Pop Up: June and July Coffee in Ehrenfeld

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Nathan Ishar

Die besten Ideen bekommt man bekanntlich auf dem Klo oder sie entstehen in Garagen. In Ehrenfeld gibt es Zweiteres mit Fliesen, einem dunkelroten Vorhang aus Samt und mittendrin eine bunte Theke. Darauf thront die Königin: eine blaue Espressomaschine von La Marzocco. Das sind die ersten Eigenschaften, die ins Auge fallen, steht man in der Stammstraße vor Hausnummer 88. Die Seitenwände sind innen hüfthoch holzvertäfelt, der deutsche 1970er Jahre Einrichtungsstil lässt grüßen. Die linke Wand ist komplett verspiegelt, die rechte Seite und die Decke sind schwarzgestrichen. Links ein Holzstuhl, rechts ein Holzstuhl und im Hintergrund läuft soulige Musik von Erika Badhu.
Wo wir sind? Im derzeit undergroundigsten Kaffeespot von Köln: June and July Coffee, eine Art Kaffee-Werktstatt als Pop Up. „So klein und sympathisch wie möglich“, das war die Idee und das ist letztendlich auch das Konzept erklärt Norbert Jencsik. Zusammen mit seinem besten Freund Davor Komšić hat der 37-Jährige vor gerade mal knapp einer Woche June and July Coffee auftauchen lassen. Und zum Wochenende hin wird es auch schon wieder anders mit dem Konzept weitergehen. Pop Up eben.

Das mag nach einer schnelllebigen Idee klingen. Davor und Norbert aber sind zwei Männer, die das Kaffeebusiness mit Leidenschaft angehen. Und dafür nehmen sie sich Zeit. Für die Idee und die Menschen die es braucht, um guten Kaffee an andere Kaffeeliebhaber weiterzugeben. Und natürlich für den Kaffee selber. Dazu gehört auch das Wissen um die Bohne. Davor erlernt es bei seiner Großmutter, die den Kaffee noch von Hand gemahlen hat. Norbert geht 2009 nach London und taucht ein in die Specialty Coffee Community. Er arbeitet mit pruftock und The Espresso Room, Ben Townsend wird sein Kaffeementor. Er shootet mit dem Fotografen Juergen Teller, David Beckham und Kate Winslet. Die übrigens nur Tee trinkt. Aber auch wer mit diesen Namen vorerst nichts anfangen kann, wird Gefallen an June and July’s Kaffee schmecken.

Für ihre Kaffeegetränke benutzen Davor und Norbert Bohnen von jb coffee, einer kleinen Rösterei aus der Nähe von München. Dazu gibt es Milch vom Thomashof aus Burscheid. Und wer nach zwei Milchkaffee eine Alternative braucht, für den haben die Jungs zusätzlich etwas Frisches parat: Den Tonic Coldbrew. Kalter Kaffee plus Tonic plus selbstgemachten Schlehensaft plus diese eine geheime Zutat die den sweet Sport im Gaumen trifft. Ein absoluter Kracher, nicht nur, weil die Schlehe ein Superfood ist, das auch in Europa wächst. Kannte ich gar nicht. Aber das geht anscheinend nicht nur mir so. „Kaum einer kennt die Schlehe“, sagt Davor:

Alle wissen, welche Superfoods es im Urwald gibt, aber was vor der eigenen Haustür wächst, ist den wenigsten bekannt.
— Davor

Dass Norbert und Davor mit June and July Coffee derzeit in der Stammstraße zwei Getränke anbieten, ist dem Zufall geschuldet. Die Location ist ein ehemaliger Pub, der durch den Samtvorhang verkleinert wird. Keine Garage also, aber mit Garagenflair. Das Ganze sollte eigentlich als Lager dienen. Aus dem Vorsatz, die damals neu erworbene Espressomaschine hier nur mal anzuschmeißen und auszuprobieren wuchs die Idee heran, die Getränke vor Ort und Stelle auszuschenken. „Dabei geht es uns nicht nur um Riesenvolumen, sondern um die Qualität“, führt Norbert aus. „Wir wollten absichtlich Sachen brechen“, sagt er. Geduld und Zeit seien gerade da, auch wenn Davor bald Papa wird.

Dem Auge etwas Neues bieten, das war das Credo. Gelungen ist es durch die Kombination der Fliesen und dem Holz, die bereits da waren und sämtlichen Coolnessfaktor widersprechen. Oder vielleicht gerade deswegen sind sie auch wieder cool. Der Star auf der Bühne ist jedenfalls die Theke mitsamt der Espressomaschine. Inspiriert vom Rubiks Würfel und dem Gerd Richter Fenster im Kölner Dom sind die Farben und die Anordnung der eckigen Flächen gewählt. Ihren Besuchern eine Möglichkeit geben, die eigene Sensorik zu entwickeln und das Schmecken lernen, darum geht es den beiden. Davor und Norbert erzählen gerne über ihr Lieblingsgetränkt Kaffee.

Geeks finden hier einen spannenden Ort zum Austausch. Muss aber nicht sein, die beiden Wahlkölner lassen ihre Gäste auch einfach nur Kaffee trinken, Pause machen und genießen, ganz ohne aufdringliche Produktpromoterei. Wer herkommt, lässt sich nieder und bleibt etwas. Pop Up hin oder her. Wer weiß, welche Idee in dieser Garage bereits geboren wurde. Auch wenn das Pop Up zum Wochenende zumacht, bis Freitag ist von 9 bis 17 Uhr offen. Und wer die Jungs gar nicht missen möchte, kann die beiden auch einfach buchen.

June and July Coffee
Stammstraße 88

Öffnungszeiten 2016
Montag - Freitag von 9 - 17 Uhr
Letzter Tag 06.08, Samstag von 10 - 16 Uhr

www.facebook.com/juneandjulycoffee

Eure Lotte & Euer Nathan