c/o pop 2015 Konzertimpressionen

Text: Vera Hausmann & Fotos: Nathan Ishar / pramudiya.com

Wir lieben die c/o pop und konnten es gar nicht mehr erwarten. Zuerst geht es Donnerstags zu Tom Odell in die Kölner Philharmonie. Es ist 20 Uhr, kurz vor Konzertbeginn und ich muss ehrlich gestehen, es ist mein erstes Konzert in der Philharmonie. Ja ja, ich bin Kölnerin, war gefühlt hunderte Male auf dem Dom, kenne jede Ecke Kölns und Kultur ist kein Fremdwörter für mich. Nur in der Philharmonie war ich eben noch nicht. Die hatte ich ausgelassen. Für den besonderen Moment. Und jetzt ist er da. Und Nathan begleitet mich.

Schilder im Eingangsbereich warnen davor, seine Sitznachbarn im Saal möglicherweise zu stören, wenn man mal husten muss. Es wird dazu geraten Bonbons mit sich zu führen. Nach einem wirklich sympathischen Gespräch mit der Hausdame gebe ich gezwungenermaßen meinen Rucksack an der Garderobe ab und betrete den Konzertsaal. Ihr könnt euch nun ungefähr vorstellen, wie steif die Atmosphäre ist.

Erst herrscht ein buntes Treiben, doch als die Hintergrundmusik ausgeht kehrt plötzlich extreme Ruhe ein, alle Zuschauer sitzen. Getränke sind im Konzertsaal nicht erlaubt, niemand raucht. Tom betritt die Bühne, mit 2 Sängerinnen, Gitarrist, Bassist und Drummer. Die Musik setzt ein.

Die ersten drei Songs spielt Tom mit Hingabe. Dann begrüßt er das Publikum. Die schönste Location, in der er je gespielt hat. Ein Kompliment das schmeichelt. Wahrscheinlich auch die außergewöhnlichste Location. Wo hat man schon mal die Möglichkeit vor einem sitzenden Publikum zu spielen, welches, gezwungenermaßen altmodischen Anstand bewahrt und sich im Sitz zurücklehnt und das Konzert genießt. Man fühlt sich in die Vergangenheit versetzt. Tom gibt zu, dass ihn die Situation ein wenig einschüchtert. Die perfekte Akustik gepaart mit der Ruhe lassen auch kleinste Patzer größer erscheinen. Darauf erst mal einen Whiskey – ein Geschenk eines Fans. Tom hat beste Laune, ist zu Späßen aufgelegt. In die Stille hinein ruft er "Shhhhhhhhh" und sagt, er möchte kein Husten mehr hören. Eine Anspielung auf die Schilder, die überall aushängen. Alles lacht.

Erst beim vorletzten Song - „Another Love“ steht das Publikum wie hypnotisiert auf. Man spürt die Erleichterung Vieler, sich endlich frei bewegen zu können. Tom wirft seinen Mikrofonständer zur Seite, stößt den Klavierhocker um. Einige Mädels aus den Zuschauerreihen tanzen in den Gängen. Ein elektrisierender Moment. Die Zeit steht still. Noch zwei Songs, dann ist es schon vorbei. Ein abruptes Ende. Ein außergewöhnlich gutes Konzert.


Zum ausverkauften c/o pop Closing Sonntag Abend spielt William Fitzsimmons im Gloria. Es ist der letzte Abend seiner Europa Tour und er ist extrem gut drauf. Generell ist er ein Typ, der sich gern zwischen die Leute mischt, total locker und bodenständig. Während seines gefühlt 2-stündigen Konzerts lacht er viel über sich selber, verknotet Gitarrenkabel und kommentiert lachend: "I told you it's gonna be a rock show, guys!" Zwischendurch covert er Katy Perry mit "I kissed a girl" und die Backstreet Boys mit "I want it that way". Erstaunlicherweise trifft er mit den Backstreet Boys einen sensiblen Nerv. Gefühlt singt das gesamte, relativ junge, weibliche Publikum mit. Noch lauter als er selbst. Durch Kommentare wie "Thanks I wrote that song", auch bei den Covern, bringt er die Leute zum Lachen. Er nimmt sich selbst nicht wirklich ernst und das macht ihn so sympathisch.

Sentimental wird es als er zwei Songs seiner vor einem Jahr verstorbenen Oma "Virginia" widmet. Obwohl sie keine gute Musikerin war, war Singen ihre große Leidenschaft. William findet, man sollte sich immer wieder bewusst werden wo man herkommt und wo man hin will. Das gibt auch ihm die Erdung, die er braucht.

Die Atmosphäre ist sehr friedvoll. Was bei Tom Odell der Location geschuldet war, passiert im Gloria von ganz allein. Vorne rechts von der Bühne setzen sich einige Mädels sogar auf den Boden und lauschen der Musik.

Nachdem die Band die Bühne das erste Mal verlässt um sie nach wenigen Sekunden wieder zu betreten, passiert etwas Unerwartetes. William plus Band gehen durch die Menge hindurch in die Mitte des Publikums und setzen dort ihr Konzert fort. William möchte, dass alle ganz nahe kommen und sagt: "Nobody touches us though unless you are pretty." Schmunzeln. So spielt er noch einige weitere Songs. Er hat eine sehr beruhigende Ausstrahlung und überträgt seine innere Gelassenheit auf das Publikum – alle wirken glücklich und zufrieden.

Ein Abschluss, wie er für die diesjährige c/o pop 2015 nicht besser hätte sein können. Wir sind nächstes Jahr auf jeden Fall wieder dabei.

Eure Vera & Euer Nathan