Kobum II – Letzte Vorbereitungen für den Tag der Entscheidung

Text: Steffi Kutsch & Gast-Fotograf: Fabian Stürtz

Gut gehe es ihr, ein wenig verschnupft, aber gut, sagt Maike mir fröhlich, als ich sie nach Monaten spreche, um sie zum Fortgang ihrer persönlichen Challenge bei „Kobum“ zu befragen. WE ARE CITY begleitet die Vorbereitung von Sebastian Trägner, Jannusch Frontzek und Maike de Buhr für das Laien-Box-Event, welches am 15. Dezember mehrere tausend Besucher in die Satorysäle zieht, um mit ihren Favoritenkämpfern und Kämpferinnen im Ring mitzufiebern.

Aus einer über 30-köpfigen Anfängergruppe hat sich mittlerweile, nach einem halben Jahr intensiver und nervenaufreibender Vorbereitungszeit, die Spreu vom Weizen getrennt. Die sechs Paarungen aus „Team Gelb“ und „Team Schwarz“ stehen fest, es wird ernst!

„Durchgezogen“ hat die liebe Maike, nachdem es lange Zeit in der Entwicklung aller Kandidaten unklar war, ob sie überhaupt zu den vielversprechenden Paarungen gehören, die ihr Endziel erreichen und tatsächlich in ein paar Tagen in den Ring steigen dürfen. Viel auf und ab gab es für alle. Ihr größtes „Down“ empfand Maike bei einem Sparring, wo sie von einer Trainingspartnerin einen „ausgewachsenen Rippentreffer“ kassierte, der, zugegeben, verdammt wehtat.

Ärgerlich ist so etwas, weil es einem knallhart aufzeigt, dass man nicht aufgepasst hat, eine Lücke gelassen hat, die der Gegner als Schwäche sofort mit einem schmerzhaften Treffer ahndet.
— Maike de Buhr

Dazu kommt die mentale Ungewissheit, ob sich aller Einsatz überhaupt auszahlt. Obendrauf bekam sie eine Diät „verordnet“, um mit 4 kg weniger dem Kampfgewicht ihrer Gegnerin zu entsprechen und damit chancenreich beim Fight zu sein. Das alles geschah ausgerechnet dem Mädchen, das sich im sonstigen Leben in Hingabe mit Freunden zum Essen trifft und nach Lust und Laune isst, jedenfalls ohne sich so zu kasteien. Manchmal träume sie urplötzlich davon, alles sausen zu lassen, sich mit fünf Packungen Donuts einzuschließen und nur noch zu genießen.

Aber solche Phasen steckt die Kämpferin Maike, wie im wahren Leben, locker weg und überwindet sie mit noch größerer Stärke und Biss.

Aber solche Phasen steckt die Kämpferin Maike, wie im wahren Leben, locker weg und überwindet sie mit noch größerer Stärke und Biss. Was ihr dabei hilft? Der fantastische Teamspirit von ihrem „Team Gelb“, sagt sie fröhlich. Man tauscht sich aus, was einen trägt, weil alle ähnliche Erfahrungen machen. Es ist offensichtlich: Maike de Buhr (Kampfname: Buhrmaye) ist ready to fight! Wir warten auf dich am Ring!

„Bist du sauer, Sebastian Trägner?“, frage ich den weiteren Kämpfer, den wir begleiten. „Bist du traurig oder enttäuscht?“ Ich frage mich, was ich wohl gemacht hätte, wenn mir das Schicksal geblüht hätte wie ihm? Sebastian hatte mich seit Beginn unserer Treffen durch seinen Einsatz, die Hingabe für sein Ziel, das Boxen, gepackt. Immer wieder war er in der Vergangenheit über körperliche Grenzen gegangen, hatte seine Ernährungsgewohnheiten umgestellt, ging regelmäßig zum Training, hielt sich durch Joggen fit und hatte zuletzt gar völlig professionell mit Sauerstoffmaske trainiert, um noch das Letzte aus sich herauszuholen. Sein Wille? Ungebrochen! 

Sebastian hat seine neue Aufgabe gefunden und sich der Unterstützung seines Teams („Team Gelb“) verschrieben.

Dann ging es ganz plötzlich: Ein 4cm langer Spiralbruch im rechten Bein war das persönliche „Knock Out“ für ihn, damit aus und vorbei der Traum vom Kräftemessen. Er konnte nicht mehr trainieren, nicht mehr kämpfen, war nicht mehr mobil. Das war nicht einfach für ihn, ihm fiel schlicht die Decke auf den Kopf! Aber, wer ein richtiger Kämpfer ist, der steht wieder auf. Und das tat er. Er schaute stundenlang Boxvideos, um wenigstens technische Analyse zu betreiben. Schließlich hat er dann einfach „die Krücke weggeworfen“ und war zu jedem weiteren Sparring gegangen, dabei zwar nur vom Rand, aber mental umso stärker. Sebastian hat seine neue Aufgabe gefunden und sich der Unterstützung seines Teams („Team Gelb“) verschrieben. So wird er seine Kollegen am 15. Dezember anfeuern. Eine starke Entscheidung, die allen Respekt verdient. Woher er die Kraft dazu nimmt? Schwer bewegt war er von der großen Anteilnahme in den Social-Media-Kanälen. Er erhielt Trostworte und Anerkennung sogar aus den USA, aus Russland und Australien. Wohlverdient, wie wir meinen.

Aber jetzt kämpfe ich erst einmal gegen die Emotionen und trainiere dann für einen guten Rücken.

Schwer ums Herz wird einem auch, wenn ich von Jannusch Frontzeck, unserem Kämpfer-Titanen und heimlichen Favoriten für den überhaupt größten Kobum-Kampf des Boxabends spreche. Lassen wir es ihn lieber selbst erklären. In seinem persönlichen Blog, den er akribisch und fleißig wie überhaupt das ganze Training verfolgte, heißt es am 8.12./Trainingstag 146 - Jannusch goes KOBUM: 

Heute habe ich leider das offizielle Aus für mich zu verkünden. Das ist einer der schlimmsten sportlichen Momente meines Lebens.
— Jannusch Frontzek

Sein Rücken macht Jannusch leider so große Probleme, dass er sich sogar einer OP unterziehen muss. Es schmerzt ihn vor allem, nicht gegen seinen Gegner Patrick für „Team Schwarz“ im Ring stehen zu können. Was für ein Tiefschlag für ihn, wir leiden mit ihm. Es spricht hingegen absolut für ihn und sein großes Sportlerherz, dass er jetzt schon die Kraft hat, auch nach vorne zu blicken. Weiterhin heißt es in seinem Blog: „Es war eine unglaubliche Erfahrung, diese 146 Tage bis hier mit euch. Es gab so viel Positives, dass ich selbst jetzt noch freudig über alles denke, was die letzten 5 Monate war. Aber jetzt kämpfe ich erst einmal gegen die Emotionen und trainiere dann für einen guten Rücken.“ Wir haben Respekt vor dir Jannusch, gute Besserung. Wir sind sicher, dass du alle Kobum-Kämpfe intensiv verfolgen wirst. Wir sehen uns am Ring.

WE ARE CITY war „hautnah“ bei der Vorbereitung dabei und wird schweißnass vor Aufregung mit ihren Kämpferinnen und Kämpfern am Ring mitfiebern. Tut es uns gleich und sichert euch Tickets für das Boxhighlight „Kobum – Jab Jab“ am Freitag, 15.12. in den Satorysälen Köln.

Eine Besonderheit: Ihr könnt schon vorab online auf eure Favoriten wetten!

Eure Steffi & Euer Fabian