Not just another Guide to Cologne

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Florian Yeh

Morgens in der Südstadt. Ein Teil der WE ARE CITY Redaktion traf sich in einem Kreativloft, dem Veedelswerk. Dort fand der Creative Morning statt, eine monatliche Veranstaltung, bei der Kreative von ihren Projekten erzählen. Wir waren sehr gespannt, denn das Thema interessierte uns sehr: Drei Designer stellen „Not just another Guide to Cologne“ vor. Ein Booklet, das Kölns schönste Seiten zeigt … .

Es ist September 2013, Yuki Fukuda ist als internationale Studentin in Fukuoda, Japan. Ein Wintersemester ist sie an einer der ältesten und renommiertesten Universitäten Japans eingeschrieben, an der Kyushu University. Sie hat sich auf diese Monate gefreut, wollte eine aufregende Stadt entdecken und interessante Leute kennenlernen. Dieses Vorhaben gestaltet sich schwieriger als zunächst angenommen, einen richtigen Zugang zur lokalen Community findet Yuki nur schwer.
Ungefähr zur gleichen Zeit, neuntausend Kilometer weiter westlich in Köln: Jackie Diedam ist gerade aus Brasilien nach Köln gekommen. Auch sie ist hier, um ein Auslandssemester zu verbringen. Auch sie macht ähnliche Erfahrungen wie Yuki. Das dauert, bis sie die lokale Szene kennenlernt, die von den üblichen Touristentipps abweichen.

Einige Zeit vor Yukis Auslandsaufenthalt lernten die beiden Designer sich an der Köln International School of Design kennen. Im Rahmen ihres Studiums müssen die beiden eine Gruppenarbeit realisieren, ein sogenanntes selbstinitiiertes Projekt. Raoul Döring vervollständigt das Trio. Basierend auf Yukis und Jackies Erfahrungen als internationale Studenten überlegen sie, was sie für andere internationale Studenten machen können, um ihnen den Zugang zur lokalen Szene in Köln zu erleichtern. Dabei stellen sie fest, dass es zwar viele Reiseführer und Guides gibt. Aber keinen der auf internationale Studenten ausgerichtet ist, die zumeist andere Bedürfnisse haben als normale Touristen oder deutschsprechenden Gäste: Wie finde ich am besten eine Wohnung? Wohin gehen Kölner Studenten zum Mittagessen? Wie kann man sich das Wochenende vertreiben, wenn man schon dreimal auf dem Kölner Dom war? Natürlich findet man auf diese Fragen Antworten in Zeitungen, Magazinen und Blogs. „Aber man weiß nie, wer das geschrieben hat und wie sehr die Autoren übertreiben und Tatsachen beschönigen“, erzählte Yuki an diesem Morgen im Veedelswerk. Sie wollten ehrliche Meinungen von Studenten für Studenten, ganz unkommerziell.

Eine Idee stand im Raum, nun ging es an die Umsetzung. „Guides sind oftmals gleich aufgebaut. Wir wollten sämtliche Regeln brechen“, erklärte Jackie. Während ihres Studiums musste die Illustratorin zuvor schon mit dem Material Papier arbeiten: „Ich habe mich gefragt, wann ich das je gebrauchen könnte. Jetzt war es endlich so weit“. Das Trio entschloss sich dazu, die Stadt Köln in bunter Pappe nachzubauen. Jede Straße, viele kleine Autos und natürlich den Rhein, den Dom und das Kölsch. Anschließend würden sie die Modelle abfotografieren und die Bilder für den Guide nutzen. Keine Computer, keine Software und keine anderen technischen Geräte kamen zum Einsatz. Stattdessen benutzten die Drei ihre Hände, mindestens drei Scheren und viel viel Kleber:

Den ganzen Sommer saßen wir im Studio, haben gebastelt und geschwitzt. Es war so heiß! Und immer wieder mussten wir den Ventilator umstellen, weil sonst das Papier wegflog
— Raoul Döring

Anders als andere Materialien bräuche Papier viel Zeit und Licht. „Meine Einstellung zum Material hat sich komplett geändert“, sagt der gelernte Fotograf und Grafikdesigner.

500 Arbeitsstunden, über 300 Papiermodelle und mehr als 120 Quadratmeter buntes Papier und Karton flossen in das Projekt hinein. Tausend Exemplare des Guides konnten in den Druck gehen. Durch Unterstützung der technischen Hochschule Köln, der Köln International School of Design und der Buch- und Offsetdruckerei Häuser KG bekommen internationale Studenten den 'Not just another Guide to Cologne' nun an ihrer Hochschule kostenlos ausgehändigt.

Allein schon wegen der Fotos aus Papier ist der Guide aber so ein schönes Must Have oder Geschenk für all jene, die Spaß an Design und Neuentdeckungen haben. Wer Interesse an dem Guide hat, kann ihn mittlerweile auf der Homepage bestellen. Derzeit ist das Trio mit weiteren Hochschulen im Gespräch, sodass bald hoffentlich viele internationale Studenten einen Guide bekommen und Kölns schönste Seiten entdecken.

Übrigens findet der nächste Creative Morning schon Morgen statt. Diesmal erzählt der Fotograf Gerrit Starczewski von verzweifelten Fußballfans, kreischenden Groupies, Luftschlössern und Luxusladies. Die Creative Mornings stammen ursprünglich aus New York. Es handelt sich dabei um einstündige, kostenlose Vorträge von Kreativen, die von ihrer Arbeit erzählen. Kaffee gibt’s natürlich auch und um zehn ist das Ganze schon wieder vorbei. Mehr Informationen dazu findet ihr auf der Facebookseite creativemorningscologne.

Creative Mornings Cologne
08. Juli 2016 I 8:30 - 10 Uhr
grandcentrix GmbH I Schanzenstrasse 6-20

Anmeldung
creativemornings.com/talks

Eure Lotte & Euer Flo