KOBUM II – Ein Boxtagebuch

Text: Steffi Kutsch & Gastfotograf: Fabian Stürtz

Kobum II – JabJab, Sartory-Säle, Köln
Der Jab ist ein schneller, nicht besonders harter Schlag. Ein Boxer nutzt ihn, um die „Luftlinie“ zum Gegner zu beherrschen. Der Jab stört den Gegner, veranlasst ihn, seine Deckung oben zu halten und hält ihn auf Distanz. Ein Boxer, der permanent den Jab einsetzt („Jabber“), kann seine Gegner damit zermürben. - Wenn auch der Untertitel der Kobum-Box-Veranstaltung „JabJab“ heißt, „zermürbt“ und ermüdet sind wir, die Zuschauer, natürlich lange nicht. Im Gegenteil, es macht sich ein erwartungsvolles, freudiges Kribbeln bei mir breit, als ich von der zweiten Ausgabe des Events erfahre. Erinnert ihr euch, dass WE ARE CITY im vergangenen Jahr mit Veranstalter Sönke Andersen und Trainer Sascha Bucspun im Gespräch war, um euch tiefere Einblicke anlässlich Kobum I zu geben?

Dieses Mal nehmen wir die einzelnen Kämpfer und Kämpferinnen genauer in den Blick.

Der Ablauf bei Kobum, dem Laien-Box-Event, ist folgender: 30 Interessenten, darunter 11 Frauen, stellen sich als Boxneulinge dem Ziel, am 15. Dezember in fünf 1:1- Paarungen verschiedener Gewichtsklassen gegeneinander (in zwei Teams) zu boxen. Alle mühen sich und sind heiß darauf, aber nur das Kobum-Team, inklusive Trainer, entscheiden, wer für die Eventkämpfe letztlich ausgewählt wird.

WE ARE CITY hat sich wiederum dreien der Teilnehmer besonders gewidmet. Wir lassen euch in den kommenden Wochen und Monaten „hautnah“ an ihrer persönlichen Challenge teilhaben. Sind sie es doch, die großen Respekt dafür verdienen, ihr Leben, zumindest für die halbjährige Vorbereitung, komplett umzustellen. Sie sind diszipliniert, engagiert und vergießen Blut, Schweiß und Tränen. Sie haben sich auf „Heldenreise“ begeben, wie Sönke so schön sagt.

Maike: Steigerung der körperlichen Fitness

Äußerst passend zu Sönkes Worten scheint die Tatsache, dass Teilnehmerin Maike de Buhr, 30 Jahre, Journalistin, in Wuppertal geboren und vor 10 Jahren nach Köln gezogen, ohnehin auf Superhelden und ähnlich starke Rollen steht. Maike sieht als Anlass und Ansporn bei Kobum II teilzunehmen insbesondere die Steigerung der körperlichen Fitness. Jetzt ist es für sie und die anderen Teilnehmer an der Zeit im neuen Metier „Boxen“ selbst „heldenhaft“ zu sein.

Jannusch: Aufstehen und nicht in Passivität verfallen

Jannusch Frontzeck, 37 Jahre, stellt einen weiteren Kandidaten dar. Er hat Sportwissenschaft und Wirtschaft studiert, ist seit einigen Jahren Geschäftsführer einer Ticketing-Firma. Vor einem Jahr hatte er die Weihnachtsfeier seines Betriebes auf das erste Kobum-Event gelegt und hat damals besonders den Unterhaltungswert der Veranstaltung genossen. Wie er nun dazu käme am 15. Dezember möglicherweise selbst im Ring zu stehen, habe er mutmaßlich seiner „großen Klappe“ diesbezüglich gegenüber Sönke zu verdanken, meint er schmunzelnd. Dabei habe er (als ehemaliger Handballer) das Boxen als „Sportart“ zwar nie unterschätzt, andererseits merke er aber erst am eigenen Tun, wie komplex und anstrengend es sei, wie strukturiert es abliefe und dass man äußerst akribisch sein und überhaupt das Beste aus seinem Körper herausholen müsse, um Erfolg zu haben.

Die Entscheidung, sich über ein halbes Jahr vorzubereiten, auf den Tag, an dem von der zunächst 30-köpfigen Gruppe an Interessenten, letztlich nur einigen Wenigen gegönnt ist, für die heiß begehrten Kämpfe am Kobum-Abend auserwählt zu werden, bereut natürlich keiner. Auch wenn sie nicht in die Endauswahl kommen sollte -wovon zum jetzigen Zeitpunkt natürlich keine Rede sein kann- sei dennoch gar nichts umsonst gewesen, so Maike. Ihr bereite das Training so viel Freude, dass sie für sich feststellt: „ohnehin schon gewonnen zu haben“. Beim Event im Dezember zu kämpfen ist selbstverständlich die feste Absicht aller angetretenen Kobum-Teilnehmer, gerade dies sei Voraussetzung und zeigt ihren starken Willen und Einsatz an dieses Ziel gelangen zu wollen.

Am Kampfgeschehen begeistert Jannusch besonders der Gedanke des respektvollen Messens miteinander. Boxen ähnle, seiner Meinung nach, durchaus dem Tanzen, wo man führe oder auch geführt werde. Um jedoch nicht geschlagen zu werden, müsse man alles dafür geben, sich aktiv verteidigen zu lernen. Hierzu sei er bereit und interessiere sich aktuell besonders dafür, das Vorhaben eines Gegners im Vorhinein ahnen zu können, um damit zu wissen, woher der nächste Schlag komme, um entsprechend reagieren zu können. Was ein besonders aufregender Moment bisher gewesen sei und was durchaus Überwindung gekostet habe, frage ich Jannusch. Jemanden direkt zu schlagen oder auch bewusst geschlagen zu werden, damit umzugehen, aufzustehen und nicht in Passivität zu verfallen, sondern weiterzumachen, sei ihm wichtig, so die Antwort.

Im Vorhinein wollte auch Maike von sich wissen, ob sie überhaupt in der Lage sei, jemanden zu schlagen und zudem, wie sie sich dabei fühlen werde. Es war eine neue, prägende Erfahrung. Aber genau darum ginge es ja, sich unter der Anleitung der Trainer einzusetzen, die eigenen Grenzen zu überschreiten und den eigenen Handlungsraum zu erweitern. Selbstbewusst und stark sei sie charakterlich ohnehin, dieses Bewusstsein beim Boxen für sich gewinnbringend einzusetzen sei ihr Ziel.

Sebastian: Den eigenen Körper wirklich fühlen

Sebastian Trägner, 33 Jahre, äußerlich auffällig tätowiert und bunt gekleidet, charakterlich eher sehr ruhig und bedächtig, für den Herrenausstatter „Herr von Eden“ arbeitend, ist ebenfalls Teilnehmer. Jemanden zu schlagen oder Nehmerqualitäten beim Einstecken von Schlägen zu beweisen, sei für ihn „überhaupt kein Thema“ gewesen. Im Gegenteil, er finde es „richtig geil“, den eigenen Körper wirklich fühlen zu können, und nachzuspüren, wenn einem das Adrenalin durch die Adern pumpe.

Zuerst habe es Jannusch zwar leidgetan, beim Sparring jemanden K.O. geschlagen zu haben, ein unaufmerksamer Moment des Gegners und ein Treffer an geeigneter Stelle ließen einen durchaus manchmal schon in die Knie gehen, meint er dazu. Andererseits sei er, im Nachhinein, doch mächtig stolz auf sich gewesen, gibt er schließlich schmunzelnd zu.

Die Verletzungsgefahr sei in Sportarten natürlich generell gegeben und Boxen sei nun mal eine Kontaktsportart, meint Sebastian gelassen. Momentan fühle er sich allerdings tatsächlich als einziges „Ganzkörpertape“, stellt er lachend fest. Seine Verletzungsliste, seit Trainingsbeginn, ist aber auch beachtlich: Ein verstauchtes Handgelenk, eine Adduktorenzerrung, ein Kapselriss im rechten Daumen, einige hart geprellte Rippen, geplatzte Adern, eine angebrochene Nase, starke Kopfschmerzen und zahlreiche weitere Blessuren. Aufgeben deshalb sei aber nicht sein Ding! Seine persönliche Challenge sei es, seinem Körper zu vertrauen, Geschehenes aushalten zu können, um dann gestärkt zu sein und neu angreifen zu können. Sein persönlicher Vorteil innerhalb seiner Gewichtsklasse sei seine Größe und damit verbunden auch seine Armlänge und Reichweite, die den Gegner auf Distanz halten könne.

Beim gemeinsamen Sparring mit Frauen sei es Jannusch, aufgrund der männlichen Überlegenheit an Kraft, durchaus möglich, dadurch einen Moment länger Zeit zu haben, sich bewusster auf die eigene Atmung zu konzentrieren, sich damit länger über die Technik eine Schlages Gedanken machen zu können und letztlich insgesamt variantenreicher trainieren zu können.

Überhaupt sei Boxen, da sind sich wiederum alle einig, zwar eine 1:1-Begegnung, aber man brauche das Team an wundervollen Leuten, die dieses Jahr teilnähmen und alle dasselbe wollten. Es bestünde dadurch die Gelegenheit sich gegenseitig zu motivieren, sich im Gespräch über jeweils neu gemachte Erfahrungen auf Augenhöhe auszutauschen, wie zuletzt, als das gesamte Team zusammen essen gegangen sei.

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Mit diesem vorläufigen Résumé schließen wir den Einblick in die psychische und physische Vorbereitungsphase der Kobum II- Kämpfer. In ein paar Wochen lest ihr hier wie es weitergegangen ist. Bleibt dran an eurem Ziel, Jannusch, Maike und Sebastian!

KOBUM II - JAB JAB

15. Dezember, 20 Uhr

Sartory Festsaal
Friesenstraße 44-48
50670 Köln

Eure Steffi & Euer Fabian