Vorhang auf für die BAR ZWEI in Ehrenfeld

Text: Steffi Kutsch & Fotos: Athenea Diapoulis

Die Show beginnt. Ein schwerer Stoffvorhang im Eingangsbereich der Bar öffnet sich und gibt den Blick frei auf den strahlenden Besitzer des gerade eröffneten neuen „Bar-Juwels“ in Ehrenfeld, der BAR ZWEI auf der Venloer Str. 437. Einladend bittet mich Tobias Mintert in den vorderen Bereich, wo wir uns zum Gespräch auf zwei dunkelbraune, formschön gebogene Holzstühle niederlassen, beide mit einer bei den sommerlichen Temperaturen herrlich erfrischenden Weinschorle in der Hand in der die Eiswürfel nur so klirren.

Mein Blick schweift durch den Raum. Edel wirkt die neue Bar. Dunkelgraue, satte Wände sind die Kulisse für liebevoll ausgesuchtes Interieur, wie die ledergepolsterten, minimalistischen Barhocker aus schwarzem Metallgestänge, die den Tresen säumen, auch die einladenden, kleinen Holztischchen, die im gesamten Raum verteilt sind und ihn dadurch strukturieren. Darüber hinaus nimmt man wundervoll frische Blumenbouquets, zumeist natürliche Feldwiesensträuße in gläsernen Vasen wahr, die ihrerseits Schmuckstücke darstellen. Dazu ziehen sich schwarzgoldene Metallstreifen, z.T. in den Tresen eingelassen und sich an anderer Stelle im Mauerwerk wiederholend, sogar als „Lichtstreifen“ wiederauftauchend, durch den gesamten Raum.

Plötzlich entdeckt man hier und da noch weitere herausragende Designobjekte, die der Besitzer auf Flohmärkten, zumeist in Belgien, liebevoll zusammengesucht hat und die jetzt wundervoller Blickfang für das Barpublikum sind. Es findet sich darunter z.B. eine hübsche, altgoldene Ananas auf kleinem Marmorsockel. Sie ist gekonnt zwischen diversen Glasflakons verschiedener Größe und Farbigkeit vor einer riesigen Spiegelfläche im Barbereich platziert, die angenehm ausgeleuchtet ist. Auf dem Bartresen gibt es eine große Schale bunter Früchte und frische Kräuter, die einladend duften.

Vor zehn Jahren hatte Tobias Mintert die BARRACUDA BAR im Belgischen Viertel übernommen, die er zuvor schon länger führte und die liebevoll „Barra“ genannt wird. Stets war es ihm ein besonderes Anliegen, unter allen baulichen Vorgaben, die existierten, das absolut Beste aus „seinem Laden“ herauszuholen.

Aus besonderen Entwicklungs-Ansprüchen an sich selbst, machte er sich irgendwann auf die Suche nach einer neuen perfekten Lage und dem Platz eines Grundstückes, um seine zweite Bar (vgl. Name „BAR ZWEI“) zu finden und diese gestalten zu können. Das sollte im Stile und in Anlehnung an „alte Bartraditionen“ geschehen und mit dem Bemühen erfolgen diese aufleben zu lassen.

Es soll damit allem „Schönen“ ein Raum, eine Bühne gegeben werden!

Musikalisch sind angenehme Klänge im Hintergrund unseres Gespräches zu vernehmen. Ich wippe fröhlich-entspannt mit dem Fuß mit. Die Stilrichtung der gewählten Musik ist nicht festgelegt, egal ob Jazz, Swing, Soul oder auch Electro, angenehm hörbar soll sie sein, so Mintert. Er gehe da einfach von seinem eigenen Geschmack aus. Dieser kommt auch an weiterer Stelle zum Tragen. Der Grund für die Bargründung sei für ihn gewesen, dass ihm solch ein Ambiente im Veedel, in dem er selbst wohne, zuvor noch gefehlt hätte. Dass ihm das hier mit viel Liebe, Mühe und Schweiß und nach langer Umbau- und Sanierungsphase denkbar gelungen ist, merkt man an der wohlwollenden Reaktion der Passanten, die ihm im Vorbeigehen oftmals munter ein „Schön gemacht!“ durch das geöffnete große Fenster der Außenfassade zurufen, das bei sommerlichen Temperaturen angenehm Luft in den Barraum strömen lässt und von drinnen wiederum den Blick auf das pulsierende Leben Ehrenfelds freigibt.

Als Merkmal der Wertschätzung, speziell natürlicher Produkte, zeigt sich das nachhaltige Interesse, die Akribie Minterts mit der er sich den ausgeschenkten, hochwertigen Alkoholika und ihrer Präsentation und Weiterentwicklung widmet. Er absolvierte mehrere Barschulungen und nutzt sein Wissen seither virtuos, um trendige, natürliche und besonders leckere Cocktails und Longdrinks zu kreieren.

Ich möchte mich weit weg bewegen von der Zeit als Cocktails zu mixen nur das Zusammenschütten weniger künstlich-bunter, zuckriger Zutaten hieß!
— Tobias Mintert

Um diesem „Versprechen“ direkt Taten folgen zu lassen, fragt er mich sogleich, was ich denn gerne probieren wolle. Ob einen „New York Sour“ oder „Sazerac“, wobei er sich, noch während ich über diese wohlklingenden Namen nachdenke, lässig zur Bar schlendert und mir in den nächsten 5-7 Minuten mit Liebe und der Sorgfalt zahlreicher Arbeitsschritte, unter Verwendung pürierter Himbeeren, gezupftem Thymian, einem großen Eiskubus im Wiskeyglas und hervorragend gemixter weiterer alkoholischer Bestandteile ein wundervolles Getränkekunstwerk über die Theke reicht, was zum sofortigen Genuss einlädt. Während ich die Getränkekarte dazu studiere, fallen mir weitere Köstlichkeiten in den Blick: Ein „Wiskey Sour“, bei dem Süße und Säure ganz ausgewogen harmonieren, ein „Ginger Sour“, überraschend auch mit hervorragendem Rotwein verfeinert, Eiweißhauben, flambierter Orangenschalenabrieb, was nicht nur dekorativ aussieht, sondern auch durch Geruch und Geschmack alle Sinne betört.

„Ich stehe auf gutes, ehrliches Handwerk!“, sagt Tobias Mintert noch, während er sich die Hände grinsend an einem bereitgelegten Bartuch abstreift. Deshalb habe ich auch die Figur hierhergestellt, meint er schmunzelnd, während er mit dem Kopf auf eine bronzene Plastik eines Männerkörpers deutet, die dekorativ und zentral im Flaschenregal steht. Ein Arbeiter ist da augenscheinlich dargestellt, der mit Spitzhacke ausgerüstet und im Schwung des Ausholens begriffen, wohlmöglich in irgendeinem Stollen hartes Gestein abbaut. – Bodenständig wie Tobias Mintert selbst, der trotz wundervoll chicer Barkulisse und gediegener Atmosphäre genauso für ein frisch gezapftes und keineswegs überteuertes Bier zu haben ist.

Dieser elegante Brückenschlag gelingt ihm mit Leichtigkeit! Ich fühle mich sowohl in einer mondänen, hippen Bar, in der man sich, wie auf einer Art Bühne zeigt und unter das trendige Publikum mischt als auch in einem intimen Wohnzimmer, in dem man sich mit engsten Freunden trifft, gemütlich an eines der bereitstehenden Tischchen setzt, um die Arbeitswoche zu besprechen oder den neusten Klatsch auszutauschen. - Dieses alles hat und kann meine neue Lieblingsbar, deshalb ist die BAR ZWEI ab sofort meine persönliche NUMMER EINS!

BAR ZWEI
Venloer Str. 437
50825 Köln

Eure Steffi & Athenea