IMPRESSIONEN: KOBUM – First Punch

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Florian Yeh

Die Veranstaltungs-Bezeichnung „KOBUM“ ergibt sich zusammengesetzt aus K.O. (beim Boxen selbsterklärend) und BUM, was, umgangssprachlich aus dem Englischen übersetzt, „Fallobst“ bedeutet, und damit bereits einen Teilverweis auf das neuartige Konzept des Veranstalters Sönke Andersen darstellt, nämlich aus „Anfängerboxern“, die Laien sind und im Kampf zunächst früh „aus den Latschen kippen“, im Laufe intensiver Trainings-Zeit „wahre Helden“ zu machen!

„Niederschläge“ wünschte sich Sönke durchaus bei der KOBUM-Veranstaltung am 02.12.16 in den Sartory-Sälen, wo sich, im dafür eigens aufgebauten Boxring, fünf Paarungen an Boxern verschiedener Gewichtsklassen, darunter zwei Frauen, kämpfend begegneten. Bei allem Entertainment, Angst vor Verletzungen der Kandidaten im Ring hatte Sönke im Vorhinein nicht, er fieberte „ausgeglichenen Kämpfen“ entgegen, wobei die Antretenden „im Schweiße ihres Angesichts“ alles gaben, maximal engagiert fighteten und den Kampf spürbar gewinnen wollten.

Bei tatsächlicher Verletzungsgefahr schreite ohnehin der Ringrichter ein, man wolle technisch saubere Kämpfe, kein Gemetzel, erklärt er mir im Gespräch zuvor. Dies scheint angemessen, angesichts der Tatsache, dass sich bei der Veranstaltung blutige Voll-Anfänger, d.h. Menschen wie du und ich, im Ring messen.
Völlig „am Beginn“ stehen sie natürlich nicht, es sind allesamt Personen, die sich vor einem halben Jahr entschlossen, sich einer enormen persönlichen Challenge zu stellen, d.h. die Entscheidung trafen, ihr Leben komplett umzustellen, ihre Essgewohnheiten, ihren Trainings- und Ruhe-Rhythmus, sich diszipliniert und engagiert auf den Weg der Challenge machten, um auf „Heldenreise“ zu gehen, wie Sönke es nennt.

Nur aus ihrer Motivation heraus, sei das für die Kämpfer wohl auch nicht möglich gewesen - ihnen wurde, seitens des Veranstalters, die Anleitung und Unterstützung eines Profiboxtrainings zugesichert - indem sie in monatelangem Trainingsphasen im Boxclub „Guts & Glory“ von geeigneten Trainern fitgemacht wurden.

Einer der Haupt-Kobum-Trainer ist Sascha Bucspun, der mir im Gespräch freundlich erklärt, dass er, in Russland geboren sei, allerdings schon seit frühen Jahren in Brühl lebe, im Herkunftsland offiziell „Alexandr“ genannt werde und dass „Sascha“ (in Russland so üblich) die „private“ Entsprechung dafür sei. „Wie er seine russischen Wurzeln spüre?“, frage ich ihn, und bekomme die wahre, aber nicht ganz ernstgemeinte Antwort, dass er sämtliche russische Klischees bediene, indem er bereits als Kind, sowohl im Brühler „AmateurBoxClub“ seine Kampfstärke schulte,  zugleich im Schachverein (man denke nur an russische Vorbilder und Schachgrößen wie Garri Kasparow) seine Gehirnzellen in Kombinationsgabe und Taktik trainierte. Was heute herausgekommen ist, ist ein gestandener Boxer, der seine Sache ernst meint, dessen Boxstil aus der Erfahrung geprägt ist. Sich zur Wehr setzen zu können, hält er heutzutage allemal für wichtig, er beherrsche selbst diverse Kampfkünste, darunter „Jeet Kune Do“, ein von Bruce Lee entwickelter Kampfkunststil zur Selbstverteidigung.

„Wie boxt Sascha?“, will ich von Sönke erfahren, der es wissen muss, weil sich die beiden tatsächlich vor 7-8 Jahren „im Ring“ („kurze Rippe“) kennenlernten und bei diversen Sparrings (Probekämpfen) seitdem gegeneinander fighteten. Meine Frage macht Sascha Spaß, der sich schmunzelnd auf der Couch zurücklehnt, um interessiert Sönkes Antwort abzuwarten. Sönkes eigene Vorteile seien seine Körpergröße, damit Armlänge und Reichweite. Er glaube, Sascha als erfahrenen Boxer im Zweifel nur mit ordentlich guter eigener Physis, sprich durch Fitness und Kondition, langfristig auf Distanz halten zu können. Nach seinen boxerischen Zielen gefragt, meint Sönke schlicht: „Besser zu werden, sich steigern, um irgendwann tatsächlich mit Fäusten sezieren zu können!“, ergänzt er noch, worauf beide herzlich lachen.

Man darf nicht vergessen, dass die beiden aus ganz unterschiedlichen Richtungen zum Boxen gekommen sind und es demgemäß anders betrachten.

Sönke interessierte sich z.B. schon als Jugendlicher besonders für das Entertainment und die mediale Gestaltung im Sport. Besonders einprägsam war für ihn die Erfahrung des Hypes, den das Boxen in den 90ern mit Größen wie Henri Maske und dergleichen auslöste. Er kennt selbst noch die Zeit, in der man nur über teure Pay-TV-Sender überhaupt die Chance hatte, besondere Kämpfe mitzuerleben. Stark imponierte ihm auch seine Erfahrung als Gastschüler in den USA, wo er vom privaten Aufwand und hohen finanziellen Einsatz von Menschen beeindruckt war, alles dafür tun zu wollen, nur um z.B. den angesagten Kampf der Boxgiganten Mike Tyson vs. Evander Holyfield miterleben zu können, der, bekannter Weise, bereits in der 3. Runde durch den berühmten Ohr-Biss Tysons vorzeitig beendet war.
Das System und Konzept des Entertainments einer Box-Show, wollte Sönke seitdem bis in die Tiefe begreifen. 2004 organisierte er seine erste eigene Boxveranstaltung in Deutschland, 2009 gab es eine in Wien, diverse weitere folgten. „Kobum“ stellt in dieser Veranstaltungsreihe eine Besonderheit dar und erfolgt nach einem völlig neuartigen Konzept, worauf auch der Untertitel mit „First (!) Punch“ verweist.

„Spannung liegt in der Luft!“, das spüre ich, als ich am frühen Dezemberabend in die Friesenstraße einbiege, um mich dem Kobum-Veranstaltungsort in den Sartorysälen zu nähern. „Kribbelnde Vorfreude“ merke ich ebenso, in Erwartung der besonderen Kämpfe. Ein paar der Kämpfer kenne ich persönlich oder wenigstens flüchtig aus dem Kölner Stadtleben, das macht es besonders spannend für mich. „Wie werden sie sich schlagen?“, frage ich mich insgeheim. Es ist jedenfalls schön zu sehen, wie ganze Trupps an Freunden und Familien der Kämpfer und Kämpferinnen sich um den Boxring im Innenraum des Saales formieren, allesamt mit Pappschildern bewaffnet oder bedruckten T-Shirts ausgestattet, die Schlachtrufe für ihren Favoriten aufweisen. In Windeseile füllt sich der Saal. Die Show beginnt.

Sönke hat nicht zu viel versprochen. Zusammen mit der Moderatorin Pia Stutzenstein führt er durch den Abend, sagt die Kämpfen an, heizt das Publikum an, durch Klatschen und Johlen ihre „Stimme“ (als ein Drittel) zur Kampfbewertung abzugeben, die zusammen mit dem Ergebnis der anwesenden Profijury den jeweiligen Kampfausgang entscheidet. Es fighten jeweils fünf Boxer aus zwei unterschiedlichen Lagern gegeneinander, aus dem „gelben“ oder „schwarzen Team“, mit jeweils eigenem Trainer am Ring, der sie coacht. Zwei DJ-Teams (Blitzbangers und ein weiteres) tragen den Fight darüber hinaus zusätzlich „musikalisch“ gegeneinander aus, indem sie den Einzug des eigenen oder des gegnerischen Teams mit ihrem Sound pushen.

KAMPF 1: TOM „MÜCKE HE vs LUCAS „EZZET“ ESPETER

Es war mein erster Wettbewerb vor Zuschauern. Ich habe die ganze Zeit drauf gewartet, dass ich nervös werde, aber es war einfach nur schön. Ich habe alles aufgesaugt und genossen.
— Tom Mücke Herzog

KAMPF 2: JANNIS „CURLY KILLER“ FRÖHLICH vs FRANCESCO „FLAVIO TRACTORE“ LUGGERI

KAMPF 3: KATHARINA „UPPERKATHA“ GESING vs AYSEGÜL „EISEN EICHE“ GÜNES

KAMPF 4: DENNIS „FILIPINO GINO“ WOSTE vs MICHEL „SICK CINDERELLA“ MÜLLER

KAMPF 5: KONSTANTIN „DR. VAN POWER“ MIECH vs. JANNIK „THE STATUE“ FISCHER

Ich habe bei KOBUM gelernt, dass ich es schaffe, trotz harter körperlicher Arbeit tagsüber, abends noch boxen zu gehen. Und das nicht nur ab und zu, sondern regelmäßig.
— Tom Mücke Herzog

Was ich erlebe, ist atemberaubend: Die Kämpfer sind konzentriert auf den Punkt, sie schenken sich nichts, sie beweisen Mut und Kampfgeist, sie strotzen vor Adrenalin und entspannen erst, wenn der eigene Kampf vorüber ist, was sich in einem befreienden Lachen oder einer freundlichen gegnerischen Umarmung im Anschluss zeigt.

Ganz Stilecht erhält der Sieger des letzten Fights, Konstantin Miech, einen wunderschön wertigen „Box-Mantel“ aus der aktuellen „Herr von Eden“-Kollektion. Die Anerkennung und der Respekt wird aber nicht nur ihm, sondern allen Kämpfern und Kämpferinnen zu Teil, und dies nicht allein für die Kobum-Kampfleistung, sondern auch für alle Mühen und Beschwerden der Vorbereitung, für Blut, Schweiß und Tränen. - Ihr könnt stolz auf euch sein, meint WE ARE CITY!

Sönke und seinem Team wünschen wir für KOBUM auch in Zukunft besonderen Erfolg. Folge-Veranstaltungen sind bereits geplant und werden zeitnah auf der entsprechenden Seite bekanntgegeben. - Keep fighting!

Eure Steffi & Euer Florian