Familienbesuch bei „SC Fortuna“

Text: Steffi Kutsch & Gastfotograf: Fabian Stürtz

*Sponsored Post

Als „echt kölsches Mädche“ ist es mir eine besondere Ehre beim Traditions-Club „SC Fortuna Köln“ aktuell und hyperlokal hinter die Kulissen zu blicken.

Das Fußballfieber schlägt sofort bei mir ein, adrenalingepusht stehe ich am Spielfeldrand und erlebe das einsatzbereite Spielverhalten der Jungs mit, die kurz vor dem Saisonende und dem anstehenden Pokalfinale nochmal alles geben. Gebannt und nervös Richtung Spielfeld schauend, zittert auch manch einer der vielen ehrenamtlichen Ordner mit. Allesamt sind sie treue, langjährige Fans, meist Herren der älteren Riege, mit denen ich mich nach dem Spiel ganz selbstverständlich (oder in ihrem Fall „wie immer“) am Vereinsheim treffe und beim ein oder anderen Kölsch in lockerer Atmosphäre den alten und neuen „Verzällchern“ lausche, rund um das Spiel oder allgemein zu ihrem „Herzensverein“ SC Fortuna.

Ich lerne Dieter Gilges kennen, der als Opa ursprünglich den Wunsch hatte, irgendwann seinen Enkel bei Fortuna spielen zu sehen. Daraus sei zwar nichts geworden, dafür sei aber er selbst „geblieben“, sagt er lachend. Seit vielen Jahren kommt er nunmehr zu jedem Heimspiel, neuerdings sieht er die Spiele sogar hautnah vom Spielfeldrand in seiner Funktion als Fan-Ordner, nachdem er die zugehörige DFB-Prüfung dazu absolvierte.

Der 1. FC Köln sei wie die Rolling Stones und der SC Fortuna demzufolge wie die Beatles

Fröhlich wird in der Menge ein weiterer vor dem Vereinsheim am Spieltag eintrudelnder Fan begrüßt. Man kenne sich hier bei Fortuna! „Das ist Michael Schmidt, der kommt seit drei Jahren zu jedem Spiel von Fortuna immer zig Stunden aus Papenburg angereist!“, werde ich aufgeklärt. Seine Liebe und Treue zu Fortuna erklärt er mir ganz simpel: „Jeder hat seinen Verein! - Als ich damals mit der Jugendabteilung meines Heimatvereins FC Papenburg auf Mannschaftstour gehen wollte, habe ich alle Kölner Vereine dazu angeschrieben. Nur einer, der SC Fortuna, hat mir damals geantwortet. Wir wurden wie Freunde empfangen. Das vergesse ich nie!“

Schließlich treffe ich auf echte „kölsche Prominenz“ vor dem Vereinsheim. Gerd Köster (Sänger kölscher Mundart) besucht ebenfalls seit Jahren die Fortuna-Spiele. Als Jugendlicher (der E-Jugend) erinnert er sich noch gut daran, wie man früher schlichtweg mit einfachen Mitteln zurechtgekommen sei. Im Blücherpark hätten schlichtweg Bäume und Gebüsch eine Spielfeldumgrenzung markiert und Böschungen habe man als eine Art Tribüne genutzt. „Aber ... wegjeputzt haben wir se damals, und wie!“, erinnert er sich lachend an eine Begegnung beim Spiel. Als kleiner Junge habe ihn sein Vater dann zunächst mit zum 1. FC Köln genommen. Er habe ein Spiel gesehen, „ da wor et passet“ um ihn und seine Fußballliebe! – In Köln gehe es durchaus, Fan beider Kölner Traditionsmannschaften zu sein, bemerkt er. „Der 1. FC Köln sei für ihn eben wie die `Rolling Stones`“, meint er in einem anerkennenden Vergleich, „der SC Fortuna allerdings gleichwohl demzufolge wie die `Beatles`“!

Diese Selbstverständlichkeit im Kontakt, das Zusammengehörigkeits- oder gar „Familiengefühl“, das man hier beim SC Fortuna erlebt, ist einfach unbeschreiblich. Völlig platt bin ich z.B. angesichts der Tatsache, dass sich selbst Uwe Koschinat, Cheftrainer und Sportdirektor des SC Fortuna, direkt nach dem Spiel mit einem Teller Spaghetti in der Hand lässig auf die Bierbänke vor dem Vereinsheim fallen lässt, dabei selbst kaum zum Essen kommt, weil er mit den Umsitzenden bereits freundlich Gedanken zum Spiel diskutiert und ihre Meinungen offen und ehrlich entgegennimmt. Die Umstehenden lachen über mein erstauntes Gesicht. „Dat ist normal he!“, rufen sie mir zu.

Viel hat der SC Fortuna seinem Trainer Uwe Koschinat, der Führungsetage um Hanns-Jörg Westendorf und dem Investor und Geschäftsführer Michael W. Schwetje zu verdanken.

Ich habe noch nie so viele Männer vor Glück weinen gesehen!

2014 gelingt der glückliche Aufstieg des SC Fortuna in die dritte Liga, damals entschieden erst in der Nachspielzeit eines unvergesslichen „Emotionsspiels“ gegen Bayern München II. „Ich habe noch nie so viele Männer vor Glück weinen gesehen!“, sagt Matthias Langer, der damals hautnah als leidenschaftlicher Fan dabei war. Auch heute setzt sich der aus Siegen stammende, freiberuflicher Grafiker ehrenamtlich für seinen Verein ein, indem er z.B. Plakate und Fahnen entwirft und gestaltet, die für den Verein werben. Zum Studium sei er nach Köln und damit zugleich zu Fortuna gekommen, sagt er lachend.

Heute hat der Verein seine Position, explizit in der aktuellen Saison 2017/2018, dermaßen etabliert und gefestigt, dass man zuletzt, bis vor einigen Spielen, sogar vom Aufstieg in die zweite Liga träumen konnte, was greifbar und durchaus machbar schien.

Die Zeit des Absturzes in die Landesliga, von Geldproblemen und Insolvenz, die für den Verein um die Jahrtausendwende prägend war, ist lange vorbei. „Fortuna müsste einen Scheich haben!“, meinte mancher in der finanziellen Krise vormals lapidar. Solche Aussagen machten Klaus Ulonska damals wütend. Er war ein Mann der Tat, wurde Präsident des Vereins und scheute sich nicht, selbst mit dem „Spendenball“ (Spardose zur Förderung der Vereinsjugend) in der Kurve zu stehen. Er war aber noch viel mehr für den Verein, er war Seele und Ikone. Auch nach seinem Tod 2015 bleibt er unvergessen und spielt bis heute spürbar eine wichtige Rolle für das „Vereinsgefühl“. Anekdoten um ihn höre ich vor dem Vereinsheim zahlreiche. Sein Arbeitstag habe z.B. so ausgesehen: Zuerst hätte er morgens die Gnadenkapelle der Schwarzen Mutter Gottes in der Kupfergasse besucht, danach sei er, üblicher Weise, zur Bank gegangen, um einen aktuellen Kontoauszug zu holen, anschließend dann ins Büro des SC Fortuna zur Geschäftsarbeit gekommen.“ Solche Erinnerungen zeigen ihn als Mann des Volkes, dessen Herz für den SC Fortuna schlägt.

Die Vereinsgründung des SC Fortuna (am 21. Februar 1948) vor mittlerweile über siebzig Jahren fand nur acht Tage nach Gründung des 1. FC Kölns statt. Seitdem hatten beide Kölner Traditionsvereine eine vielfältige, bewegende Geschichte, die sich ab und an sogar kreuzte.

1973 gelang Fortuna gar der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Der größtmögliche Traum verblasste aber leider schnell, der Abstieg folgte. In der zweiten Bundesliga bestand der Verein wiederum ganze 26 Jahre als feste Größe. Unvergessener Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist insbesondere das bestrittene Pokalfinale gegen den 1. FC Köln, welchem man 1983 mit 1:0, allerdings mit vorheriger Spielüberlegenheit, nur äußerst knapp unterlag.

Die treuen Fans sprechen seither oft von den „Südstadtlegenden“ von damals. - Aber kommen wir zurück zum hier und heute. Was ist heute für SC Fortuna möglich? Die aktuelle Saison ist besonders erfolgreich. Gut „eingeschlagen“ hätten sie, meinen die Langzeitbeobachter. Bis auf Platz 5 hatten sich die Jungs in der Tabelle zeitweise bereits hochgekämpft. Der Aufstieg in die zweite Liga schien machbar.

Die Saison ist auch jetzt noch nicht zu Ende, auch wenn der Verbleib in der dritten Liga nun doch wahrscheinlich ist, die Pokalspiele bleiben. „Wie geht man die an?“, möchte ich von André Filipovic, dem Co-Trainer (seit 2015) von SC Fortuna wissen. Die gesamte Saison über seien die Spieler fokussiert gewesen, hätten ein Ziel gehabt und seien als Team mit unwahrscheinlicher Dynamik zusammengewachsen. Nicht der Umfang des Trainings, sondern die Intensität sei aktuell hoch, die Ansprache der Spieler im Training punktueller, schärfer und mit individuellen Korrekturen. Deutlich erfahrungsreicher ginge man damit aus dieser und in die nächste Saison.

Wenn man den Jungs ein Vorbild sein will, darf man nicht selbst aussehen wie eine Chipstüte!

Ein weiteres Erfolgsrezept sei die starke Jugendarbeit des SC Fortuna. So hatte beim Spiel gegen Preußen Münster zuletzt Ali Ceylan aus der A-Jugend einen überraschenden Spieleinsatz und spielte von Anfang an durch. „Als ich neu war, konnte ich mit der ersten Mannschaft im Training konditionell und in Punkto Schnelligkeit kaum mithalten!“, meint er heute rückblickend, „aber gerade das Mitziehen durch die Mannschaft, die gegenseitige Orientierung aneinander, hätte geholfen durchzuziehen und dazuzulernen“.
Äußerst athletisch ist auch Co-Trainer Filipovic selbst. „Ich nehme meine Rolle ernst“, meint er schlicht und fügt mit einem Grinsen hinzu, „wenn man den Jungs ein Vorbild sein will, darf man nicht selbst aussehen wie eine Chipstüte!“ Als Athletikdozent weiß er, was er sagt: „Das Krafttraining nutzen wir für die Mannschaft, um Verletzungen vorzubeugen und diese heil durch die Saison kommen zu lassen.“

Das Abschlusswort sei nun den Spielern selbst gegeben. So zum Beispiel treffe ich Michael Kessel mit der Nummer 7, Spitzname „Kessi“, der bereits seit 2011 für Fortuna spielt und damit genauso lang beim Verein ist, wie der Trainer Uwe Koschinat selbst. Es sei ihm eine wirkliche Ehre für Fortuna zu spielen, als „kölsche Jung“ aus Holweide kommend, schätze er das Familiengefühl bei Fortuna besonders. Diese Saison habe „einfach alles gepasst“. Es seien gute Charaktere gekommen, die zu einer Mannschaft gewachsen seien. Es hätte mit 3-4 guten Spielen begonnen, dann lief es einfach. Warum es mit dem Aufstieg nicht klappe, habe möglicherweise vielerlei Gründe, man habe vielleicht auch etwas „schleifen lassen“, nachdem es zuvor so gut lief, meint er noch.

Auch Nummer 4, Boné Uaferro, bezeichnet Fortuna als seine „Familie“, insbesondere, als er neu in der Mannschaft gewesen sei, aus Berlin kommend, hätten ihn alle mit offenen Armen empfangen. Zu den Aufstiegschancen von Fortuna habe er persönlich leider gar nicht so viel beitragen können, meint er schmunzelnd, da er die letzten sieben Monate unter einer Verletzungspause litt. Beim nächsten Spiel sei er aber nun hoffentlich endlich wieder einsetzbar. Sein Wunsch für die kommende Saison? Selbstverständlich der Aufstieg mit dem SC Fortuna in die zweite Liga!

Ich fühle mit der Mannschaft. Seit meinem Besuch bin ich, überwältigt von so viel Offenheit, Freundlichkeit und Engagement, längst ebenso vom Fortuna-Virus infiziert. Mit WE ARE CITY möchte ich herzlich dazu einladen, an den kommenden Pokalspielen des SC Fortuna teilzunehmen und auch in der kommenden Saison einfach mal wieder bei Spielen des Vereins zuzuschauen und mitzufiebern.

Nächste Begegnung
Viktoria Köln vs. Fortuna Köln
Dienstag, 08.05.2018, 19:00 Uhr
Sportpark Höhenberg

Eure Steffi & Euer Fabian

* Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel.