Out of the Box 2015 – Kaffee-Event und Barista-Jam

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Nathan Ishar / pramudiya.com & Michelle Maessen / malhiermaldort.com

Kliewe – Coffee Elements und La Marzocco präsentieren: Out of the Box 2015 – Kaffee-Event und Barista-Jam!

Hier sitze ich nun bei einer gemütlichen Tasse Kaffee zum Start in den Tag und erinnere mich an ein besonderes Kaffee-Erlebnis der vergangenen Wochen. Mit „Out of the Box“ war der Event betitelt, und fand in herrlich gemütlicher Atmosphäre der Exquisit-Möbel-Hallen in Köln Ehrenfeld statt. Hier finde man „Inneneinrichtung und mehr“, wie es auf der zugehörigen Seite heißt, und das stimmt: Die original alten, aber restaurierten und neu interpretierten Möbelstücke und Designklassiker, die es hier zu entdecken und erwerben gibt, sind zu ganzen Erlebnisräumen in Teilbereichen der Halle arrangiert, die so einladend gemütlich wirken, dass man sich sofort Zuhause fühlt, wenn man sich ungeniert auf eine der bereitstehenden Ledercouchen wirft, und dazu am liebsten entspannt die Füße hochlegen möchte.

Diese Wohlfühlatmosphäre wurde am 13. und 14. September dadurch untermalt, dass beim „Out of the Box“-Event der betörende Duft verschiedenster frisch gemahlener Kaffee-Sorten in der Luft lag.

„Was steckt als Idee dahinter?“, fragte ich Frederik Kliewe, Geschäftsführer bei Kliewe – Coffee Elements und Veranstalter des Kölner Kaffee-Erlebnisses. „La Marzocco“, seit 1927 traditioneller und leidenschaftlicher Hersteller von handmade Espressomaschinen für die ganze Welt, startete im Jahre 2009 in Mailand „Out of the Box“ als großes Event in der Kaffeeszene.

Es bietet Menschen aus der ganzen Welt eine Plattform, um sich über aktuelle Trends und Technik in der Kaffeewelt auszutauschen und zu informieren. Der Veranstaltungsname „Out of the Box“ entstand in Anlehnung an die Holzboxen, in denen die La Marzocco-Maschinen transportiert und ausgeliefert wurden. Mit dem Kölner Spot findet, nach Berlin und Ingolstadt, der dritte deutsche Event dieser Art statt. In entspannter Atmosphäre, mit Live-Musik und gutem Essen, wie frischen, vor Ort gebackenen Flammkuchen aus dem Hause „Belgischer Hof“ und prächtig gefüllten Getränke-Kühlschränken durch den LimoDealer, wurde an zwei Tagen ein randvolles Programm aus interaktiven Workshops und Vorträgen geboten. Wunsch sei es, den Besucher mit anderen Gastronomen, Baristi und La Marzocco-Partnern der lokalen Kaffee-Community zusammenzubringen.

Zusätzlich zur höchst interessanten Präsentation der Neuheiten von La Marzocco, z.B. der „Linea Mini“ und „Linea PB mit Auto Brew Ratio“ (Anmerkung: Hier benutzt man ähnliche Beschreibungen wie bei Fahrzeugtypen in der Automobilbranche!), konnte man beim Herzstück der Veranstaltung, dem am Sonntag stattfindenden Barista-Battle 2015, den Profi-Baristi die Daumen drücken und mitfiebern.

So startete der sportliche Wettkampf der Kaffeegrößen aus verschiedensten Städten Deutschlands. Das Können der Baristi und ihre Interaktion mit den Maschinen stand eindrucksvoll im Vordergrund! Während der Battles kommentierten die Moderatoren Andre Osthues und Fabio de Nittis lebendig den Ablauf des Geschehens. Zum Abschluss jeder Runde stand die Ergebnispräsentation vor einer hochkarätigen dreiköpfigen Jury an. Hierbei beurteilte ihr Mitglied Erna Tosberg als Technical-Judge ergänzend die Arbeitsweise der Baristi in Bezug auf Workflow und Sauberkeit.

Stellvertretend für die Jury fragte ich Erna, worauf sie als Jurorin besonders achte. Ihre Antwort war erstaunlich: „Auf den Spaß und die Freude, die die Teilnehmer bei der Zubereitung hätten und ausstrahlten, gleichwohl sei sie penibel in Bezug auf die Sauberkeit, z.B. von Siebträgern bei der Produktion und Präsentation!“, ergänzte sie lachend. Die junge Frau weiß natürlich, worauf es ankommt, schließlich ist Erna Expertin im Barista-Sektor, gewann 2013 selbst die Deutsche Meisterschaft und kam bei der Weltmeisterschaft 2014 in Rimini bis ins Halbfinale. Ihre Kaffeeleidenschaft legt sie seit vielen Jahren in ihrer Tätigkeit für die Roestbar/Münster an den Tag. Darüber hinaus vermittelt sie ihr Kaffee-Wissen in ihrer Trainerfunktion in der zugehörigen Kaffeeschule.

Zurück zum Wettbewerbsgeschehen: In der Einstiegsrunde des Barista-Jams hatten die 12 Teilnehmer die Aufgabe, jeweils in Paaren, zum Ausscheidungs-Wettkampf mit dem Thema „Mein perfekter Espresso“ anzutreten. Die vorgegebenen 10 Minuten Zubereitungszeit boten den zeitlichen Rahmen und notwendigen Druck im Anschluss zwei möglichst perfekte Expressi präsentieren zu können, die dem Publikum, auch in Bezug der persönlich gewählten Bohnenart, vorgestellt wurden. Nachdem die qualifizierte Jury, bestehend aus Barbara Galea (La Marzocco-Vertrieb Deutschland), Mateusz Petlinski (Woyton/Düsseldorf) und Erna Tosberg (Roestbar/Münster) ihr Urteil in Form von Punktetafeln verfasst hatte, standen die 6 Gewinner für das Halbfinale fest. Es folgte eine unterhaltsame neue Disziplin, in der die Paarungen im „Skurril-Latte-Art“-Battle gegeneinander antreten mussten, wobei ihnen jeweils die Präsentationsgefäße für ihre Latte-Art zugelost wurden, und es sich dabei sogar um eine Kokosnusshälfte oder eine Suppenkelle handeln konnte. Das Publikum johlte und klatschte, und fieberte mit den Baristi, auch gegen die ablaufende Zeit, mit. Es bestand aber kein Grund zur Sorge, die Präsentationen waren allesamt meisterlich! Nach Ermittlung der Punkte-Sieger standen mit Matthias Hoppenworth (Hoppenworth & Ploch/ Frankfurt), Adriana Rehn (Probat) und Kalle Grüneberg (Roestbar/ Münster) schließlich die drei Finalisten bzw. Finalistinnen fest. Im glühenden „Latte-Art-Espresso-Macciato“-Wettkampf wurden die Baristi hinsichtlich künstlerischer Ausfeilung eines zuvor zugelosten Motives, z.B. „Herz“ oder „Blatt“, sowie nach Geschmack ihres Getränkes beurteilt. Die Entscheidung war knapp, Matthias Hoppenworth heißt der strahlende Gewinner des Barista-Jams 2015! - WEARECITY gratuliert herzlich!

In Bezug auf den sympathischen Gewinner Matthias interessierte mich besonders sein Barista-Werdegang. Also kamen wir nach dem Finale, nach soviel Kaffee-Input diesmal mit einem Bierchen in der Hand, entspannt ins Gespräch. Seit mehreren Jahren führt er, zusammen mit seinem Kumpel Julian, mit „Hoppenworth & Ploch“ eine gut funktionierende Kaffee-Bar in Frankfurt.

Zu diesem Status waren in der Vergangenheit jedoch viele Schritte notwendig. Alles nahm seinen Anfang als Julian und er vor 7 Jahren als Studenten auf zwei verschiedenen Fluren ein und desselben Studentenwohnheimes lebten, aber sie bereits damals die gemeinsame Liebe zu Kaffee verband. So experimentierten sie, rein für den privaten Genuss, mit verschiedenen Kaffee-Bohnen-Sorten, rüsteten die mit schmalem Studenteneinkommen via Ebay erworbenen Kaffeemühlen- und Maschinen eigenständig auf, und informierten sich im Internet über dieses und jenes Wissenswerte, was es im Bezug auf verschiedene Kaffeequalitäten aus ihrer Sicht zu kennen galt. Aus purem Spaß und Interesse lasen sie Blogs zum Thema, fuhren nach Mailand, ins Zentrum der Kaffeekunst, und vernetzten sich mit weiteren Gleichgesinnten, was international rückblickend noch nicht im heutigen Maß stattgefunden hatte. Mit weiteren Reisen, z.B. nach Guatemala, erwarb sich Matthias das ersehnte Wissen zur gesamten Kaffee-Wertschöpfungskette. Hieraus ergab sich fast zwangsläufig der Wunsch selbst rösten zu lernen, um damit den Ursprung einer Bohne und ihr jeweiliges Charakteristikum herausarbeiten zu können! Es ergab sich sogar, dass Matthias, der 2010 das erste Mal an Barista-Weltmeisterschaften teilnahm, bereits 2011 den Titel „Deutscher Latte-Art-Meister“ gewann, dies sogar noch vor Abschluss seines Studiendiploms der Fachrichtung VWL, was er zeitgleich betrieb.

Nachfolgend kam der Zufall ins Spiel: Nachdem ein großer Bereich des Neubau-Geländes auf dem Frankfurter Uni-Campus einfach brach lag, entschlossen sich die mittlerweile zu wahren Kaffee-Experten herangereiften Studenten-Freunde Julian und Matthias dort gemeinsam eine eigene Kaffee-Bar zu installieren und zu integrieren, was ihnen mit „Hoppenworth & Ploch“ ausdrücklich gelang. Fortwährend bilden sich die beiden weiterhin in neuster Kaffee-Technologie fort, sind bestrebt, sich international auszutauschen und zu vernetzen, und dennoch so bodenständig und sympathisch, dass Matthias, angesprochen beispielsweise auf den Grund für die „Out of the Box“-Battle-Teilnahme, angibt, sich schlicht selbstkritisch einem qualifizierten Feedback aussetzen zu wollen, sowie auf fröhliche Menschen zu treffen, und den Spaß beim Event nicht aus den Augen zu verlieren.

Dies hat bestens geklappt, ich bin beeindruckt von so viel - plaudernd und nebenbei - für mich gewonnenem Kaffee-Wissen. Dankbar für dieses einzigartige Erlebnis erhebe ich meine Kaffee-Tasse auf euch, Barristi!

Eure Steffi & Euer Nathan