LINIE 14 I Kunst im Rathenauviertel

Text: Gina Käding / Fotos: Gina Käding & Christian Schaffrin

Pünktlich um sechs Uhr geht es los. Vor dem „Schauplatz“, Engelbertstraße 6, steht (Tim) auf einem leeren Bierkasten und verkündet, dass die Linie 14 eröffnet ist. Einstimmiges Klatschen, Korkenknallen und Sekt, der in Plastikbechern gereicht wird - so glamourös ist Kunst in Köln.

Viele Menschen sind gekommen für die Führung durch das Rathenauviertel, haben sich los gemacht von der Art Cologne, die zeitgleich auf der anderen Rheinseite stattfindet, und scharren sich eng um (Tim) und seine Kiste, während der Kurator erklärt, was sich jemand dabei gedacht haben mag, einen Satz auf eine Fensterscheibe zu schreiben und den dann gleich wieder durchzustreichen. Irritierte Blicke vorbei laufender Passanten aufgrund des Menschenauflaufs: Was gibt’s denn da umsonst?

Die Antwort: Kunst. Und das gleich 14-fach. Entlang der Strecke der ehemaligen Straßenbahnlinie 14 haben im Rathenauviertel 14 Künstler 14 Schaufenster gestaltet - und die Arbeiten der einzelnen Teilnehmer hätten kaum unterschiedlicher ausfallen können. Manch einer hat das ganze Schaufenster als Spielplatz genutzt, bei einem anderen fällt auf den ersten Blick gar nicht auf, dass etwas anders ist. Das eine Fenster entfaltet seine Wirkung erst aus der Entfernung, bei einem anderen muss man direkt davor stehen. Und wo manch einer der anwesenden Künstler gar nicht mehr aufhören mag, über die Bedeutung seines Werks zu referieren, da zuckt der nächste mit den Schultern und murmelt: „Mir gefiel eben die Farbe.“

Bei Mademoiselle Tambour zum Beispiel, da befinden sich die „Alphamädchen im Konsumrausch“. Was dieser Titel genau zu sagen hat, das mag Künstler Jochen Arentzen nicht verraten, es hat aber wohl irgendwas mit Berlin zu tun. Fotografin Tamara Bertran zeigt bei Cherry Picking eindringliche Momentaufnahmen, die häufig während ihrer Arbeit als Locationscout für Drehbücher entstehen. Am Schaufenster von „Le Fou“ hat Illustrator André Kniekamp aka „leBeat“ mit seinen Figuren eine Fantasiewelt entstehen lassen, und wer sich in diesen Tagen nach der Südsee sehnt, der kann sein Fernweh bei „Auf Wolke Sieben“ zumindest ein wenig stillen, mit Marco Zumbés Installation zum Thema Paradies.

Fast zwei Stunden stolpern wir so entlang, immer (Tim) folgend und seiner Bierkiste, während Fahrradfahrer und Autofahrer versuchen, sich einen Weg durch die verstopfte Straße zu bahnen, die Hälse recken und sich wahrscheinlich fragen, wer hier gerade den Aufstand probt.

Das Finale findet statt bei Mand & Kvinde, wo der Künstler Christian Stefanovici live vor Publikum sein Bild „Hedgehog’s Dilemma“ gestaltet und auf eine Leinwand projiziert. Hier darf zum letzten Mal angestoßen und nochmal vorsichtig nachgefragt werden, was das denn nun auf sich hat mit den Alphamädchen oder warum Wolke Sieben immer unbedingt eine Utopie sein muss.

Und auch wenn der Eröffnungsrummel mittlerweile vorbei ist, so sei jedem empfohlen noch bis zum 25. April mit offenen Augen durch das Rathenauviertel zu schlendern und sich selbst ein Bild zu machen von den Kunstwerken entlang der Linie 14.

Eure Gina & Euer Christian