper besser kennenlernen willst, ist Yoga genau das Richtige für dich! Es gibt (fast) keine Einschränkungen, wann du geeignet bist, Yoga zu praktizieren, genau so wenig, wie es Voraussetzungen gibt, um an der „Yoga Conference“ teilzunehmen! Die meisten Kurse dort sind für jeden geeignet. - Falls du Yoga noch nie probiert hast, komm doch einfach zu einer Probestunde in einem Introkurs bei „Vishnus Couch“ vorbei.

Abends als ich nach Hause komme, realisiere ich, dass das Straßenfest natürlich noch nicht vorüber ist und sich die Bühne direkt vor meiner Tür befindet. Aber das ist jetzt nebensächlich. Ich übertöne die schiefen Töne des gespielten Toto-Covers „Africa“ einfach mit dem Original. Denn... Achtsamkeit habe ich heute genug geübt. Mit den Lyrics von Guns n’ Roses „Take me back to Paradise City“ im Kopf schlafe ich ein und freue mich auf einen weiteren Tag der „Yoga Conference“.

Eure Vera & Hanna