Interview mit Cat Ballou: "Glücklich und ein wenig müde"

Text: Charlotte Ebert & Gastfotograf: Fabian Stürtz

Am 21. September ist es endlich erschienen: Das vierte Studioalbum „Cat Ballou“ von – Cat Ballou. Im April durfte ich die Jungs vorab interviewen. Damals kündigten sie an, dass sich der Sound auf dem neuen Album etwas verändern werde. Am Tag nach dem Release Konzert im E-Werk treffe ich die Jungs wieder. Zu dem Zeitpunkt wissen sie es noch nicht, doch Anfang Oktober wird das Album bereits Platz 15 in den offiziellen Deutschen Album-Charts belegen. Eigentlich hätten die Jungs am 21. September frei gehabt. Doch weil der Beistand der Fans in den letzten Wochen so stark war, schenken die Katzen ihren Fans ein kostenloses Konzert im alten Wartesaal. Die Stimmung: Ein wenig müde, aber sehr glücklich.

Wie geht es euch?
Oli: wir sind müde von gestern, weil wir nicht schlafen konnten. Aber auch sehr glücklich und zufrieden. Wir hatten ein megageiles Publikum und das hat uns durch den Abend getragen. Es hat sich gelohnt, viel zu proben.

Wie habt ihr den Abend vom Release Konzert empfunden?
Dominik:
Bombastisch! Ich war vorher sehr nervös, immerhin haben wir zwölf neue Songs gespielt. Bei den Proben hatten wir vorher immer ein kleines Zeitproblem. Wir haben es nicht geschafft, das ganze Set zu spielen und wussten nicht, wie die Songs hintereinander wegkommen. Und dann sind wir auf die Bühne gegangen, haben einfach gespielt und uns darauf verlassen, dass es funktioniert. Und es hat sofort funktioniert. Es ging runter wie Öl.

Oli: Nach dem Konzert haben wir uns vor den Zugaben hinter der Bühne getroffen und man hat gemerkt: Uns allen ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Wir waren vorher alle sehr angespannt. In dem Moment wo wir gemerkt haben, dass es funktioniert, wurden wir viel gelöster. Deshalb waren die Zugaben auch so euphorisch.

Hannes: Es hat angefangen und dann war es auch irgendwie schon wieder vorbei.

Die letzten Wochen konnte man schon die ersten Songs hören. Habt ihr schon Feedback von euren Fans bekommen?

Oli: Das direkte Feedback, das wir von Fans bekommen haben, ist sehr ehrlich. Das finden wir auch cool. Wir haben das Gefühl, dass es sehr gut angenommen wird und die Leute das Album als Weiterentwicklung empfinden und nicht als totale Änderung. Das ist uns auch wichtig: Wir wollten uns vom Sound weiterentwickeln. Wir haben das Gefühl, dass die Leute das auch so aufnehmen.

Dominik: Manche mussten sich erst ein wenig reinhören, aber auch von denen haben wir später das Feedback bekommen, dass sie den neuen Sound richtig gut finden. Sich reinhören ist vielleicht auch gar nicht so schlecht. Ich hatte das früher immer bei Robbie William Songs.

Oli (lacht): Die gehen doch eigentlich immer direkt rein.

Dominik: Ich musste die immer drei bis viermal hören, bis ich einen Zugang hatte. Dann war es übel, denn dann bist du den Song nicht mehr losgeworden, weil es so geil war. Ich hoffe, dass es sich bei diesem Album genauso verhält.

Oli: Ich kann jetzt nur von mir sprechen. Bei mir sind immer die Lieder am meisten hängen geblieben, die ich öfter hören musste. Phoenix zum Beispiel muss ich dreimal hören, bis ich alles verstanden habe. Wenn die Musik komplex ist, dann muss man das ein paarmal hören, um die Abläufe zu kennen und sich darauf zu freuen. Naja, ich will Robbie Williams und Phoenix jetzt nicht mit uns vergleichen, aber wenn die Leute das so empfinden, ist das doch gut.

Was ist in den vergangenen Monaten alles passiert?

Oli: Die letzten Tage waren sehr aufregend und fast nicht auszuhalten: Proben, Termine, Emails beantworten … hinter den Kulissen haben wir viel geackert. Das Warten auf die Veröffentlichung wurde immer anspannender. Irgendwann wollte man nur noch, dass das Album jetzt rauskommt, man hat fast schon gezweifelt. Die längere Zeit davor im Studio war recht anstrengend, wir waren von morgens bis abends im Studio. An Wochenenden haben wir dann bei Auftritten gespielt. Irgendwann ging man auf dem Zahnfleisch. Aber es hat sich sehr gelohnt. Wir sind mega zufrieden mit dem Album. Es gibt für mich keine Stelle, die man jetzt noch ausbessern wollen würde. Eigentlich hat man das immer, wenn man im Prozess ist, nachher denkt man dann „ah, die eine Stelle, da hätte man noch was herumdoktern können.“ Eigentlich ist man nie zufrieden. Aber diesmal sind wir sehr zufrieden.

Hat sich an der Songauswahl kurzfristig noch etwas geändert?

Dominik: Wir mussten Ende Juni die Trackliste festlegen, das heißt, danach konnten wir gar nichts mehr ändern.

Oli: Hinten raus wurde es mit den Songs auf jeden Fall immer enger. Das hat mich manchmal ein bisschen nervös gemacht. Manchmal habe ich mich gefragt ‘welchen Song können wir zur Not rausschmeißen, wenn es mit den Vorbereitungen nicht mehr funktioniert?‘ Aber Druck erzeugt Leistung. Wir wollten 14 Songs draufhaben. Jedes Lied hat eine Aussage und wir sind in jedes Lied verliebt.

Hannes, als wir im April gesprochen haben, hast du dich als ‘Frischling‘ in der Band bezeichnet. Wie sieht es jetzt aus?

Hannes: Ich bin eigentlich immer noch ein Frischling, aber ich muss sagen, dass die Jungs mir nie das Gefühl gegeben haben. Es ist immer noch eine neue Erfahrung, auch mit eigener Musik auf die Bühne zu gehen. Am kreativen Prozess teilzuhaben macht sehr glücklich. Vor allem auch dann, wenn man ein Publikum hat, dass alles so gerne aufnimmt. Ich empfinde die Musik als so ehrlich, die ist nicht konstruiert. Im guten Sinne ist das alles immer noch neu und eine schöne Erfahrung, die ich nicht mehr tauschen möchte.

Dominik: Wir wollen dich auch nicht mehr tauschen. Wenn man in kurzer Zeit soviel miteinander erlebt, schweißt das ja auch zusammen. Es war ein Wagnis, aber Hannes hat sich komplett drauf eingelassen und das war für die Banddynamik auch geil. Weil es sich anfühlt, als hätten wir die letzten fünf Jahre nichts anderes gemacht.

Wann hattet ihr die Idee mit dem Zusatzkonzert?

Dominik: Das war sehr spontan, zwei Wochen vorher. Eigentlich war an dem Tag nichts geplant. Doch wir haben gemerkt, dass unsere Fans die ganze Zeit bei uns sind und uns total viel geben. Das war eine große Sicherheit. Dafür wollen wir uns einfach mal bedanken. Die ‘Katze im Sack‘ gibt es schon seit einigen Jahren, normalerweise im kleinen Rahmen mit 70 bis 100 Leuten. Letztes Jahr haben wir es zeitlich nicht geschafft, aber dafür gibt es dieses Mal die Katze im Sack geschenkt. Innerhalb von acht Minuten waren Tausend Tickets weg. Wahnsinn.

2018 ist ein krasses Jahr für euch, denn es gibt ja auch noch das eigene Label.

Dominik: Ja, das stimmt. Manchmal denkt man, auch krass viel Glück dabei gehabt. Wir haben viel auf unseren Bauch gehört und das gemacht, worauf wir Bock hatten. Es kann kontraproduktiv sein, wenn man zu verkopft an Dinge herangeht.

Oli: Nagut, ein bisschen Erfahrung und Arbeit kommen ja auch dazu. Aber auf seinen Bauch zu hören ist echt immer die beste Variante, dann startet man Projekte mit Zufriedenheit und steckt Energie rein.

Das schützt nicht vor Fehlern. Eine Stimme nach dem Pre-Listening sagte: „Wie immer cool, ein bisschen chaotisch, aber das macht die Jungs ja auch so sympathisch. So ist Cat Ballou halt.“

Oli: Ja, ich habe das auch auf Instagram gelesen: Dass es sympathisch sei, dass wir Texthänger zuließen und nicht versuchten, die zu überspielen.

Dominik: Zu akzeptieren, dass unsere Fans genau das gut finden, war am Anfang auch ein Schritt für uns.

Es macht euch nahbar.

Oli: Wir wollen schon alles so perfekt wie möglich machen. Aber wir versuchen das nicht krampfhaft und wenn dann halt ein Fehler passiert gehen wir nicht hin und sagen ‚Das darf uns nie wieder passieren‘. Klar muss man immer an sich arbeiten.

Hannes: Sich den Fehler angucken und daraus lernen, das ist glaube ich wichtig. Aber in dem Moment was Lustiges draus machen ist besser als es zu überspielen.

Dominik: Das ist für einen selbst auch besser. Ich habe mich gestern auch zweimal verzockt … manche Lieder haben so freudsche Verspieler, ich nenne das jetzt einfach mal so, aber auf einmal hatte ich das bei Stellen, wo ich das sonst nie habe. So einen Fehler zu akzeptieren und das zu nehmen wie es ist, kostet auch Überwindung. Das Schämen über Fehler ist eh viel peinlicher, als es einfach zuzugeben. Das Schämen kann man sich sparen, man ist eben nicht perfekt.

Vielen Dank für eure Zeit!

Das anschließende Konzert mit tausend Fans im alten Wartesaal kann man mit drei Wörtern beschreiben: Perfekt Cat Ballou. Viele Fans warteten mehrere Stunden, bis die Türen des Alten Wartesaals sich kurz nach 19 Uhr öffneten. Cat Ballou hat Fans in jedem Alter: Da sitzt der kleine Sohn bei Papa auf der Schulter und daneben tanzen vier Mädels Anfang zwanzig. Neben mir steht Silvia. Sie ist allein zum Konzert gekommen und hat mit vielen anderen Fans einfach eine gute Zeit. Obwohl sie das Album noch keine 24 Stunden besitzt, kann sie fast alle Lieder mitsingen.

Nächstes Jahr steht die Band seit 20 Jahren auf der Bühne. Für dieses Jubiläum haben sie wieder eine Überraschung versprochen.
Wir sind gespannt!

Eure Charlotte + Fabian

Cat Ballou
E-Werk
Alter Wartesaal