Skatepark North Brigade: Interview mit zwei Skatern

Text: Lotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis & Gastfotografin: Julia Haack aka juliahaack.de

Könnt ihr euch noch an den Song „Sk8ter Boi“ von Avril Lavigne erinnern? Der kam 2002 raus, ich war so grade vierzehn. Ich fand den Song doof, die Frau mit ihren viel zu dunkel geschminkten Augen und auch ihre Nase hat mich am meisten gestört. Um eins aber hab ich sie beneidet: Die hängt in ihrem Video mit nem Haufen cooler Jungs ab. Und skaten kann sie auch. Allein wegen diesen zwei Tatsachen habe ich mir das Video jedes Mal in voller Lautstärke gegeben, wenn es auf MTV lief. Und ein bißchen pubertär geträumt, ich könnte auch skaten und mit coolen Baggyjungs abhängen.

Vierzehn Jahre später kann ich immer noch nicht skaten. Das ist OK, ich habe meinen Frieden damit gemacht. Immerhin habe ich es so weit gebracht, zwei coole Jungs aus der Skateszene für ein Interview zu treffen: Anas und Lukas vom Skatepark North Brigade. Hier geben die zwei zusammen mit ihrem Team regelmäßig Kurse im Skateboard fahren. In einem anderen Leben studiert Anas Sport-, Erlebnis und Bewegung, Lukas Sport und Lehramt auf Biologie. Auf wissenschaftlichem Fundament sozusagen bekommen die Kursteilnehmer Coolness beigebracht.

Wie seid ihr ans skaten gekommen?
Anas: Weiß ich nicht, fands irgendwie cool glaub ich. Die Jungs aus der Nachbarschaft sind Skateboard gefahren und dann habe ich das auch gemacht. Am Anfang fandste Tony Hawk halt ziemlich cool und Rodney Mullen, so ein Freestyle Skater. Der fährt Skateboard wie niemand anderes Skateboard fährt.
Lukas: Ich habe ähnlich spät wie Anas angefangen, mit zehn. Der jüngste in unserem Kurs ist fünf. Daran rangekommen bin ich durch meinen Bruder. Wir hatten so eine Spielstraße und da waren auch die Älteren, die waren alle am Skaten. Da kam man dann als kleiner Knirps mit Rollerblades an und durfte sich erst mal ordentlich 'Hate' abholen. Beim nächsten Mal bin ich mit einem Skateboard angerollt und wurde akzeptiert.

Wie waren die ersten Skateversuche?
Lukas: Schmerzhaft. Am Anfang gings einfach darum, zu dem Lifestyle zu gehören. Ich war ein kleiner Typ in einer zu großen Baggyhose. Wir haben uns Socken oder Schwämme vorne in die Schuhe gesteckt, damit die Schuhe vorne dick sind. Es gab dieses DC Boxer Modell osiris D3, da war es cool, wenn man vorne im Schuhbereich einen Hubbel hatte. Wozu und warum, keine Ahnung. Das war einfach Trend. Der DC Boxer war mein erster Skateschuh.
Anas: Es macht gar keinen Sinn, darin Skateboard zu fahren. Klobige Schuhe.
Lukas: Der ist furchtbar der Schuh, abartig hässlich. Aber damals war der der absolute Renner.

Ihr habt euch im Studium kennengelernt. Wie seid ihr zur North Brigade gekommen?
Anas: Durch einen Kumpel und dann habe ich Lukas reingeholt. Erst haben wir Kurse gegeben, die eher spärlich besucht waren. Aber seit letztem Sommer, als der Longboardboom kam, sind wir regelmäßig ausgebucht. Longboardfahren ist irgendwie einfacher. Und langweiliger.
Lukas: Wir können Longboarder ja eigentlich auch nur schlechtreden. Du fährst geradeaus, musst zwischendurch vom Longboard absteigen, um auf den Bürgersteig zu kommen, steigst wieder drauf und fährst weiter. Mit dem Skateboard kannst du das überwinden, es ist viel wendiger. Das hat manchmal auch Nachteile, je nach Bodenbeschaffung pushste mit dem Longboard einmal und musst mit dem Skateboard 20 Mal pushen. Longboard fahren ist entspannter, aber gerade hier in Köln mit den Schienen ist ein Skateboard praktischer.
Anas: Skateboardfahren ist nicht nur Fortbewegung. Sondern Vorwärtskommen mit Hindernissen, die man überwinden muss und das möglichst künstlich und stylisch.

Was passiert in Euren Kursen?
Anas: Man kann ab sechs Jahren mitmachen. Momentan haben wir noch viele Jungs, circa 70 Prozent.  Aber wir haben auch 45-jährige Väter, die mit ihren Kids kommen. Die sind selber vor zwanzig Jahren gefahren und wollen das Ganze noch mal Angreifen. Der Jüngste im Kurs ist gerade mal fünf. Da hat uns die Mutter so lange bearbeitet, bis wir ihn aufgenommen haben.
Lukas: Den können wir höchstens noch eins, zwei Mal mitnehmen, sonst fährt der uns unter den Tisch. Der hat eine Miniramp im Keller stehen und ist unglaublich für fünf Jahre.
Anas: Es gibt einen Schnupperkurs, der richtet sich an Anfänger. Die kommen her ohne Erfahrung. Wir machen ein Aufwärmen mit ihnen, gewöhnen sie ans Brett und erklären den Brettaufbau. Außerdem gibt es Balanceübungen und andere praktische Anleitungen.
Lukas: Wir sehen ja auch wie das Niveau ist und passen das dementsprechend an. Durch den sportwissenschaftlichen Hintergrund können wir kognitive Fähigkeiten mit physischen gut kombinieren.

Fotos: Julia Haack aka juliahaack.de

Warum muss man sich aufwärmen?

Anas: Skateboardfahren ist Sport! Jede Bewegung, jede Kurve oder Drehung beginnt mit den Schultern. Wenn die Kids hier zwei Stunden skaten, kannst du danach die Haare auswringen und einen Eimer Wasser damit befüllen.
Lukas: Je mehr die Gruppenteilnehmer können, umso mehr probieren sie auch und trauen. Nachher wird der Fahrspaß auch größer.
Anas: Schnupperkurse gehen 90 Minuten, danach kommen die All Levels Kurse mit zwei oder drei Trainern, die gehen dann auch zwei oder drei Stunden. Viele Teilnehmer kommen wieder, den All Levels Kurse kann man immer wieder machen, um sein individuelles Level zu verbessern.

Fotos: Julia Haack aka juliahaack.de

Was würdet ihr einem absoluten Anfänger empfehlen?

Anas: Als allererstes einen Helm aufzusetzen.
Lukas: Und vielleicht noch Knie-, Handgelenk- und Ellenbogenschoner.
Anas: Klingt immer ein bißchen blöd, aber ist schon besser. Ich hab früher auch Schoner getragen, sah natürlich uncool aus.
Lukas: Die Kids heute finden Schoner sogar cool. Ein anständiges Board würde ich noch empfehlen. Da hat man einfach länger was von. Die Beschaffenheit von Boards aus einem anständigen Laden ist ganz anders als im Vergleich zu Metro-Skateboards. Mit denen kann ein Kind sich kaum wenden, die Bestandteile sind dann teilweise nicht aus Gummi sondern Hartplastik und einfach sauhart.

Fahrt ihr selber mit Schonern?
Lukas: Ich fahr' selber mit Ellenbogenschonern, weil ich mir vor zwei Jahren beide Arme gebrochen habe. Beim Fahrradfahren.
Anas: Das ist unpraktisch.
Lukas: Ich habe noch Schraubensalat in den Armen. Die sind mittlerweile mit meinen Knochen verwachsen.
Anas: Ich habe mir mal beim Fußballspielen den Fuß gebrochen und auch zwei Schrauben im Fuß. Alles andere ist scheinbar gefährlicher als Skaten. Trotzdem statten wir die Kids hier auch aus, wir haben einen Container voll mit Schonern und Boards für circa 30 bis 40 Teilnehmer.

Es gibt also Hoffnung für Skateboard Greenhorns wie mich. Auf der Seite vom Skatepark erfahrt ihr, wann Kurse stattfinden und ob es noch freie Plätze gibt. Auf der Facebookseite gibt es aber auch regelmäßig Infos, was sonst noch so im Park abgeht. Einiges nämlich!

Foto: Julia Haack aka juliahaack.de

Foto: Julia Haack aka juliahaack.de

Über den Skatepark North Brigade
Der Park wird privat betrieben, man bezahlt Eintritt. Ab 12 Jahren darf man selbstständig dort fahren. Anas, Lukas und das Team planen aber gerade eine Art Skateboard Führerschein, mit dem man nachweisen kann, dass man alleine und verantwortungsbewusst Skateboard fahren kann. Der Park hat jeden Tag auf, es sei denn, es regnet. Wenn Anas und Lukas Kurse geben, ist der Park nicht für andere Gäste zugänglich. Ansonsten sind neben Skatern auch BMX Fahrer und Blader willkommen. Zusammen mit der Abenteuerhalle Kalk gibt es verschiedene Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Sunrise Skaten. Die Schnupperkurse dauern 90 Minuten und kosten zwanzig Euro. Die anschließenden All Levels Kurse bestehen aus vier Einheiten je zwei Stunden und kosten 85 Euro.

Nächste Kurs/Camp-Termine 2016
All Levels Block 1 I SA 24.09.2016 & SA 01.10.2016 jeweils 9:00 bis 11:00 Uhr 45 €
All Levels Block 2 I SA 24.09.2016 & SA 01.10.2016 jeweils 11:30 bis 13:30 Uhr 45 €
Herbstcamp I 10.10. – 13.10.2016 (4 Tage) jeweils 10:00 bis 14:00 Uhr 140 €

Eure Charlotte & Athenea