DESIGN MADE IN COLOGNE I MineD

Text: Gina Käding/ofrootsandroads.com & Fotos: Nathan Ishar/pramudiya.com

Schon als Martin uns die Tür öffnet, ist zu erkennen: Dieser Mann liebt das Material, mit dem er arbeitet. Lässig in Jeanshemd und Jeanshose eingekleidet, die Jeanstasche auf dem Esstisch, lässt er daran wenig Zweifel. Wir treten ein in seine geräumige Wohnung und werden gleich gefragt, ob man uns für einen Kaffee begeistern kann? Na klar. Wenn ein Treffen so beginnt, dann hat man bei uns ziemlich direkt einen Stein im Brett.

Eigentlich aber sind wir gar nicht zum Kaffeeklatsch hier, sondern weil uns Martins Produkte neugierig gemacht haben. Genauer genommen, die von Martin und seinem besten Kumpel Marian, die gemeinsam unter dem Namen „MineD“ Handy- und Tablethüllen designen und produzieren. Und wer jetzt den Kopf schüttelt und sich fragt, ob die Welt tatsächlich noch mehr davon braucht, der sollte unbedingt aufmerksam weiterlesen.

Fünf Millionen Tonnen Jeansstoff – das ist die Menge an Resten und Fehlproduktionen, die jährlich weltweit bei der Jeansproduktion für den deutschen Markt anfällt. Zu viel, fand Marian, der nach langjähriger Erfahrung in der Textilbranche selbst eine Textilfabrik in Vietnam eröffnet hatte und den unvermeidbaren Umstand jeden Tag mit eigenen Augen betrachtete.

Irgendwann begann er, aus den Produktionsresten Handyhüllen herzustellen, die sich auch in seinem Freundeskreis in Deutschland schnell großer Beliebtheit erfreuten. Nicht nur, weil der Jeansstoff die Hüllen besonders haptisch machte, sondern auch, weil er sich bei vielen Stücken kleine Kniffe und Tricks überlegte, um sie zu etwas Besonderem zu machen.

„Um Ostern herum saßen wir dann zusammen und überlegten uns, dass wir daraus eigentlich ein Business aufbauen sollten“, erzählt Martin. Gesagt, getan – vor zwei Jahren gründeten die beiden ihr Start Up. Und ahnten damals nur ansatzweise, wie viel Arbeit damit auf sie zukommen würde – denn „MineD“ ist für beide ein Hobby, das neben ihren Hauptjobs läuft. „Es ist etwas ganz anderes, mit einem anfassbaren Produkt zu arbeiten, und damit ein toller Ausgleich für mich“, sagt Martin, der tagsüber in der Versicherungsbranche arbeitet.

Der Grundstein für eine harmonische Businessbeziehung zusätzlich zur Freundschaft ist damit auch gelegt: „Wir sind uns einig, dass MineD Spaß machen soll, wir müssen damit nicht unseren Lebensunterhalt verdienen. Das nimmt einen enormen Druck raus.“

Die Designs, die die beiden entwickeln, sind zeitlos, robust und vor allem bei Männern beliebt – durch kleine Besonderheiten eignen sich die Handyhüllen nämlich nicht nur als Schutz fürs Smartphone, sondern werden mit kleinen Taschen, in denen man problemlos ein paar Karten, etwas Bargeld und einen Schlüssel unterbringen kann, ideale Begleiter für jeden, der keine Handtasche herum tragen möchte oder abends beim Feiern gehen gerne die Hände frei hat. Das Gummiband, das bei vielen Designs integriert ist, ist angelehnt an die „Ropes“, die man an wertigen Jeans finden kann.

Jeansliebhaber und Kenner sehen das auch sofort, wir sind da schon oft auf Märkten angesprochen worden und die Leute loben unseren Blick fürs Detail.
— Martin

Das schöne an einem Material: Es „lebt“. Der Stoff verändert sich über die Monate und Jahre, wird weicher, nutzt ab, bleicht aus. Ganz so, wie es eine Lieblingsjeans eben auch tut. Nachhaltige Produkte made in Asien? Das klingt für viele nach einem Oxymoron. Muss es aber gar nicht. „Die Fabrik, in der wir produzieren, ist nach europäischem Standard geführt und gerade nach dem schlimmen Einsturz in Bangladesch kann sich Marian eigentlich kaum vor Anfragen großer Textilhersteller retten“, erzählt Martin. Zudem haben es sich die beiden zur Aufgabe gemacht, einen Teil der Einnahmen zur Förderung sozialer Projekte vor Ort zu spenden, etwa für eine Nähschule.

Wer bei „MineD“ shoppt, der kann sich sicher sein – hier kauft man fair. Nicht nur im Bezug auf die Herstellung der Produkte, den Versand und die Materialien, die verwendet werden, sondern bis hin zur Wahl des Internet Hosters und der Bank, über die die Macher ihre Transaktionen abwickeln.

Und auch die eigentlichen Produkte beginnen Martin und Marian nach und nach zu Überdenken – denn gerade die Handyhüllen, mit denen alles angefangen hat, sind ein sehr schnelllebiges Produkt. „Es dauert in der Regel etwa sechs Wochen von der groben Idee hin zum fertigen Produkt“, erzählt Martin. „Bei Handyhüllen ist es natürlich extrem wichtig, dass wir, sobald ein neues Handy auf den Markt kommt, mit unseren Produkten nachziehen – im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass Produkte für bestimmte Handymodelle nach einer gewissen Zeit einfach nicht mehr gefragt sind.“

Grund genug für die beiden, das Sortiment langfristig weiter zu entwickeln und umzustellen. Die Tablethüllen sind dank einer guten Idee und ein bisschen Klettverschluss individuell auf verschiedene Modellgrößen umbaubar – und generell lautet das Motto: Mehr und mehr weg vom schnelllebigen Handymarkt, verstärkt hin zu zeitloseren Produkten wie Portmonnaies.

Schon zu Beginn ihres Business geisterte die Idee in ihren Köpfen, die perfekte Handtasche für Männer zu entwickeln – und obwohl mittlerweile eine schöne Jeanstasche im Sortiment ist, haben die beiden vor, diese Idee zukünftig noch weiter auszubauen. Martin lacht: „Es gibt einfach noch nix Cooles auf dem Markt.“

Wer jetzt neugierig geworden ist auf die „MineD“ Produkte, der schaut einfach mal auf www.my-mined.com vorbei. Hier findest du alle Produkte und Hintergrundgeschichten nochmal zum Nachlesen. Persönlich kannst du die Menschen hinter dem Produkt bei Handwerks- und Designmärkten wie dem Holy Shit Shopping oder Der Supermarkt kennen lernen.

Eure Gina & Euer Nathan