Tante Olga: Auf Einkaufstour in Kölns Unverpackt-Laden

Text: Julia Troesser & Fotos: Simon Hariman

Nach einem Besuch bei Tante Olga sieht man die Welt mit anderen Augen. Die eigene Wohnung, das Lieblingscafé, das altbekannte Veedel – plötzlich ist alles voller Verpackungen. Und damit voller Müll. Bei Tante Olga ist das anders. „Es ist Kölns erster Unverpackt-Laden“, erklärt uns Namensgeberin Olga, die den Shop in Sülz gemeinsam mit Gregor und Dinah liebevoll eingerichtet hat und ihn jetzt voller Leidenschaft betreibt.

Uns geht es um Müllvermeidung. Es gibt überall so viele sinnlose Verpackungen, die weggeworfen werden – das wollen wir ändern.
— Olga

An einer langen Wand können Kunden sich Haferflocken, Nudeln, Reis oder Linsen aus großen Säulen in ihre Gläser, Becher und Beutel füllen. In der Mitte des Raumes steht eine Theke voll handbeschriebener Gewürzdosen mit kleinen Schaufeln davor. Im Fenster warten große Gläser mit verschiedenen Schokoladenkreationen, schräg daneben thront die Maschine für Kaffee, den es hier auch zum Mitnehmen gibt – aber natürlich nicht aus Wegwerfbechern.

Wir haben den Laden auch aus Eigennutz eröffnet“

Olga ist eigentlich Architektin, hat ihren alten Job aber aufgegeben, um sich ganz der Müllvermeidung zu widmen. „Seit vier Jahren blogge ich zu dem Thema und lebe danach. Aber bei Lebensmitteln war es nicht möglich, verpackungsfrei zu leben. Wir haben den Laden auch aus Eigennutz eröffnet.“ Die drei Köpfe hinter dem Konzept sind nicht die einzigen Kölner, die mit gutem Gewissen einkaufen wollen. Als wir das Geschäft betreten, ist es gut gefüllt. Und das, obwohl das Ecklokal an der Berrenrather Straße nicht unbedingt im Zentrum des Veedels liegt. Wer hier einkauft, kommt meist gezielt her. Aus ganz Köln, oft auch aus dem Umland.

Ich will herausfinden, wie sich ein Einkauf bei Tante Olga anfühlt und habe ein leeres Glas von zuhause mitgebracht. Mein Ziel: Haferflocken kaufen – ganz ohne Müll. In einer Ecke des Ladens wiege ich mein Glas und notiere das Gewicht auf einem Zettel. (Man könnte sich auch das kleine Stück Papier sparen und den Behälter selbst beschriften, aber das wusste ich noch nicht, als ich extra ein schönes Glas eingesteckt hatte ...) Ich zapfe meine Bio-Haferflocken, an der Kasse wird das notierte Gewicht abgezogen und der Preis berechnet: 66 Cent. Es war zugegebenermaßen ein kleines Glas – aber ich hätte mehr erwartet.

„Preislich liegen wir etwa auf dem Niveau der Bioläden hier in der Umgebung“, erzählt Olga. „Wir haben keine günstige Hausmarke, sondern führen nur Markenprodukte. Ob man die bei uns oder in einem anderen Laden kauft, sie kosten das Gleiche.“ Nur, dass nach diesem Einkauf der Müllberg kleiner ist. Und das Gewissen besser.

Ein Laden, in dem man ins Gespräch kommt

Ein Besuch bei Tante Olga hat aber nicht nur den Zweck, später mit vollen Taschen nach Hause zu gehen. „Wir führen keinen Supermarkt, sondern einen Laden, in dem man ins Gespräch kommt“, sagt Olga begeistert.

Wir tauschen uns hier über Gott und die Welt aus, natürlich auch über Müllvermeidung, Weltrettung und all den Kram.
— Olga

Zu Tante Olgas Gemeinschaftskonzept gehört auch ein Korb mit alten leeren Gläsern: von Kunden für Kunden. Wer keine eigenen Gefäße mitgebracht hat und keine aus dem großen Sortiment vor Ort kaufen will, kann sich bedienen. Auch der Laden selbst ist nur durch gegenseitige Unterstützung entstanden. Olgas Team hat per Crowdfunding 50.000 Euro eingesammelt – und damit das ursprüngliche Ziel noch übertroffen.

„Zero Waste“, also überhaupt kein Müll: Olga und ihre Mitstreiter wissen, dass dieser Lebensstil eine Utopie ist. „Natürlich müssen auch wir manchmal Dinge wegwerfen“, gibt Olga zu. „Aber im Verhältnis zu andere Leuten ist es verdammt wenig.“ Dabei geht es nicht nur um die Verpackungen von Lebensmitteln, sondern auch um andere Produkte des täglichen Lebens. Deshalb liegen in Tante Olgas Non-Food-Regal unter anderem Zahnseideröllchen in Glasbehältern oder Haarshampoo in Seifenform.

Coffee-to-go-Becher und Brötchentüten: „Einfach nur unnötig!“

Erst beim Blick auf all diese Dinge fällt auf, wie viel wir wirklich in Verpackungen kaufen. Wie viel wir ständig wegwerfen. Und wie viel davon vielleicht vermeidbar wäre. Olgas Begeisterung ist ansteckend – genau wie ihre Wut über die 320.000 Coffee-to-go-Becher, die pro Stunde in Deutschland weggeworfen werfen. Oder über Brötchentüten, die zwar aus Papier sind, aber auch nach einmaliger Benutzung im Müll landen. „Einfach nur unnötig!“ Überzeugt: Ich kaufe mir für 2,90 Euro einen kleinen blauweißen Stoffbeutel, am nächsten Tag beim Veedelsbäcker werden die Brötchen einfach über die Theke gereicht. Ich gebe zu: Die Frage danach kostet einen kurzen Moment Überwindung – aber ich bin froh, später eine Tüte weniger in meine sowieso immer viel zu volle Altpapier-Kiste werfen.

Auch wenn sich das gut anfühlt: Von einem müllfreien Leben bin ich damit noch unfassbar weit entfernt, die Welt habe ich so mit Sicherheit nicht gerettet. Aber vielleicht leiste ich einen ganz kleinen Beitrag dazu. Dem Tante-Olga-Laden sei Dank.

Tante Olga
Berrenrather Straße 406
50937 Köln
www.facebook.com/tanteolgakoeln

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag 11 bis 19 Uhr
Samstag 10 bis 15 Uhr

Eure Julia & Euer Simon