Impressionen: PASSAGEN 2016

Text: Elena Braun & Fotos: Nathan Ishar / pramudiya.com

Da ist sie schon wieder, die Internationale Möbelmesse imm. Jedes Jahr pünktlich zum Jahresbeginn erinnert sie uns daran, dass es nach Weihnachten weitergeht, dass das neue Jahr nun wirklich da ist. Und mit der imm erscheinen in der ganzen Stadt verteilt orangene Farbtupfer, die das graunasskalte Köln auf die Passagen hinweisen.

Das Zentrum der Passagen bildet traditionell Ehrenfeld. Hier kann man wunderbar durch die kleinen Straßen schlendern und das Veedel kennen lernen. Die Passagen bieten Raum für neue Designideen und Einrichtungsutopien, aber auch die Geschäfte, die dort immer sind, können ganz neu entdeckt werden. Wir haben uns am Freitag einfach mal treiben lassen und doch nur einen Bruchteil erfassen können.

Das Utensil am Anfang der Körnerstraße hat nur für die Passagen ganz besondere Teppiche ins Schaufenster gehängt: Sie sind aus Anschnallguten gefertigt, von Hand verwebt. Durch Zufall stießen die beiden Macherinnen Veronika und Anna in Istanbul auf das Material und fertigen daraus nun Unikate. „Die blauen Gurte sind besonders selten“, sagt Veronika, die neben dem Utensil im Vorraum der angrenzenden Metzgerei die größeren Teppiche präsentiert – einer mit den blauen Gurten liegt ganz vorne.

An einem gegenüberliegenden Schaufenster sehen wir einen Hinweispfeil: Noch 250 m bis Istanbul’dan – die Stadt begegnet uns also noch einmal. Hinter dem Namen, der „aus Istanbul“ bedeutet, verbirgt sich ein Projekt, für das sechs Designer in das Viertel Şişhane reisten um dort in Werkstätten die dortigen Handwerke lernen. Inspiriert von der Stadt und ihren Lehrern haben sie verschiedenste Einrichtungsgegenstände aus unerwarteten Materialien kreiert, die man während der Passagen im Bunker k101 betrachtet werden können. Im Gegenspiel zu den Designerstücken schmücken Streetfotografien aus Köln von verschiedenen Fotografern den Bunker. Dieser Ort mit den rohen Betonwänden, die interessante Durchgänge formen, bietet den urbanen Motiven eine ideale Bühne.

Eine ähnliche Harmonie der Gegensätze ergibt sich auch im Funktionsraum, wo die Urwaldfotografien des Fotografen Sven Lützenkirchen die Möbelstücke von Thomas Schnur begleiten. Die abgebildeten Pflanzen sind schlicht, elegant und sehr effektiv – so wie die Möbelstücke, die sich in ihrem dezenten Schwarz zurückhalten und doch meist mehr als eine Verwendungsmöglichkeit bieten. Im Haus schräg gegenüber erinnern uns auch die Ausstellungsstücke beim Recycling-Designpreises daran, dass Dinge oft mehr als nur eine Bestimmung haben und auch in ihrem zweiten oder dritten Leben mit Stil begeistern können. Mit heißer Suppe und Getränken ist es auch ein wunderbarer Ort zum Verweilen.

Doch ich empfehle euch, auch das Programm jenseits von Ehrenfeld zu beachten. Eine wirklich besondere Entdeckung durfte ich heute machen, dort wo ich sie gar nicht unbedingt vermutete: Gegenüber des Gereonsklosters. In der alten St. Joseph Kapelle, befindet sich Kaune Contemporary, eine Galerie für fotografische Gegenwartskunst. Speziell für die Passagen wurde die aktuelle Ausstellung „KRAFTWERK – Fotografien von Peter Boettcher 1991-2015“ verlängert und nun könnt ihr sie sogar noch bis einschließlich 26. Februar sehen. Schon allein für das historische Gebäude lohnt es sich, auch einfach mal die Atmosphäre in sich aufzusaugen.

Ein anderer ungewöhnlicher Ort ist die Agentur norm-4, die mit STRKNG eine Fotocommunity gegründet haben, in der Fotografen wirklich nur eine ganz reduzierte Auswahl ihrer besten Bilder zeigen. So entsteht eine Art digitale Fotoausstellung, die in den Agenturräumen ihr analoges Pendant findet, mit Schwerpunkt auf Interior. Neben den ausgestellten Fotos kann man also ganz nebenbei auch Einblick in eine Agentur bekommen – man darf sich nur nicht scheuen, zu klingeln und in den zweiten Stock zu gehen. Aber genau darum geht es doch bei den Passagen: Neues sehen und inspiriert werden.

Die Passagen finden noch bis Sonntag statt, das Abendprogramm und alle Orte findet ihr auf der zugehörigen Homepage.

Eure Elena & Euer Nathan