Kamelle Alaaf – So werden Bonbons gemacht

Text: Elena Braun & Fotos: Luisa Zeltner

Im Herzen von Ehrenfeld lugt in der Geisselstraße seit kurzem ein Schild direkt hinter dem Lizbät hervor. „Rock & Roll“ steht in einem orangenen runden Logo darauf. Wer hier ein Musikgeschäft erwartet, liegt jedoch falsch. Das Schaufenster verrät es: Hier werden handgemachte Kamelle geboren.

Wolf Schiebel verkauft hier seit wenigen Wochen bunteste Bonbonsorten. Alle stellt er selbst aus Isomalt her, was so etwas ist wie ein besserer Zucker: Es lässt sich ebenso leicht verarbeiten, ist aber nur halb so süß und hat deswegen auch nur halb so viele Kalorien. Jackpot! Aber das ist noch nicht alles, die Bonbons von Wolf sind auch für Diabetiker geeignet und fast alle vegan – außer die mit Honig eben. Schon vor eineinhalb Jahren hatte Wolf die Idee, Bonbons herzustellen, nachdem er im Urlaub einen Bonbonladen entdeckt hatte, der ihn in seinen Bann gezogen hat. „Es ist eigentlich ganz simpel – und trotzdem habe ich ein Jahr gebraucht, um es zu perfektionieren“, erzählt er, während er in der Küche die Zutaten für Zitronenbonbons aus dem Schrank holt.

Der heutige Bonbonmacher hat davor nämlich etwas ganz anderes gemacht. Nach seiner Ausbildung im Kölner Music Store verschlug es ihn zum Fernsehen. Die letzten zwanzig Jahre hat er Spezialeffekte für Film und Fernsehen erdacht und umgesetzt. Dazwischen war er auch mal Kameramann und hat noch ein paar andere Projekte verfolgt. Bis es letztes Jahr einfach Zeit für etwas Neues war. Das war gerade in dem Moment, als auch das Büro im Erdgeschoss seines Hauses frei wurde und Platz für ein neues Ladengeschäft bot. „Erst dachte ich, ich verkaufe einfach Bonbons von anderen, aber das hätte sich nicht gerechnet“, erzählt Wolf.

Also hat Wolf gelernt, seine eigenen Bonbons zu machen. Mit Zutaten, die er komplett aus Köln bezieht.

Mit dem Veedelskrämer in der Körnerstraße hat er eine wechselseitige Beziehung: Einerseits kauft er dort viele seine Zutaten verpackungsfrei, andererseits kann man seine Bonbons dort auch kaufen. Es ist ihm wichtig, dass sein Geschäft so nachhaltig wie möglich ist. Deswegen kauft er Bio-Qualität, wo es geht, und freut sich, wenn Kunden mit ihrem eigenen Glas reinkommen. Aber auch ohne eigenes Glas darf natürlich fleißig genascht werden „und ich mische auch gerne etwas zusammen.“

Während unseres Besuches sehen wir, wie sich die Passanten draußen am Schaufenster an den zuckerigen Schönheiten erfreuen. „Ich sollte die Nasenabdrücke an der Scheibe nie wegmachen, das ist die beste Werbung!“, sagt Wolf schmunzelnd. Hier werden Kinderträume wahr, auch für Erwachsene. Für einen Nachbar bewahrt er ein offenes Glas im Laden auf. „Der kommt jeden Tag vorbei und holt sich nur ein Bonbon nur für sein Kind, das würde sonst zu viel Geschrei zu Hause geben.“ Wolf lebt seit 20 Jahren in Ehrenfeld und hat sich gut in der Stadt vernetzt. Die Grafikerin, die das Logo draußen gestaltet hat, traf er zum Beispiel zufällig beim Einkaufen.

Ich sollte die Nasenabdrücke an der Scheibe nie wegmachen, das ist die beste Werbung!
— Wolf Schiebel, Bonbonmacher

„Der Name war schon klar und dann wurde es direkt der erste Entwurf.“ Der Name Rock & Roll wird auf den zweiten Blick klar: Bonbons werden durch eine Vorrichtung gedreht, um ihre runde Form zu erhalten. Rock bezieht sich auf die sogenannten Rock Candy, wo der Zucker nur zerhackt wird, anstatt sie in eine Form zu gießen. Wolf zerhackt alle Bonbons, die mehr als einen Geschmack haben, damit man die Farben besser erkennt. Bei unseren Zitronenbonbons wird aus Zucker, natürlichen Geschmacks- und Farbstoffen durch minutenlanges Ziehen nämlich eine gleichmäßige Masse, was für einen Geschmack auch perfekt ist.

Einen kleinen Spezialeffekt konnte Wolf sich aber nicht verkneife. Über seiner Küche hängt eine Teslaspule, die Blitze erzeugen und dabei sogar Musik machen kann. Damit verarbeitet Wolf seinen Zucker auf ganz besondere Art karamellisieren, nach 20 Sekunden im Blitz entstehen kuriose Gebilde, die Wolf in großen Reagenzgläsern verkauft. Dieses Verfahren ist einzigartig.

An Karneval werden die Schüler seiner Frau, die als Grundschullehrerin arbeitet, seine Kamelle schmeißen. Jetzt denkt er aber erst einmal an Weihnachten: „Eine Sorte brauch ich noch, dann kann man einen Adventskalender befüllen!“

Bonbonmanufaktur Ehrenfeld "Rock & Roll"
Geisselstraße 4
Köln-Ehrenfeld

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 10 - 18 Uhr

Eure Elena & Luisa