WAKE THE LINE MIT WE ARE CITY

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Leni Wolf

Nicht nur die Hitze der Sonne brachte das Publikum im Stadionbad Köln zum kochen, überhaupt war das ein spannungstechnisch heißes Event, das das Team von Wake the Line zusammen mit UNIT Parktech letztes Wochenende, am Sonntag, dem 28.08., nach zweijähriger Pause an den Start brachte.

Wie sehnsüchtig die über 10.000 Wakeboard-Fans aus Köln und dem gesamten Umland diese Veranstaltung herbeisehnten, merkte man bereits an den euphorisch strahlenden Gesichtern, die sich in langen Schlangen am Einlass formierten, aber natürlich auch an den traurig verzweifelten Gesichtern derjenigen, die am Veranstaltungsort feststellten mussten, dass das Event längst „sold out“ war. Dieses Interesse ließ meine eigene Vorfreude noch steigen. Mit WE ARE CITY bekam ich jetzt Gelegenheit dazu, für einen Tag all diese Euphorie und Adrenalinschübe der Wettkampfsituation des Wakeboardens hautnah selbst spüren zu können.

Beim Betreten der Anlage fiel mein Blick zunächst auf das zentrale Wasserbecken, welches durch diverse über die Wasseroberfläche herausragende Hindernisse einen technisch höchst anspruchsvollen Wakeboarding- und Wakeskating-Kurs bildete, welcher sich auf drei Teil-Pools olympischer Anforderungsgröße erstreckte. Hieraus konnte man bereits den hohen sportiven Anspruch der Veranstaltung ablesen; es gingen 16 der 26 weltbesten Wakeboarder an den Start, die beim Publikum eine ausreichend große Fanbase hatten, um im Vorfeld von diesem online zum Start nominiert zu werden.

Für Nico von Lerchenfeld (23), einen Wake the Line-Experten und Wakeboardfahrer, der seit 2008 noch auf jedem Event hier gestartet ist, macht besonders die Schnelligkeit der Durchläufe, dh. die Bewältigung relativ vieler Hindernisse auf kurzer Distanz, die Herausforderung und den Anspruch der Strecke aus. Chancengleichheit unter den Fahrern sei dadurch gewährleistet, weil jeder Fahrer im Vorfeld die gleichen zwei Trainingsläufe absolviere, um sich mit den Hindernissen vertraut zu machen. Das sei zwar nicht gerade viel Zeit, ergänzt er lachend, aber es seien ohnehin nur Profis am Start, die gerade diese Herausforderung und den Nervenkitzel suchten.

Preisgelder von insgesamt 40.000 € sind natürlich ein weiterer Anreiz für Wakeskater und Wakeboarder, sich diesem Wettkampf zu stellen. Ob man allein von Preisgeldern als Fahrer leben könne, frage ich Nico. In Deutschland sei das, z.B. im Vergleich zu amerikanischen Gegebenheiten, eher nicht möglich, stellt er fest, und betont in diesem Zusammenhang die notwendige Rolle von Sponsoren, die in dieser Nischensportart von existentieller Bedeutung für die Sportler seien. Nico von Lerchenfeld weiß, wovon er spricht, ist er bis heute gar der einzige deutsche Fahrer, der sein eigenes internationales Wakeboard-Pro-Modell bekommen hat. Gerade Nicos Board ist besonders attraktiv künstlerisch gestaltet. Hierfür ist seine langjährige Partnerin Nane verantwortlich, die Künstlerin ist und zusammen mit Nico nicht nur Wakeboards, auch Helme oder gar ganze Wände und Hindernisse für die Sportart gestaltet, zuletzt eine besondere Hindernis-Wand innerhalb Nicos Heim-Trainingsanlage, der Wakeboardanlage Langenfeld.

Nanes Artwork ist aber nicht nur auf dem Equipment, auch als großer Druck auf der Wellenrutsche des Stadionbades bei der Wake the Line-Veranstaltung zu sehen, auf Stickern, die sich schon das halbe Wakeboard-Team unter den Nagel gerissen hat, sowie in einer aktuellen Ausstellung ihrer künstlerischen Arbeit im Sixpack, Köln. Eines ihrer dort ausgestellten Bilder hat besonderen Bezug zur gemeinsamen Geschichte von Nico und ihr. Es ist mit „Believe in You“ untertitelt und wurde von ihr für ihn vor ein paar Jahren als Motivation für den Wake the Line-Contest gemalt, den er damals nach einer schweren Knieverletzung unter schwierigsten Bedingungen dennoch erfolgreich bestritt. Die Kraft, die Nane ihm ganz persönlich gibt sowie die Stärkung und die Fairness, wie sie allgemein von der ganzen „Wakeboard-Family“ empfunden wird, lässt ihn auch dieses Jahr weit kommen, sehr weit sogar, er belegt Platz 3 auf dem Treppchen des Wakeboard-Contests 2016. Raph Derome machte den 2. Platz, Daniel Grant gewann Platz 1. Letzterer ist ein besonders herausragender Typ, 18 Jahre alt, in Thailand lebend, ein Hausschwein namens „Bacon“ mit eigenem Instagramm-Account besitzend, der zusätzlich sogar in der zweiten Disziplin, dem Wake-Skaten, an den Start ging und diesen Wettkampf, unglaublicher Weise, zusätzlich für sich entschied. Auf Platz 2 des Podiums gelangte Austin Pastura, den 3. Platz belegte Andy Kolb.

Auch wenn es bislang so aussehen sollte, ist Wakeboarden längst nicht nur was für Jungs. Dies betont auch Cedrik Schmidt, der selbst seit 6 Jahren Wakeboard-Fahrer und Trainer in Marburg ist. 60:40 schätzt er die Jungs-Mädchenverteilung der Sportart generell ein. Er kennt sich besonders beim Wakeboarden als Verbandssportart aus und wünscht sich, wie so viele der Fahrer, dass die Sportart weiter an Ansehen gewinnt und 2020 endlich olympisch wird, was für die Zukunft generell nicht ganz unwahrscheinlich scheint. Eine besonders gelungener Run beim Wakeboard-Contest setzt sich aus Präzision in der Ausführung der Tricks, im Variationsreichtum der Art von möglichst anspruchsvollen Figuren sowie durch Abwechslung in der Drehrichtung zusammen, erklärt mir Cedrik.

Dieses ganze Knowhow hat eine bemerkenswerte Frau besonders drauf: Julia Rick (23) ist gebürtige Kölnerin, einstige Profi-Fußballerin des 1. FC Kölns, hat sich nun aber ganz und gar ihrer Lieblingssportart Wakeboarden verschrieben. Sie ist durchaus eine Besonderheit. Als einzige weibliche Wakeboarderin wurde sie vom Publikum zum Antritt beim Wake the Line-Contest nominiert, was einen riesigen Presse- und Medienrummel um sie erzeugte, den sie aber fröhlich und verschmitzt grinsend, locker hinnimmt und mit Feuereifer von ihrer Liebe zur Sportart erzählt. Was man alles erreichen kann, wenn man will, zeigt ihr sportlicher Werdegang: Niemand in ihrer Familie war zunächst mit dieser Sportart vertraut, sie selbst fuhr weder Snow- noch Skateboard als Vorerfahrung. Einzig eine aus Spaß in der Freizeit entstandene Wakeboard-Nutzung auf dem Bleibtreusee bildete den Startschuss ihrer Karriere und ließ sie seitdem nicht mehr los. Mutig, neugierig und engagiert ist sie auch in anderer Hinsicht: Viele gezeigte Tricks, die sie fährt, hat sie als erstes Mädchen überhaupt geschafft. Man muss etwas riskieren, Willen haben und Kraft aufwenden, dann könne man ebenso bei den männlichen Fahrern mithalten, was sie mit Bravour in eigenen Läufen zeigt.

Alles in allem bin ich nachhaltig beeindruckt von diesem Tag voller neuer Eindrücke, was die Sportart Wakeboarden bzw. Wakeskaten angeht, von den überaus sympathischen Fahrern und Fahrerinnen, die einander sportlich alles gönnen und zugleich zusammen Spaß haben können. Viel Erfolg bei allen euren Zielen – WAKE THE CITY auch in Zukunft wünscht WE ARE CITY

Eure Steffi & Eure Leni