Antiquariat Langguth & Restaurierung Paulussen

Gastautorin: Laura Kölker & Fotos: Athenea Diapoulis

Gerade findet in Köln zum 18. Mal das internationale Literaturfest lit.COLOGNE statt. Noch bis zum 17. März gibt sich die Stadt ganz der Faszination für spannenden Thriller, dramatische Liebesgeschichten oder wunderbaren Stadtgedichten hin. Die schönsten Orte für Buchliebhaber in Köln haben wir hier für euch gesammelt und aufgeschrieben. Was aber passiert mit gebrauchten Büchern? Und wo kann man alte Werke finden, die vielleicht nur für extreme Buchliebhaber interessant sind? Genau, in einem Antiquariat, die gibt es tatsächlich noch! Ein solches findet sich in Nippes und wer mal wieder Lust hast, zwischen alten Büchern in einem beschaulichen Ladenlokal zu stöbern, der ist im Antiquariat Langguth definitiv gut aufgehoben.

Eine kleine Zauberwelt mit besonderer Atmosphäre

Schon vor dem Laden zieht das liebevoll und ästhetisch gestaltete Schaufenster die Blicke der Passanten auf sich, mit reduzierten Bücherschätzen und vollgestopften Holzkisten, die zum Stöbern verleiten und Lust auf mehr machen. Die alte Holztür geöffnet und ein paar Stufen heruntergetreten, wird der Besucher von einer besonnenen, höflich diskreten Buchhändlerin und vielen weiteren Bücherregalen, die dem Raum sofort eine angenehme Atmosphäre und Akustik verleihen, empfangen und befindet sich in einer kleinen Zauberwelt der alten Bücher.

Vor fünf Jahren eröffnete die gelernte Antiquarin Doreen Langguth ihr Geschäft auf der Auguststraße in Nippes und ging hiermit ihrem Wunsch nach, in der Tätigkeit als Buchhändlerin eigene Interessen umzusetzen sowie im direkten Kundenkontakt aktiver zu werden. Die Aufbereitung und der Versand antiquarischer Bücher, typische Aufgaben im Online-Handel, waren ihr schlichtweg zu langweilig.

Zuerst dachte ich mir: Nippes und Bücher – ich weiß gar nicht, ob das überhaupt so passt. Aber dann hat sich das irgendwie entwickelt.
— Doreen Langguth

Die inhaltlichen Schwerpunkte des Antiquariats gründen größtenteils auf Langguths eigenen Vorlieben. Schon als Kind habe sie sich in Bibliotheken verkrochen und fasziniert die Kunst- und Fotografiebände durchgeblättert, später dann auch gesammelt und sich nach und nach in diese Themen eingearbeitet. Mit der Zeit kam das Interesse für Kinderbücher hinzu, da sie die Illustrationen begeisterten und Kinderbücher immer großen Anklang bei Kunden und Sammlern fänden. Ein Blick zurück ins Schaufenster verrät: den momentanen Schwerpunkt des Antiquariats bilden Märchen. Den richtigen Mittelweg zu finden zwischen eigenen Schwerpunkten und Kundenwünschen sei eine der Herausforderungen des Buchhandels, so Langguth. Während ihrer Buchankäufe wäge sie somit stetig zwischen eigenen Interessen, wirtschaftlichem Denken und der Vorliebe fürs Ästhetische und Kuriose ab. Denn manche Bücher überzeugen schlichtweg durch schöne Einbände oder besonders skurrile Inhalte, wie das Kunstbuch mit dem Titel „Blödsinn“.

Ich versuche schon ausgewählt aus den Schwerpunkten Kunst, Fotografie, Illustration und auch Kinderbuch zu kaufen. Auf der anderen Seite muss man auch Offenheit zeigen. Wenn beispielsweise ein Sammler mit einer Napoleon-Bibliothek reinkommt, würde ich auch nicht nein sagen.
— Doreen Langguth

Kulturgut zum Anfassen

Die Bücher ihres Antiquariats stammen aus privater Hand, Bibliotheksauflösungen, Buchauktionen oder auch Trödelmarktkäufen. Relevant bei der Schätzung des Buchwertes sei hier vor allem der Inhalt, der Zustand und das Alter des Buches, aber auch zusätzliche Besonderheiten wie eine geringe Auflagenzahl oder Originalsignaturen und -grafiken. „Eigentlich ist gerade eine gute Zeit für den Buchankauf, da wir einen Generationenwechsel haben. Die alten Sammler sterben weg und die jungen Leute sind damit beschäftigt, die Bibliotheken aufzulösen", erklärt Doreen.

Neben einigen Schätzen – wie beispielsweise dem handsignierten Fotoband von Thomas Ruff oder der Domfibel, ein altes Kinderbuch von 1926 – kommt es Langguth vor allem darauf an, dass sie Bücher anbietet, die sich jeder leisten kann. Außerdem motiviert sie der Gedanke, dass sie durch ihre Arbeit als Antiquarin eine Art Kulturauftrag erfüllt und den Menschen das Erfahren von Kultur zugänglich macht. Sich für etwas zu begeistern und Wertschätzung zu entwickeln, klappt ihrer Meinung nach nur, wenn man, im Gegensatz dazu, dass alles online und digital verfügbar ist, die Dinge auch haptisch erfährt.

Vorne alte Bücher lesen, hinten kaputte Bücher restaurieren lassen

Während wir der Lebensgeschichte Doreen Langguths zuhören, arbeitet im hinteren Teil des Ladenlokals, einer kleinen Wertstatt, eine weitere Person, die dieses Denken und die Wertschätzung dem antiquarischen Buch gegenüber teilt: Buchrestauratorin Gerda Paulussen. Schon früh dem Gestalterischen verfallen, entschied sie sich zunächst für eine Buchbinderlehre bei der Stadt Köln und vertiefte ihre Kenntnisse, auch aufgrund ihrer Verbundenheit mit Italien, anschließend mit einem Restaurationsstudium in Florenz.

Das immer seltener werdende Berufsfeld der Buchrestauration ist von Auftragsarbeiten geprägt. Paulussen arbeitet für Kunden, die alte, beschädigte Bücher zu ihr bringen, damit diese wieder in einen benutzbaren Zustand gebracht werden. Der Restaurationsprozess ist dabei oft sehr kleinschrittig und zeitintensiv: Bücherrücken müssen entfernt, neue Ledereinsätze geschärft und befeuchtet, Übergänge mit farblich abgestimmten Leinen verklebt, eventuelle Farbunterschiede mit Lederfarbe ausgeglichen und zuletzt der alte Buchrücken wieder aufgeklebt werden.

Neben Buchrestaurationen beweist Paulussen auch in anderen Bereichen Fingerspitzengefühl und handwerkliches Geschick: sie fertigt individuelle Rahmungen an, bearbeitet Grafiken und farbige Illustrationen, rekonstruiert verblasste oder beschädigte Schriftzüge und lässt Löcher im Papier, sogenanntes Mäusefraß, mithilfe dünnen Japanpapiers verschwinden.

Diese auftragsbezogenen Restaurationen für Privatpersonen unterscheiden sich in der Zielsetzung jedoch deutlich von ihrer Tätigkeit im Kölnischen Stadtmuseum: Hier heißt es Konservieren statt Restaurieren.

Der Originalzustand des Werkes ist im Museumskontext besonders wichtig und darf im Vergleich zur freien Restauration nicht verändert werden.

Im Ausgleich dazu fertigt sie, hier in ihrer Werkstatt in der Auguststraße, typische Buchbinderei-Produkte wie Leporellos, Blöcke, Stifte, individuelle Bindungen für Bücher oder Fotoalben an – kurzum: wunderschöne, vielseitige Geschenkartikel aus hochwertigem Papier.

Während wir Paulussen bei ihrer Arbeit beobachten und in dieser besonderen Stimmung, umgeben von Papier und wertvollen Werkzeugen, fast schon selbst in einen meditativen Zustand verfallen und Bücher binden wollen, wird ziemlich schnell klar: dies scheint ein sehr zufriedenstellender Beruf zu sein. So sagt sie: „Ich glaube, dass es noch genügend Buchliebhaber gibt, die meine Arbeit schätzen. Trotzdem ist es wertvoll, die Wertschätzung für solche Berufe und diese handwerkliche, gestalterische Art von Arbeit auch bei jungen Leuten wieder wachzurufen.“

Lesenhilft - Antiquariat Langguth  & Restaurierung Paulussen
Auguststrasse 46
50733 Köln

Eure Laura & Athenea