Le bloc | Welcome to the Jungle

Text: Elena Braun & Fotos: Nathan Ishar/pramudiya.com

„Das belgische Viertel ist das schönste in Köln", findet zumindest Schirmherr des diesjährigen le bloc Bent Angelo Jensen. Muss er natürlich auch, schließlich hat er dort seit 10 Jahren seinen Laden Herr von Eden.

Am vergangenen Samstag trat das belgische Viertel dann an, auch allen anderen Kölnern seine schöne Seite zu zeigen. Schon zum siebten Mal fand le bloc dort statt und konnte diesmal über 50 Läden bieten, die sich etwas Besonderes für diesen Tag ausgedacht hatten – was man gut an den grünen Ziffern neben der Tür erkennen konnte.

Bei sommerlichem Wetter konnten wir uns ganz entspannt durch das Veedel mit den belgischen Straßennamen treiben lassen. In vielen Läden legten DJs auf und untermalten so die lockere Stimmung mit Musik. Oft gab es dazu noch kalte Getränke – so lässt es sich doch leben!

Als erstes zog es uns ins Hallmackenreuther, wo wir uns in der Blogger Lounge einige Infos und ein schönes Goodie-Bag abholen konnten. Und dort bekamen wir auch direkt den Einstieg in das große Thema von le bloc: Mode, denn dort stellte die Akademie für Mode und Kommunikation Düsseldorf aus. Mode wird dort nicht nur als Kleidung betrachtet, es ist Kunst. Jede Kollektion vertritt eine ganze Geschichte, die Stücke sind auffällige Einzelstücke. Eine Absolventin der Akademie, Katrin Gemünd, zeigte später bei der Modenschau ihre ganz schwarze, aber fulminante Abschlussarbeit.

Danach ließen wir uns ein wenig über die Brüsseler Straße treiben, wo wir am Stand von Djahé Limun deren leckere neue Ingwer-Limonade probieren durften. Nach einem Abstecher in den unglaublich liebevoll zusammengestellten Siebter Himmel, wollten wir uns auch einmal die Festivalzentrale in der Maastrichter Straße anschauen.

Vor der Tür bestaunten wir die alten Möbel und Haushaltsgeräte und stöberten dann durch die Fotobücher zum Sonderpreis. Im Hof des Arty Farty Artspace gab es leckere Limonaden von Little Link, den Stand von Mitveranstalter StadtRevue und auch No Gallery hatten dort ihren Stand. Eigentlich aus Ehrenfeld hatten sie sich mit ihren Sprüchen aus Holz ins belgische Viertel gemogelt.

Angesteckt von der guten Laune dort zogen wir weiter auf die gegenüberliegende Straßenseite zu Die Kunstagentin, wo perfekt gezeigt wurde, dass sich jedes Geschäft an dem modeaffinen Tag beteiligen kann: Die Galerie war der ideale Ort für die Diskussion darüber, ob Mode ins Museum gehört. Neben der Bonner Bundeskunsthalle, wo ja gerade Lagerfeld ausgestellt wird, war auch das Kölner Museum für Angewandte Kunst mit je einer Diskussionsteilnehmerin vertreten. Und natürlich: Schirmherr Bent Angelo Jensen. Das Ergebnis der Diskussion kann abgekürzt werden: Ja, Mode gehört ins Museum!

Danach blieb uns keine Zeit zum Durchatmen, denn die erste Modenschau ging um 16 Uhr los! Wir durften uns aktuelle Stücke von Chang 13, Bob 10.5.10, Doriane van Overeem (Gastdesigner aus Brüssel), Marius Janusauskas (Gastdesigner aus Antwerpen), Joah Kraus (mit Trippen), Katrin Gemünd und Simon & Renoldi ansehen. Dabei konnten wir natürlich auch die tollen Models wieder sehen, bei deren Casting am 12. Mai wir schon dabei waren.

Die Show begann mit einer tollen Tanzperformance zweier Models für Chang 13, die seinen stark asiatisch geprägten Stücken den großen Auftritt auf dem Laufsteg vor grünen LEDs bescherten. Nach diesem visuellen Paukenschlag ging es erst einmal unaufgeregt mit einer klassischen Modenschau weiter. Gerade als Bob.10.5.10 mit lockerer Herrenmode und tollen Taschen begeisterte, fiel jedoch der Strom aus. Wahrscheinlich hätten wir es nicht einmal bemerkt, wäre es nicht verkündet worden – die Models sind nämlich erst einmal ganz professionell weitergelaufen! Der Stimmung tat es jedoch keinen Abbruch und nach fünf Minuten ging es schon weiter.

Bei allen Designern gab es klare Linien und flächige Schnitte, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Bei den belgischen Gastdesignern standen vor allem seidige Materialien im Vordergrund, die Doriane van Overdeem mit tollen pastelligen Farben kombinierte. Bei der lässigen Mode von Joah Kraus stachen natürlich auch die extravaganten Schuhe von Trippen heraus. Während die Moderatorin ihn mit Herrenmode angekündigt hatte, war die Präsentation wunderbar androgyn. Nach den schwarzen Roben von Katrin Gemünd bildeten Simon & Renoldi den wohl alltagstauglichsten Abschluss. Ob die Sachen für den Dschungel geeignet wären, wie das Motto „Welcome to the Jungle“ vermuten ließ, wage ich allerdings zu bezweifeln. ;)

Alle Designer konnte man später in verschiedenen Läden des Veedels wiedertreffen und die Teile noch einmal bestaunen – zum Teil natürlich in den eigenen Ladenlokalen. So verband sich die Modenschau im Parkhaus dann auch wieder mit dem Rest des belgischen Viertels.

Nach der inspirierenden Modenschau verteilte sich das große Publikum schnell wieder auf das ganze Veedel. Während einige an der gegenüberliegenden Boutique Belgique in einem Wohnwagen Fotos machten, zog es mich wieder zum Brüsseler Platz, wo das Techno Aerobic - unter freiem Himmel stattfand. Dort blieb ich jedoch nicht lange, ich wollte noch mehr sehen und die Atmosphäre ganz auskosten!

Also ging ich noch einmal die Brüsseler Straße hinunter, wo es immer ruhiger wurde. Der Kleidertausch war um 18 Uhr schon vorüber, also schaute ich kurz bei Kerbholz rein und warf einen Blick in das neue Café Gedankentanken schräg gegenüber, dessen Konzept von Café und Co-Working mich interessierte. Dort hatte es nachmittags eine Lesung gegeben, jetzt am Abend war es eher ruhiger. Also ging ich zu meiner letzten Station: KENKAWAI, die sich speziell für le bloc etwas ausgedacht hatten: SMELL GOOD AT LE BLOC. Es gibt dort Dürfte – wie Regen, Leder oder Jasmin - die für sich wirken, aber auch kombiniert werden können.

Mir gefiel die ungezwungene Atmosphäre sehr, durch die offenen Türen auch mal in Shops zu gehen, die ich sonst vielleicht nicht so genau betrachtet hätte.

Wer bis 22 Uhr dort war, konnte im Arty Farty Artspace auf der Aftershow Party tanzen und die Stimmung bis zum letzten auskosten. Für mich ging es schon früher heimwärts, mit vielen schönen Eindrücken im Kopf, die ihr auf Nathans Fotos nachverfolgen könnt!

Eure Elena und Euer Nathan