Filmforum – großes Kino im Museum Ludwig

Text: Vanessa Schaefer & Fotos: Athenea Diapouli-Hariman

Die Schule des Sehens – zugegeben, diese Beschreibung klingt zunächst ein wenig verstaubt. Und trotzdem fasst sie treffend zusammen, was das Filmforum im Museum Ludwig für Besucher sein kann. Schließlich dient das Filmforum der Stadt Köln als Filmarchiv-Ersatz und als zeitgenössischer Möglichkeitsraum. Ein Forum, das sich voll und ganz dem bewegten Bild und dem ursprünglichen großen Kino verschrieben hat.

Wir haben das Kino im Stil der 70er Jahre besucht und uns mit Esther Rossenbach, der Programmkoordinatorin des Filmforums, über großes Kino, die Nutzung des Filmforums und über seinen Stand in Köln unterhalten.

Was macht Filme überhaupt zum großen Kino-Phänomen?

Klar, die neuesten Blockbuster samt visueller Meisterleistung ließen sich sicherlich als groß und teilweise vielleicht sogar als großartig bezeichnen. Allerdings gehören diese nicht zum Programm des Filmforums im Museum Ludwig. Dieses möchte sich vielmehr den Filmen widmen, die zum einen die internationale Filmgeschichte geprägt haben und zum anderen unsere Denkmuster und Gesellschaftsstrukturen in Frage stellen. Eine ambitionierte Aufgabe, die sich nur meistern lässt, weil sich engagierte Personen zusammengefunden haben.

Das Filmforum wird nämlich nicht alleine durch Mittel der Stadt finanziert. Stattdessen wird es von neun unterschiedlichen Partnern wie der Filmstiftung, dem WDR oder dem Verbund der freien Filmszene „KinoAktiv“ getragen. Diese finanzieren die unterschiedlichen Film- und Veranstaltungsreihen sowie Festivals wie SEE THE SOUND, die Cologne Conference oder das Afrika-Filmfestival zum größten Teil selbst und stellen damit auch die jeweiligen Programme zusammen. Das war nicht immer so.

Finanzierung von Filmhäusern gestaltet sich zunehmend als schwierig

Bevor das Filmforum in dieser Form 2006 eröffnet wurde, hatte das Museum Ludwig seine eigene Kinemathek. Nachdem der Mietvertrag ausgelaufen war, wollte der damalige Museumsdirektor Kasper König den Kinosaal wieder in Betrieb nehmen. Vergebens – Finanzierungsprobleme führten dazu, dass die Stadt Köln bis heute keine Kinemathek im klassischen Sinne aufweisen kann. Und damit auch kein kommunales Kino, das sich ausschließlich mit Filmgeschichte und Medienpädagogik befasst. Esther Rossenbach erklärt, warum dieser Umstand mehr als nur problematisch ist. Denn die Finanzierung von Filmhäusern, die sich mit Filmgeschichte auseinandersetzen, gestaltet sich zunehmend als schwierig.

Filmkopien werden seltener und gleichzeitig muss mehr in die Technik investiert werden. Diese sowie die Erhaltung und die Restauration von Filmrollen-Kopien sind heute enorm kostspielig.
— Esther Rossenbach

Filmreihe „Filmgeschichte“

Vor allem die Filmreihe „Filmgeschichte“ muss sich mit der Beschaffungs-Problematik auseinandersetzen. Die Reihe konzentriert sich auf die Essenz des Geschichtenerzählens über Bilder. Da diese letztendlich auch Abbilder von Geschichte sind, möchte die Reihe zeigen, wie ausgewählte Motive über die Zeit hinweg behandelt und konstruiert werden. Ein Themenschwerpunkt geht über ein Jahr, elf Filme aus unterschiedlichen Zeiten helfen dabei, die unterschiedlichen Facetten und Möglichkeiten eines Motivs aufzudecken.

Der Kernpunkt der „Filmgeschichte“ ist, dass nicht nur eine Geschichte erzählt wird, sondern Bilder sprechen. Es geht um die Looks!
— Esther Rossenbach

Denn wenn die Geschichte mit einer eigenen – möglicherweise sogar erstaunlichen – Form verschmilzt, dann wird man Zeuge von großem Kino. Schließlich läge der Fokus, so Esther Rossenbach, auf der individuellen Form.

Welche Kameraführung wird verwendet, welche Schnitttechnik? Den Blick für’s große Kino muss man schulen – dafür ist das Programm da!
— Esther Rossenbach

Um die Filme noch besser in den zeitgeschichtlichen Kontext betten zu können, werden pro Abend Referenten, Filmwissenschaftler und –kritiker eingeladen. Ergänzende Informationen zu Regisseuren und das Aufdecken von Spannungen sollen helfen, dass die Filme mit größerem Gewinn geschaut werden.

Es soll nichts vorweggenommen werden. Die Einführungen sollen es dem Zuschauer leichter machen, in fremde Welten und Zeiten einzutauchen.
— Sven von Reden, Filmkritiker

Viscontis opulentes Drama „Rocco und seine Brüder“

Der Film beginnt: An diesem Abend soll Viscontis opulentes Drama „Rocco und seine Brüder“ laufen. Nach den ersten Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind wir gefesselt. Gut, Alain Delon hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Und trotzdem: Unser Blick fühlt sich ein wenig geschärft an. Unser Vertrauen, dass uns ein guter Film und keine Warum-eigentlich-nicht-Streaming-Wahl erwartet, wird erfüllt. Aussuchen lassen – ein Luxus, dem wir uns im Filmforum definitiv häufiger hingeben werden.

Mehr zum Programm des Filmforums:

Filmforum Programm
Museum Ludwig
Filmstiftung

Bevorstehende Filmfestivals:

August SEE THE SOUND
September Afrika-Filmfestival
Oktober Cologne Conference

Eure Vanessa & Athenea