Impressionen: Zusammen Leuchten Festival von Rausgegangen

Text: Elena Braun & Gastfotograf: Mario Bücker aka bilderblitz.koeln

Wie wäre das, wenn dir jemand eine Party schmeißt, zu der richtig talentierte Bands anreisen und du nicht nur Kuchen kriegst, sondern es auch noch viele andere leckere Sachen zu essen gibt? Und weil Wahrheit oder Pflicht als Partyspiel wirklich ausgedient hat, gibt es interessante Sachen zum Ausprobieren, wie Graffiti, Yoga oder Cajon. Und weil die Party so gut ist, kommen etwa 2.000 Leute vorbei, die alle so ähnlich ticken wie du selbst.

Genau so hat es sich beim Zusammen Leuchten Festival von Rausgegangen angefühlt, das am 27. Mai auf dem Gelände von Die Halle Tor 2 stattfand.

Wenn ihr die App von Rausgegangen nutzt, kennt ihr die Benachrichtigungen von Tim und Corinna, die euch ihre Empfehlungen des Tages zeigen. Die beiden haben das Zusammen Leuchten Festival gemeinsam mit ihrem Team im letzten halben Jahr mit viel Herzblut und Detailarbeit vorbereitet – neben der Arbeit an der App.

Tim erzählt mir mit leuchtenden Augen: „Uns geht es hier auf dem Festival vor allem ums Entdecken – dass man mal was sieht, was man sonst nie gefunden hätte. Wir empfehlen jeden Tag tolle Veranstaltungen und haben dadurch einen guten Überblick. Da spielen Musiker vor 30 Leuten und wir finden die aber so geil, dass wir sie auch einem größeren Publikum zeigen wollen.“ Vor einem Jahr hat sich die Rausgegangen Crew dann zum ersten Mal an ihr eigenes Festival gewagt, mit etwa 400 Leuten in einer kleineren Location.

Für dieses Jahr haben sie sich einen ganz besonderen Ort in Müngersdorf ausgesucht. Zwei Backsteingebäude mit großen Hofflächen wurden mit liebevoller Deko in magische Festivalareas mit Namen wie „Einhornstall“ und „Sonnendeck“ verwandelt. Durch eine geschickte Aufteilung haben sich sieben Locations ergeben, an denen wir von 12 Uhr mittags bis in die frühen Morgenstunden auf Entdeckungsreise gehen konnten. Zum Teil gingen die Programmpunkte fließend ineinander über – einmal nach dem Konzert umgedreht, stand man schon vor der nächsten Performance. So konnte man sich perfekt durch den ganzen Tag treiben lassen oder nach dem Programm gezielt etwas ansteuern.

Zum Poetry Slam in der „Wortschmiede“ wäre ich vielleicht nicht reingestolpert, denn auch wenn der Raum durch alte Bücher und Zeitungen an der Decke richtig atmosphärisch wurde – bei den Temperaturen war er auch sehr warm. Aber dort hinzugehen stellte sich als sehr gute Idee heraus: Die Slammer waren perfekt aufeinander abgestimmt und hatten mit ihren rhythmischen Texten alle einen Bezug zum Rap, was spätestens klar wurde, als August Klar zu beatboxen anfing! Slam-Moderator Quichotte hatte noch einen zweiten musikalischen Auftritt auf dem Festival und lieferte mit seinem Freestyle einfach nur ab.

Mit dem abwechslungsreichen Programm ist den Organisatoren eine Punktlandung auf das Ziel des Entdeckens gelungen. Wir haben uns in neue Bands schockverliebt – insbesondere in The Trouble Notes, die die Menge nur mit Geige, Cajon und Gitarre zum Tanzen gebracht haben. Und auch das tolle Ensemble von RasgaRasga um die begabte Sängerin Franziska. Wir haben einen Vorgeschmack auf das neue Kölner Kurzfilmfestival Summer Shorts bekommen und wir durften bei den Performances ganz neue Erfahrungen machen. Als wir uns nach dem Tanz von Sonnentau unterhalten, bringt sich eine andere Besucherin ganz selbstverständlich, wie unter Freunden, in das Gespräch ein: „Die dargestellten Gefühle kann man gut nachempfinden – Liebe, Ablehnung, das muss man manchmal auch gar nicht verstehen, einfach nur fühlen.“ Und das ist, was bleibt:

Ein gutes Gefühl, ein echtes inneres Leuchten.

Aber bei einer so großen Veranstaltung kann gar nicht alles ganz glatt laufen. Semor, Leiter des Graffitiworkshops, war etwas unglücklich darüber, dass er mit 30 Leinwänden ausgestattet war. „Da habe ich in den Teilnehmern gesagt, dass sie sich in kleine Gruppen aufteilen und gemeinsam arbeiten müssen. Das hat dann auch sehr gut funktioniert.“

Die Getränkepreise dagegen ließen sich nicht so einfach wegimprovisieren. Bei 30 Grad im Schatten 4,50 € für eine Limo zu bezahlen ist schon krass. Aber auch das konnten mir die Veranstalter erklären: Die wunderschöne Location kommt nur mit den Getränken – und damit auch mit den Preisen. Immerhin gab es Wasser ganz kostenlos zur Selbstbedienung.

Insgesamt war es ein mehr als gelungenes Event. Es war gerade angenehm gefüllt – keine Schlangen auf der Toilette aber die perfekte Menge zum gemeinsamen Tanzen – und ein wirklich tolles Erlebnis. Ich persönlich könnte mich ja daran gewöhnen, nur noch Festivals im Eintagesformat zu erleben: Einmal das Herz voll machen mit schönen Erinnerungen und dann schön unter die eigene Dusche und Bettdecke.

Zusammen Leuchten Festival 2018
26. Mai 2018

Eure Elena & Euer Mario