Marktschwärmer: Einkaufen auf Kölns Pop-up-Bauernmarkt

Text: Julia Felicitas Allmann & Fotos: Florian Yeh

Wenn ich auf den Markt gehe, bin ich oft überfordert. Es gibt so wahnsinnig viele Produkte, plötzlich guckt mich ein Verkäufer an – und ich bestelle irgendwas. Vor lauter Möglichkeiten meistens zu wenig, weshalb ich am nächsten Tag doch wieder im Supermarkt stehe. Dabei mag ich es, regional einzukaufen. Und zu wissen, woher meine Äpfel, Tomaten und Eier kommen.

Vermutlich hatte Clara von Hartz-Möllmann nicht meine Überforderung vor dem Gemüsestand im Sinn, als sie die Marktschwärmerei in der Südstadt gegründet hat. Aber sie hat mir damit einen riesigen Gefallen getan. Die Idee dahinter: Jede Woche bieten Erzeuger aus der Region ihre aktuellen Produkte in einem Online-Shop an. Als Kunde suchen wir uns aus, was wir diese Woche kaufen möchten, bezahlen online und holen die Waren zu einem festen Termin ab. „Eine Schwärmerei ist ein regionaler Bauern-Pop-up-Markt“, erklärt Clara. „Und hier in der Südstadt bin ich die Gastgeberin.“

Das bedeutet: Clara hat das Netzwerk aus Bauern und anderen Erzeugern aufgebaut. Sie begeistert Kölner für das Konzept, pflegt die Community, organisiert die wöchentliche Verteilung auf dem Neuland-Gelände an der Alteburger Straße. Während ich versuche, ein bisschen mehr über Claras Weg zur Schwärmerei zu erfahren, verteilt sie Schilder auf den Holztischen, lotst telefonisch Bauern zum richtigen Ort, geht im Kopf die heutigen Teilnehmer durch und plaudert mit den ersten Erzeugern, die ankommen. Eine echte Gastgeberin – Clara ist das Zentrum dieses Mini-Marktes.

Produkte von 13 Erzeugern sind heute im Verkauf. Es gibt natürlich Obst und Gemüse, es gibt aber auch Federweißer und Chorweiler Kümmel, es gibt Vollkorn-Brote aus Hennef und es gibt selbstgepresstes Walnuss-Öl aus Rommerskirchen. Heide Eisenacher-Franke von der Ölmühle Vanikumer Lindenhof ist die Erste, die ihren Stand mit Ölfläschchen, Aufstrichen und eingelegten Nüssen aufgebaut hat. „Ich mache schon bei der Schwärmerei in Ehrenfeld mit und dann hat mich Clara gefragt, ob ich auch in der Südstadt dabei sein will“, erzählt sie. Heide hat sich vor einiger Zeit eine professionelle Mühle zugelegt, weil sie die Walnüsse vom eigenen Baum verarbeiten wollte, nach und nach wuchs ihre Produktion.

Auch wenn sie mit einem eher kleinen Korb voll bestellter Ware angereist ist – sie ist begeistert vom Konzept der Schwärmerei: „Hier bringen Erzeuger nur das mit, was wirklich gekauft wird“, sagt sie. „Auf einem anderen Markt erwarten Kunden immer ein umfassendes Angebot und am Ende wird nur die Hälfte gekauft. Oft ist das eine riesige Verschwendung.“
Noch ein Pluspunkt für das Prinzip der Marktschwärmer, das 2010 in Frankreich entwickelt wurde und sich seitdem immer weiter ausbreitet. In Deutschland gab es Anfang 2017 rund 30 Schwärmereien, viele weitere sind im Aufbau. In Köln hat Clara die zweite eröffnet. „Ich habe zehn Jahre in einer Werbeagentur gearbeitet“, erzählt sie.

Dann war ich auf der Suche nach etwas Neuem und bin auf die Idee der Marktschwärmer gestoßen. Ich habe mich schon immer für gutes Essen interessiert und dabei wurde es mir immer wichtiger, regional einzukaufen.
— Clara von Hartz-Möllmann

Sie selbst komme dabei eher aus der „Genuss-Szene und nicht aus dem Nachhaltigkeits-Bereich“, sagt Clara. Trotzdem kauft man bei der Marktschwärmerei nicht nur regional ein, sondern auch nachhaltig – und fast ohne Müll. Hier ist nichts eingeschweißt, was nicht eingeschweißt sein muss. Hier gibt es keine unsinnigen Plastikverpackungen.

Bei Michael und Monika Rönn können wir die mitgebrachten Äpfel direkt probieren (und uns davon überzeugen, dass es gut war, vorher ein Kilo zu bestellen). Das Ehepaar ist neu dabei und hat sich gleich in beiden Kölner Schwärmereien angemeldet. „Wir wollten unbedingt in Kontakt zum Endverbraucher kommen“, sagen sie. Normalerweise werden ihre Waren über den Großhandel an Ketten wie Rewe oder Edeka geliefert, „aber da bekommen wir natürlich fast nie ein Feedback von den Kunden. Wir erfahren nicht, wie unsere Produkte bei ihnen ankommen.“ Deshalb haben sie ihren kleinen Stand auf dem Neuland-Gelände aufgebaut und dort hören sie von den Test-Essern das, was sie so gerne persönlich hören wollten:

Es schmeckt alles richtig, richtig gut.

Außerdem fühlt es sich gut an, statt eines Supermarkt-Logos die Menschen hinter den Äpfeln und Kürbissen kennenzulernen und die persönlichen Geschichten zu den Produkten zu hören, die später auf meinem Teller landen.  
Deshalb bin ich von der Schwärmerei in der Südstadt überzeugt – und von jetzt an Stammkundin.

Marktschwärmer
Jeden Donnerstag von 17:30 bis 19 Uhr
Koblenzer Straße 15 (Neuland Gelände)

Eure Julia & Euer Flo