Wie ich auf dem Katzensprung zur Festival-Touristin wurde

Text: Julia Hitzemann & Fotos: Beatriz Montilla

Ich gebe zu, ich bin eine echte Festival-Jungfrau: Als ich meinen engen Freunden von meinem Plan erzählte, in diesem Jahr das Katzensprung Festival auf Gut Haarbecke in Kierspe zu besuchen, durfte ich mir wohl zurecht anhören, dass ich doch so gar nicht auf ein Festival passe, geschweige denn in einem Zelt übernachte.

Recht hatten sie, dennoch wollte ich mich wenigstens für einen Tag von meinen Festival-Qualitäten überzeugen und entschied mich mit dem Auto zum Festival-Gelände in Rönsahl zu fahren. Die meisten der erwarteten 4.000 Gäste bereiten sich wohl so vor, dass Sie Tage vorher die besten Autopack-Hacks aus irgendwelchen Internetvideos studieren, um neben der umfangreichen Camping-Ausrüstung auch noch einen mehrtägigen Biervorrat im Auto zu verstauen. Ich dagegen studierte jeden Tag sämtliche Blogs und Pinterest mit dem Hashtag "Coachella", um mein Outfit detailgenau zum weltweit angesagtesten Festival anzupassen. Denn ich war fest davon überzeugt, dass das Katzensprung Festival in der Nähe von Köln genau wie das Coachella aussähe. Hätte ich mich mal vorher informiert …

Nach einer einstündigen Autofahrt, die mich durch ziemlich ländliche und sehr verlassene Dörfer schickte, erreichte ich das Festivalgelände - jedenfalls laut Navi. Zu sehen war hier erstmal kein internationales Festival. Doch als ich aus dem Auto stieg, hörte ich schon die laute elektronische Musik, die mich spontan zwischen grüner Wiese und unbefahrener Landstraße zum mittanzen bewegte. Nach einem kurzen Fußweg stand ich also auf dem Festivalgelände und musste feststellen: ich war definitiv die einzige, die vorab nach #coachella gesucht hatte. Stattdessen begegneten mir alternativ gekleidete Festivalgäste, die schon seit Stunden dem Rausch der Musik verfallen waren. Ich hätte es besser wissen müssen, steht das Katzensprung Festival laut Organisatoren für "alternative Musik, kulturelle Freiräume, interaktive Kunst und das eigene Auseinandersetzen mit ökologischen Themen". Dafür arbeiten die Festival-Verantwortlichen eng mit lokalen Bauern und Supermärkten zusammen, umweltbewusste Kompott-Toiletten zieren das Festival-Gelände.
Mein Beitrag zur Nachhaltigkeit bestand lediglich darin, mein lange geplantes Festival-Outfit im Anschluss ganz lange im Schrank verschwinden zu lassen.

Dabei hatte das Katzensprungfestival, das in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfand und von Donnerstag bis Sonntag (14.07-16.07) zum Tanzen einlud, echt viel zu bieten: Kölner Labels und DJs die „in Rudis Garten“, einem kunterbunt geschmücktem Wiesenabschnitt, auflegten. Es gab eine „Scheune“, eine am Fuße des Geländes durch farbenfroh gestrichene Holzwände separierte Area, in der auf experimentelle elektronische Musik gesetzt wurde, einen mittelalterlich inspirierten Markt, bei dem die Besucher Kleinkunst, Siebdrucke und
Lederwaren kaufen konnten sowie viel Raum für Artistik, Yoga und Grafiti-Workshops. Natürlich gab es auch fancy Essen, das das Herz jedes Veggie-Biosiegel-Liebhabers höher schlagen lies.

Während ich mich wie eine Touristin über das Gelände bewegte, wurde ich aber auch Zeuge, wie die Festival-Besucher sich im tiefsten Sauerland bewusst Zeit nahmen, um frei zu sein und losließen. Losließen von all dem Alltagsstress, Uni-Druck und täglichem Wahnsinn, der jeder Einzelne fernab vom Katzensprung zu händeln hat. Meine Zeit zum Freisein und Loslassen war an diesem Tag noch nicht gekommen, aber ich werde dem Katzensprung-Festival im nächsten Jahr dafür definitiv wieder einen Besuch abstatten.