Das LOFT in Ehrenfeld – wo Free Jazz auf Neue Musik trifft

Text: Vanessa Schaefer & Fotos: Luisa Zeltner

Mitten in Ehrenfeld gibt es einen Ort, dessen Name New Yorkern wie auch Londonern bekannt ist. Denn nur einige Meter von der Haltestelle Liebigstraße entfernt, geben sich Profimusiker die Klinke in die Hand. Die Rede ist vom LOFT – dem kleinen Jazzclub, dessen Räume bereits im englischen Guardian gepriesen wurden. Eine Location, die zu den Top Jazzclubs der Welt zählt und Musikliebhabern die Möglichkeit bietet, noch wirklich guten Jazz zu hören. Doch warum genau dort? Was ist das Besondere am LOFT und wer steckt eigentlich dahinter? Statt nur darüber zu lesen, wollten wir uns selbst ein Bild machen und sind die engen Stufen in die oberste Etage hinaufgestiegen.

"Das LOFT ist ein Ort von einem Musiker für Musiker"

Wir betreten das Foyer. Ein kleiner Raum, dessen Theke nach einem Ort der Geselligkeit aussieht: authentisch, schlicht – ohne viel Chichi. Räumlichkeiten, die erahnen lassen, dass hier nur die Qualität der Musik zählt. Der Konzertsaal selbst misst nicht viel mehr als 30 m², doch ist er dafür mit hochwertigsten Instrumenten ausgestattet. An diesem Abend soll Hendrika Entzian im Quartett auftreten. Erst vergangenes Jahr gewann die 33-Jährige den WDR-Jazzpreis für Komposition und ist damit eine der erfolgreichsten jungen Jazzarrangeurinnen in Deutschland.

Zuvor treffen wir den Gründer des LOFTs persönlich. Hans Martin Müller ist mittlerweile 67 Jahre alt, pensioniert, doch vergeht kaum ein Tag, an dem er nicht selbst vor Ort ist. Das LOFT ist sein Herzstück, das er für sich und für andere geschaffen hat: „Das LOFT ist ein Ort von einem Musiker für Musiker,“ sagt er.

Als Dezernent ist Hans Martin Müller noch immer die entscheidende Instanz. Dabei war er selbst jahrzehntelang Profimusiker und unter anderem Mitbegründer vom Moers Festival. Dieses war damals stilbildend für den avancierten Jazz in Deutschland. In Moers vor 51 Jahren und in ihrer damaligen Stammkneipe namens „Röhre“ wurden die musikalischen Grenzen des Jazz überschritten, so Müller. Es war die Geburtsstunde des Free Jazz. Eine Entwicklung, die von ihm und anderen Urvätern des Jazz wie Peter Brötzmann, Alexander von Schlippenbach oder Manfred Schoof eingeleitet wurde.

Ich gehörte damals in Moers zu den Personen, die etwas Anderes wollten – abseits des Mainstreams.
— Hans Martin Müller, Gründer & Betreiber vom LOFT

Müller hatte die Musik nicht in die Wiege gelegt bekommen

Ohne selbst aus einem musikalischen Elternhaus zu stammen und obwohl er wie all die anderen Jungs in seinem Alter die Rolling Stones verehrte, wusste Müller, dass er musikalisch bläserisch tätig sein wollte. Nach Umwegen ins Bergbaustudium war es die Kölner Musikhochschule, die Müller mit ihrem neu eröffneten Jazzseminar lockte. Dort angenommen, legte er einen rasanten Aufstieg als Soloflötist hin und spielte bei unterschiedlichen Orchestern sowie den Bayreuther Festspielen. Schließlich war es der WDR, der Müller länger halten konnte und ihm später die Möglichkeit bot, eine Stelle an der Musikhochschule anzutreten. Der Moment, der ihm nachträglich bewusst machte, dass er Musiker führen und fordern wollte.

Mit dem WDR und seinem Sendeauftrag zeitgenössische Musik speziell zu fördern, mauserte sich Köln zum Zentrum der Neuen Musik. Dabei waren es stets Einzelne wie Bernd Alois Zimmermann mit seiner Oper „Soldaten“ oder Komponist Karlheinz Stockhausen, die die New York Downtown Szene nach Köln kommen ließen. Hier fand die Vermischung von Free Jazz und Neuer Musik statt. Eine Symbiose, dessen Dokumentation sich das LOFT mitsamt einem kleinen Tonstudio zur Aufgabe gemacht hat.

Im LOFT lebt die freie Musikszene - und wird dafür hoch angesehen

Einen Freiraum für zeitgenössische Musik und Jazz zu schaffen –  so in etwa ließe sich der Ansatz des LOFTs beschreiben. Der Schwerpunkt des Programms ändert sich mit der Zeit, die Qualität der Musik bleibt. Dabei erhalten die Künstler lediglich den eigenen Eintritt. Sie kommen, weil sie wissen, dass sie mit Respekt behandelt werden und ihnen der Jazzclub von anderen Profis empfohlen wurde. Hans Martin Müller sagt hierzu: „Musiker sind eine kleine Gemeinschaft und sprechen miteinander. Dann kommt: Du hast ein Off-Date, dann spiel in Köln im Loft, da ist ein super Publikum!"

Das LOFT ist Kult geworden, pro Woche flattern mindesten 20 Anfragen herein – national und international. Manche kennt Müller noch aus der Jazzkneipe Päff, über der er selbst jahrelang wohnte. So hat in den letzten 30 Jahren kaum ein erfolgreicher Jazzmusiker das LOFT nicht betreten – von Adam Nussbaum über Angelika Niescier bis hin zu Nils Wogram. Nur die, die es nicht können, fragen erst gar nicht nach einem Gig. Eine Ausnahme bilden die Studenten der Kölner Musikhochschule. Diese dürfen ihre Konzertexamina immer gerne im LOFT geben. Schließlich müssen junge Talente aus der eigenen Stadt besonders gefördert werden.

Ohne Kreisklasse, keine Weltklasse. Wenn ein Student fragt, ob er hier Examen machen kann, dann hat er die Wildcard.
— Hans Martin Müller

Im LOFT wird die freie Musikszene noch gelebt. Ohne Manager, für ein Publikum, das manchmal auch gewillt ist, genauer zuzuhören. Immerhin gehört Free Jazz zu den Musikrichtungen, die sich nicht sofort erschließen. Doch genau das wird vom Publikum geschätzt, das aus Nürnberg, Amsterdam oder Brüssel anreist. Für die Musiker sind es wirklich interessierte Zuhörer, die familiäre Atmosphäre wie auch ein Besitzer, dessen Meinung immer ehrlich ausfällt, die das LOFT für den Jazz so besonders machen.

LOFT Köln
Wissmannstr. 30
50823 Köln

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Eure Vanessa & Luisa