Interview mit HOOVE DJs

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Athenea Diapoulis

House Partys mit Groove und Funk

Kölns Clublandschaft hat schon lange eine ausgeprägte Technoszene. Dem Kölner DJ Thalo Santana fehlte der musikalische Ausgleich. Kurzerhand entschließt er sich mit einer Freundin, eine eigene Partyreihe ins Leben zu rufen, die sich House widmet. Das war 2016. Zur gleichen Zeit lernt er übers Musik diggen (das ist DJ Sprache und bedeutet ‘nach Musik suchen’) DJOKO kennen. Ebenfalls ein Kölner DJ. Diese “kosmische Fügung”, wie beide es heute nennen, bringt sie dazu, die Idee weiter auszuführen. Mit weiteren Freunden entwickeln sie ein Konzept mit Logo, Marketingstrategie und natürlich eigenem Spirit: HOOVE war geboren. House meets Groove. Das Konzept stellen sie dem Inhaber vom Artheater vor, der Club ist vor allem für Technoparties bekannt. Dieser findet die Idee von HOOVE so gut, dass sie als neue Partyveranstalter direkt dort auflegen dürfen. Eine Seltenheit.

Heute besteht das Kollektiv aus verschiedenen DJs, Videographen und anderen kreativen Köpfen. Sie eint die Liebe für House Musik und der gemeinsame Spirit, Musik machen zu wollen. Dabei sehen sie sich als eine starke Einheit, bei der gegenseitig Synergien freigesetzt werden. Nach dem Motto: Einer für alle, alle für einen. Wir trafen die Gründer Thalo Santana, der mit bürgerlichem Namen Thales Da Silva Santana heißt, und DJOKO alias Johannes Kolter. Im Biergarten vom “Grünfeld” sprachen wir mit ihnen über die Anfänge, die Clublandschaft in Köln und was man bei der Zusammenarbeit in einem jungem Kreativkollektiv über sich selber lernt.

Ein neuer Sound für die Elektroszene in Köln

Was ist der Sound von Hoove?
Thalo: Im Vordergrund schon House, das macht uns aus. Es ist breit gefächert, jeder Künstler hat einen anderen Stil. Wir wollten von Anfang an Künstler, die wir selber geil finden. Jetzt sind wir eine straighte, groovige und funkige House Party.
Hannes: Wir wollen nach links und rechts schauen und dabei das Coole herausfiltern. Die Leute und Macher pushen und mehr Vielfalt zeigen.
Thalo: Ich feiere auch schon mal zu hartem Techno. Aber hibbelig werde ich von einem groovy und funky sound. Bei dieser Musik siehst du auch einen Impact bei den Leuten, mehr Gefühl. Nicht so wie beim sturen Technogestampfe. Hier in Köln habe ich manchmal das Gefühl, dass die Leute bei Veranstaltungen gar nicht wirklich zuhören. Die Musik läuft im Hintergrund und gibt einen Anlass, hinzugehen und sich mit Drogen vollzupumpen. Das will ich auch gar nicht verurteilen und es lässt sich auch nicht pauschalisieren. Gegen das Nicht-Zuhören wollen wir aber anstoßen. Wir wollen was anderes zeigen und einen neuen Sound beibringen.
Hannes: Es gibt bestimmt noch fünf, sechs andere Partyreihen die mega geil sind und einen super Spirit haben. Am Anfang haben wir eine Zwischenlösung für die House Party gesucht. Wir haben etwas Bekanntes genommen und mit dem Groovigen verbunden. Davon und vom Techno entfernen wir uns jetzt komplett. Unsere nächsten Künstler sind Cinthi und die Willers Brothers aus Berlin. Die machen Classic House.

Was ist euer Zwischenfazit? Kommt das Beibringen an?
Hannes: Ja. Vor allem in unserem Freundeskreis merkt man schon einen Unterschied. Die, die vorher noch in anderen Genres unterwegs waren, haben Bock auf House Partys bekommen. Auf einmal hören ‘Technonüsse’ House, das hätte ich nie gedacht. Manche lassen sich echt infizieren.

Und wer hat auf euch Einfluss?
Hannes: Wir untereinander. 50 bis 60 Prozent der Tracks die ich habe, hab ich bestimmt bei unserem DJ Kollegen Kalle geklaut.
Thalo: und bei mir.

Alle lachen.
Thalo: Es ist ja auch der Austausch, den man die ganze Zeit hat. Andere sind Computernerds, wir sind Musiknerds. Man zeigt den anderen, was man gerade gut findet. Die hören dann rein und dadurch ergibt sich viel. Es gibt so viele gute Künstler.

Zum Beispiel?
Thalo: Motor City Drum Ensemble, Diego Krause, Cinthi, Willers Brothers zum Beispiel. Seitdem wir uns kennengelernt haben, ist auch total viel entstanden. Musik entwickelt sich heutzutage so schnell, es kommen so viele neue Künstler und Stilrichtungen.

Professionalität und die Chance auf eine musikalische Reise zu gehen

Wenn es so viele Einflüsse und pulsierende Momente gibt, wie schafft ihr es, euren Weg zu finden?
Hannes: Nicht so viel drüber nachdenken. Einfach das verbreiten, was man selber gut findet.
Thalo: Wir nehmen das alles nicht zu ernst. Eigentlich wollen wir einfach nur Spaß haben. Wohin es geht, das wissen wir noch nicht.
Hannes: Obwohl wir uns schon Gedanken machen und Zeit reinstecken. Professionalität ist uns wichtig.

Wie läuft so ein Abend ab, gibt es einen Zeitplan, wer wann auflegt?
Thalo: Ein klassisches DJ Set besteht aus drei bis vier Stunden. Da begibt man sich als Zuhörer auf eine Reise mit dem Musiker und hört, was der DJ so kann.
Hannes: Oft läuft es halt so: Je mehr DJs auflegen, desto mehr Leute kommen. Denn die DJs karren ihre Freunde an und der Laden wird voll. Davon wollen wir uns abgrenzen. Ein DJ pro Stunde, das wollen wir nicht. Es verbaut zu viele musikalische Möglichkeiten. Lieber lassen wir weniger Leute auflegen und geben den Künstlern mehr Zeit und Raum.

Wie organisiert ihr euch?
Thalo: Alles über whatsapp. Anfangs haben wir noch versucht uns zu treffen, aber das ist bei so vielen Leuten schwer zu realisieren. Wir kommen aus Aachen, Berlin und Köln. Hannes und ich sehen uns halt oft, wir sind beste Freunde (zeigt auf Hannes). Obwohl er das noch nie so gesagt hat.
Hannes: Ist halt so, also mein bester Freund bist du nicht. Lacht. Das war natürlich ein Scherz.
Thalo scherzt: Ich fühle ganz viel Schmerz.
Hannes: Ach, das war doch nur ein Joke, Pupsibär.

Wer hält die Fahne hoch und macht die Ansagen?
Hannes: Das macht Thalo. Aber auch nur, weil er so viel labert.
Thalo: Wir haben keinen Chef oder Vorsitzenden, aber ich bin schon die laute Stimme.
Hannes: Das ist der Brasilianer in ihm, auch wenn er nicht so aussieht.

Wo wärt ihr zwei Hasipupsis denn künstlerisch ohne den anderen?
Thalo: Ich hab durch Hannes schon sehr viel gelernt. Gerade in Sachen produzieren, auch wenn man ihn nicht zu sehr loben darf. Ich bin immer sehr offen für alles und energiereich.
Hannes: Ich gehe etwas skeptischer an Sachen ran und Thalo ist immer voller Zuversicht. Ich glaube, da gleichen wir uns gut aus.

Wie würdet ihr die Clublandschaft hier in Köln beschreiben?
Thalo: Es gibt wenige Clubs, die für sich stehen und eine Art Institution sind. Das Gewölbe ist ein Beispiel. Ansonsten läuft überall alles. Das Artheater ist bekannt für Techno, aber unter der Woche ist da auch viel Kultur, Jazz zum Beispiel, Kunst gegen Bares oder Poetry Slams. Am Wochenende findest du auch mal Goa und meistens Techno. Im Reineke Fuchs treten manchmal Kamal Williams und Alfa Mist auf. Aber es ist nicht wie in Berlin wo, du in einen Club gehst, nur um House zu hören.

Sind die Clubs denn auch außerhalb von Köln bekannt?
Hannes: Das spiegelt sich in den Bookings wieder, also kommt auf den Act an. Hauptsächlich werden Technoacts gebucht. Im Reineke Fuchs kann es auch sein, dass nach einer House Party eine HipHop Party kommt, die sind allgemein tauglicher.
Thalo: International bekannt sind vor allem das Gewölbe und das Bootshaus. Das Bootshaus ist in den Top 10 vom DJ Mag.
Hannes: Der Club an sich ist cool, aber am Arsch der Welt.
Thalo: Grundsätzlich könnte viel viel mehr gehen in der Clublandschaft in Köln.

Mehr Weltmusik, bitteschön!

Was fehlt euch?
Thalo: Das musikalische Angebot könnte mehr sein. Mehr House, mehr Funk und Groove.
Hannes: Vor allem im Roxy läuft viel Weltmusik. Aber auch nicht immer. Das, was im Roxy gespielt wird, sollte auch noch woanders laufen.
Thalo: Selbst der Techno ist heutzutage schon kommerziell und schon lange nicht mehr undergroundig. Es gibt wenig Parties, wo die Leute sich inhaltlich mit der Musik beschäftigen.
Hannes: Man kann sich viel beschweren, aber im Grunde ist alles cool. Alle kommen auf ihre Kosten, die Technoleute halt ein bisschen mehr. Trotzdem habe ich das Gefühl, viele Parties werden auf harten Techno reduziert und die Gäste fallen nach wenigen Minuten ihr Urteil. Sie geben Parties keine Chance, sich zu entwickeln. Wir finden es bei Hoove zum Beispiel wichtig, dass du um elf Uhr nicht direkt die Sachen spielst, die du um sechs Uhr morgens spielen würdest. Am Anfang will man es doch oft meistens etwas entspannter.
Thalo: Die Party soll ja auch ein Klimax haben, mit mehr Leuten, mehr Getränken. Es ist auch schwierig, die Sache als Partygast zu betrachten, wenn man selber Musik macht. Ich kann keine Musik hören, ohne sie zu analysieren. Ich höre ganz genau hin, was da passiert und sehe die Elemente in meinem Kopf. Vor einem Monat war ich in der Hoppetosse in Berlin und 18 Stunden lang liefen da nur Tracks, die hab ich vorher nie gehört. Das war einfach nur krass, alle waren am tanzen und glücklich. Sowas habe ich hier noch nie empfunden.

Hat Köln dafür Potenzial?
Thalo: Auf jeden Fall! Es muss ja auch nicht so lange gehen, es muss nur qualitativ gut sein. Für mich ist ein DJ jemand, der Stunden damit verbracht hat, Tracks rauszusuchen. Der hat jede Platte gehört, nur um die besten Tracks auszuwählen. Damit Tiefe und Liebe entsteht. So wie beim Kalle (Kalle ist auch Mitglied des Kollektivs, Anmerkung der Redaktion).
Hannes: Kalle wird für mich immer das Paradebeispiel eines DJs sein. Der macht nichts anderes als Musik diggen, also nach Musik graben. Deswegen klau ich von dem auch so viel (lacht). Er ist das Trüffelschwein unter uns.

Was habt ihr in diesem Kollektiv miteinander über euch selber gelernt?
Hannes: Kompromisse eingehen. Ohne die anderen geht nichts, da muss man auch mal auf die Einwände und die Ideen der anderen drüber nachdenken und eingehen.
Thalo: Man kriegt nichts alleine hin.

Wie schließt ihr Kompromisse?
Thalo: Einfach abstimmen. Manchmal ist es schwierig, von allen eine Stimme zu kriegen.
Hannes: Wenn wir Vorschläge machen, fragen wir nach den Meinungen. Manchmal kommen dann direkt zwei, drei Antworten. Und wer sich beim Nachfragen enthält, hat halt vielleicht keine Meinung. Das ist dann auch ok.
Thalo: Unsere Leute haben ja auch Vertrauen in das, was wir machen, wenn wir ohne sie entscheiden. Wir diskutieren oft miteinander, aber das finde ich auch gut in der Sache, weil wir dann irgendwann zu einem Kompromiss finden, mit dem alle happy sind.

HOOVE, das sind:

Thales Da Silva Santana: Musik, Club-Bookings
Johannes Kolter: Musik, Designer (u.a. Flyer), Planung
Mara Patz: Hoove-Mama, die sich um die Organisation kümmert
Vincent Rohr: Musikgenie, Planung und Booking
Pascal Wagner, genannt Kalle aka. der Parade-DJ: Musik
Tim Gelzleichter: Designer (u.a. Logo)
Steffen Mull: Fotograf
Julian Feierabend: Kümmert sich auch um die Planung + Booking. Quatscht in Berlin neue Künstler nach Aussagen von Thalo und Hannes so lange voll, bis sie bei Hoove spielen
Ionna Gkanidou: Videographin

Wenn ihr jetzt Lust habt, euch mit Thalo, DJOKO, den anderen aus dem Kollektiv und den Berliner Gästen am Freitag, 27. April 2018 auf eine musikalische House Party Reise zu begeben, dann legen wir euch wärmstens die “HOOVE pres. WE_R HOUSE w/ Cinthie & The Willers Brothers” Party im Artheater ans Herz. Auf Facebook verlosen wir für die Sause 3x2 Gästelisteplätze. Schaut mal rein!

Eure Charlotte & Athenea