Sneakerness 2015 / X-Post

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Florian Yeh / www.florianyeh.com

Wer letztes Wochenende in der Nähe der X-Post unterwegs war, dann wahrscheinlich, um das "Wow" an den Füßen zu feiern. Denn haufenweise Sneakerfans pilgerten da zur Sneakerness, der größten Messe in Europa für coole Schuhe. Schon auf dem Weg zur Messelocation fallen sie durch ihre teilweise bunten, teilweise abgefahrenen oder extrem gut gepflegten Sneaker auf. Die klassischen abgeranzten Chucks sieht man irgendwie nicht.

Auffällig oft gucken heute die Jungs zu uns rüber. Ich freu mich schon, anscheinend hat das Make-Up mal wieder Wunder getan und man sieht mir die wenigen Schlafstunden nicht an. Hin und wieder fallen auch Kommentare, in allen Sprachen. „Nice“ hört man und „Wow, cool.“ Jetzt übertreibt ihr es aber, Jungs. Ich fühl mich ja echt geschmeichelt, aber Samstagmittag, alle nüchtern, was geht ab?

Und dann checke ich, was hier gerade wirklich passiert. Nicht ich bin gemeint. Es sind Flos Schuhe, die sämtliche Kommentare und Komplimente einheimsen. Denn Flo trägt nicht irgendeinen Sneaker, sondern den, den Kanye West berühmt gemacht hat: Den Yeezy boost von adidas. Später auf der Messe werden wir den Schuh zu Preisen sehen, zu denen andere in den Urlaub fahren: 600 Euro legt man hier wohl mindestens dafür hin. An einem Stand ist der Schuh sogar in Frischhaltefolie gepackt, damit kein Fettfleck oder sonstiger Schmutz das Gold, äh den Schuh, berührt. Eine kurioser Anblick, der hier aber nicht nur geduldet, sondern absolut nachvollzogen wird.

In den letzten Jahren ist die Sneakerness zu einer der wichtigsten Schuhmessen in Europa geworden. Als kleine Idee angefangen, ist sie mittlerweile der Place to be, wenns um Sneaker aller Arten geht: Raritäten, ausgefallene Designs, limitierte Editionen und Vintage Modelle, deren Preise gefühlt ins Unermessliche steigen. Wir sprechen mit Robert Martinovic vom Sneakerstore asphaltgold. Vor einer Wand mit den ältesten Schuhen zeigt er uns den Nike Cascada, der 1980 rauskam und mit zu den Oldies in der Szene gehört. Er selbst hat auch schon mal 600 Euro für einen Turnschuh hingelegt: „Für den Nike Studio 54“, erzählt er uns. Ein Treter, der exklusiv für den Club in Paris gefertigt wurde und wegen seiner glatten und an eine Discokugel erinnernde Sohle ein perfekter Tanzschuh ist. Später wurde der Schuh auch bekannt, weil Mr. T ihn in der Serie Das A-Team trug.

Wer Lust auf Turnschuhe hat, ist hier goldrichtig. Private Händler, Sammler und Vertreter von ganz großen Marken fahren auf der Messe richtig auf. Auch wenn man sich erst mal ein wenig verloren vorkommt im Dschungel der Schuhe. Das scheint aber nur mir so zu gehen. Flo läuft mit leuchtenden Augen über die Messe und gibt mir einen Schnellkurs in Sneaker-Science. Dabei wirft er mit Namen um sich bei denen ich mich frage, ob wir noch von Schuhen reden oder von geheimen NASA-Forschungsprojekten. Aber dann landen wir beim Stand von 43einhalb und hey, hier wird nach einer Logik gehandelt, die mir gefällt: „Ich geb Dir die Tasse da für zwei Euro weniger, wenn du dafür nen Schnaps mit mir trinkst.“ Gesagt, getan und ja ich kaufe mir auf einer der coolsten Messen dieses Jahres eine Tasse.

Was um die Schuhe herum passiert, ist dabei mindestens genauso spannend. So bleiben wir am Stand von Sascha Schäfer hängen, der mit seinem Friseurladen Der Scheitel das Happening ergänzt. Bartfreunde kriegen hier umsonst einen Schnäuzer verpasst und können die Movember Foundation unterstützen – Eine Organisation, die vor allem im November den Zauber der Barthaare nutzt, um das Bewusstsein für Männergesundheit zu stärken.

Die Live-Auktionen, bei denen Schuhe versteigert werden, die dann – von weißen Samthandschuhen getragen – in strahlende Gesichter übergeben werden sind auch sehr sehenswert. Auch wenn man uns Mädels nachsagt, dass wir einen Schuhtick haben, hier sind es definitiv die Jungs, bei denen die Gefühle durchgehen. Sie können das nur etwas cooler rüberbringen, was vielleicht auch am Oldschool HipHop liegt, der hier durchgehend läuft.

Bevor wir das Sneakerparadies verlassen, genehmige ich mir noch den teuersten Schuh auf der Messe, den wir auf Anhieb finden können: Tausend Euro kostet der. Ehrfürchtig halte ich das gute Stück fünf Sekunden in den Händen. Danach holt mich die Realität wieder ein, ich gebe den Schuh schnell wieder ab und bekomme im Gegenzug einen Auf-Wiedersehen-Schnaps.

Eure Lotte & Euer Florian