Not another green smoothie

Text: Leni Wolf & Fotos: Leni Wolf & Nancy Ebert

„Not.another.green.smoothie“, so nennt sich ein Cocktail-Liebhaber bei Instagram. Diesen Satz hatte ich im Kopf, als ich von der neuen Smoothie- und Saftbar in der Südstadt hörte. Manchmal kommt es mit so vor, als würde es ständig viele neue kleine, schick-hippe oder schnuckelig-gemütliche Cafés und Bars, mit doch relativ ähnlich veganen Törtchen und „Latte dies, Latte das“ geben. Verdient die KALTPRESSE in der Nähe des Chlodwigplatzes (Merowingerstr. 23) ihren Platz, oder ist sie einfach nur „another.green.smoothie.bar“?

Einen Smoothie (mit Früchten, Saft oder Eiscreme) kenne ich schon. Der in der Kaltpresse schmeckt cremig und gut, und gehört, je nach Zutaten, entweder in die Kategorie „nahrhafter Drink“ oder „Süßigkeit“, da oft relativ viel Zucker enthalten ist. So ist es meist ja auch bei den kleinen Smoothies für unterwegs aus dem Supermarkt. Viel besser fühlt sich hier ein frisch zubereiteter Mix aus Birne, Traube, Banane, Rote Beete, Sellerie, Baobab (Pulver vom Affenbrotbaum), Ingwer, Mandelmilch (selbstgemacht) und Cold Brew (kalt gebrühter Kaffee) an. Diese wilde Mischung haben Ronald und Nora, die Besitzer der Kaltpresse, „Zebra“ getauft. Und … die schmeckt auch noch: Nicht nach „übertrieben gesund“ oder „Diät“, sondern nach frischen Früchten mit lieblich zimtiger Süße. Nora, die ihres Zeichens „Profi-Presserin“ und Schauspielerin ist, hilft gerne im Laden ihres Freundes Ronald, der aus dem Eventbereich der Balloni-Hallen kommt.

Seit der Eröffnung (am 07. Dezember 2015) bin ich schon oft am Logo mit dem Tukan vorbeigelaufen. Leider immer erst nach Feierabend, wenn die Kaltpresse (08.00 bis 16.00 Uhr geöffnet) schon geschlossen ist. Die meisten Kunden kommen schon vormittags, und schnappen sich einen Drink oder einen gesunden Snack (Salate, Müslis, Energiebällchen) für die Arbeit. An diesem Samstag nun klappt es für mich endlich: Ich laufe vorbei am Blumenladen, der Blumenboutique von Helga Heider, der sogenannten „Brigitte Bardot der Südstadt“, und betrete den kleinen Saftladen, der Sauberkeit und Klarheit ausstrahlt. Es duftet nach guten Zutaten, die vor den Augen der Kunden in Säfte und Smoothies verwandelt werden. - Natürlich mit der „Kaltpresse“, einem sogenannten Slowjuicer. Durch eine Pressschnecke werden die Zutaten schonend „ausgewrungen“, erklärt mir Nora.

Da kommt Kerstin hereingelaufen. Sie gönnt sich, z.B. bei Bahnverspätungen, immer einen Saft mit Namen wie „Warm“, „Immun“ oder „Glück“. „Bei 10 Minuten schaffe ich es genau!“, freut Kerstin sich. „Warm“ wärmt durch Cayenne-Pfeffer und Ingwer, und ist gut für die Verdauung. „Glück“ hebt durch Rote Beete die Stimmung. „Rein" ist ein klassischer Detox-Drink. Außerdem gibt es noch scharfe Ingwer-Shots als Alternative zum Espresso. Georg, der ebenfalls Stammkunde ist, ergänzt noch, dass ihn Vitamin C so wach mache, wie andere einen Kanne Espresso. Er dürfe daher nach 17 Uhr eigentlich keinen Ingwer-Shot mehr trinken. Freunde von Süßem können sich mit der „Lerche“ einen leckeren Frühstückssaft mit selbstgemachtem Granola oder eine Mandelmilch gönnen. Ein weiterer Kunde betritt den Laden. Er heißt Abdul, und kennt ähnlich frische Säfte aus seinem Heimatland, dem Libanon, wo es viele Street-Food-Läden gebe, die auch direkt pressten. Die „Kaltpresse“ bietet, im Vergleich zu Straßenständen, jedoch zusätzlich die Möglichkeit, sich auf der Ledercouch neben den Kisten mit dem frischen Obst niederzulassen, durch den „Aloe Vera“-Ratgeber oder Magazine wie „Barbara“ oder „Flow“ zu blättern, oder aber die weiteren Kunden bei ihrer Auswahl zu beobachten. Der treueste Kunde ist Oli P., der sich auch heute hier seine tägliche Vitaminration abholt.

Mit Beratung kann man einiges über wirkliche „Superfood“-Zutaten wie Spirulina, eine Alge mit hohem Eisengehalt, oder Maca, die peruanische Andenwurzel, lernen. Was diese „Superfoods“ tatsächlich vollbringen mögen, oder auch nicht, bleibt unklar, schaden tun sie jedenfalls nicht. Vielleicht werden zukünftig gar ein paar von Helga Heiders Blumen - gehyped - in Detox-Säfte wandern. Denn, was Trend ist und schlank oder gesund macht, kommt hier selbstverständlich in den Mixer.

Für mich steht am Ende fest, dass ich mich gut fühle, sehr gut sogar. Ich bin satt, habe getrunken, dabei viele gute Dinge ohne Zuckerzusatz zu mir genommen. Beschwingt gehe ich, mit einem saftigen Bananabread in der Hand, durch die Südstadt. Ich freue mich schon auf den nächsten Shake und natürlich auf den Sommer, wo Nora und Ronald möglicherweise kühles Sorbet anbieten wollen.

KALTPRESSE Itäglich von 08- 16.00 Uhr I Merowinger Str. 23 I Köln

Eure Leni