Diese Mitesser könnten deine Freunde werden

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis

Habt ihr euch schon mal gefragt, warum auf Parties die beste Stimmung in der Küche ist? Die Antwort liegt auf der Hand, oder besser gesagt, auf dem Teller: In der Küche gibt es das Partyfood. Wo, wenn nicht zwischen Mozzarella-Tomaten-Sticks, Chips und einem Kühlschrank voller Drinks lassen sich Gespräche besser starten? Die Nähe zum Essen verbindet fremde Menschen und aus anfänglichem Small Talk können tiefe Freundschaften oder großartige Liebesromanzen entstehen.

Nun wurde in Köln eine neue Community ins Leben gerufen, die fremde Menschen für eine Mahlzeit an einen Tisch bringen möchte: Die App Mealmatch. „Meet and Eat“ lautet das Credo, das Gründer Olaf Steinebach und Thomas Fiedler sich überlegt haben: Stell dir vor, du hast Lust auf Spaghetti Bolognese und kaufst dafür ein. Das Rezept ist für sechs Personen, aber du bist alleine. Theoretisch können noch fünf weitere Leute mitessen. Weil du keine Lust auf einsames Essen hast, trägst du die Mahlzeit in der App ein und sodann kannst du Anfragen von Leuten bekommen, die ähnlich wie du Lust auf Spaghetti Bolognese haben, aber auch nicht alleine essen wollen. Der Preis für die Mahlzeit wird vom Koch festgelegt, die Registrierung bei Mealmatch ist kostenlos und das Bezahlverfahren Paypal sorgt sowohl beim Koch als auch beim Konsument für Sicherheit. Erst bezahlen, dann essen. Bekommt man etwas anderes serviert als versprochen, hat der Gast im Nachhinein die Möglichkeit, den Käuferschutz zu aktivieren und bekommt nach Prüfung von Paypal sein Geld zurück. Für die Vermittlung zwischen allen Hungrigen bekommt Mealmatch eine Provision von 8,5 Prozent. Ein Bewertungssystem ist zudem in Planung.

Bei Mealmatch geht es darum, Menschen und neues Essen kennenzulernen.
— Thomas, Gründer der Community

Für mehrere Menschen den Gastgeber zu spielen sei zudem auch recht anspruchsvoll. So wird die Spaghetti Bolognese auf einmal zum Event. „Natürlich soll man auch einen Blick hinter die Kulissen bekommen“, fügt der 42-Jährige hinzu. Thomas mimt gerne den Gastgeber, sagt jedoch über sich selber, dass er nicht kochen kann. „Aber ich mag Geselligkeit!“

Deshalb gibt es bei unserem ersten Abend mit Mealmatch Raclette. Zusammen mit Heam richtet Thomas ein orientalisches Raclette in einer wunderschönen Hinterhof-Wohnung in Ehrenfeld aus. Es ist nicht der erste Raclette-Abend, den Thomas organisiert. Bereits zum fünften Mal lädt er ein. Die Idee für den arabischen Abend hatte seine Mitgastgeberin. Er solle für Essen „wie immer“ sorgen und sie mache die fernöstlichen Dips. Die 50-Jährige arbeitet sonst als Integrationshelferin für Flüchtlinge – an diesem Abend ist sie eine bezaubernde Gastgeberin, die ihre Wohnungstür für 12 Menschen geöffnet hat. Nach und nach trudeln unterschiedliche Gäste ein, jeder mit seiner eigenen bunten Geschichte. Offenheit und Neugier vereinen alle. Und Hunger. „Also, ihr geht einfach an den Kühlschrank“, stellt Heam anfangs klar. „Es gibt Wein und wenn der leer ist sind um die Ecke genügend Büdchen.“ Thomas ergänzt die kurze Ansprache: „Haut rein, es gibt keine Sitzordnung und keinen Plan.“ Das sind Sätze die wir hören wollen, wir nehmen die beiden Gastgeber beim Wort und greifen zu.

Thomas und Heam servieren ein sehr üppiges Mahl, 13 Leute bekommen 13 Kilo Nahrung: Verschiedene Fleischsorten, Gemüse, Soßen und Dips. Handgemachte Leckereien verstreuen sich über den langen Tisch. Es ist das größte Mealmatch bisher und fühlt sich an wie ein Abend unter Freunden. Sehr schnell ist es sehr egal, dass man sich eigentlich nicht kennt. Um 21 Uhr sind die ersten Flaschen Wein ausgetrunken und Thomas muss zum ersten Mal zum Büdchen gehen.

Wir hören viele neue Geschichten, wie zum Beispiel die von Daniel. Früher war er als Fitnesscoach angestellt und heute arbeitet er als selbstständiger Unternehmer für Insektenschutzgitter. Oder nehmen wir Nadine, die die letzten 14 Jahre in den Niederlanden gelebt hat und neu in der Stadt ist. Wie die Key Acount Managerin auf Mealmatch gestoßen ist? „Ich habs gegoogelt“, erzählt sie. Welche Schlagwörter sie benutzt habe, wisse sie nicht mehr. Aber es muss um Essen gegangen sein.

Abende wie diese sind eine Bereicherung, nicht nur für den leeren Magen. Viel mehr noch für den kulturellen Austausch unter Fremden, die zu Freunden werden können. Durch Mealmatch bekommt man Mit-Esser, die man nicht mehr loswerden möchte. Und wenn du auch Lust auf einen Raclette Abend hast, was wir nur empfehlen können, dann schau doch mal ins Facebook Event: Der nächste Abend ist für den 11. August geplant.

Eure Charlotte & Athenea