Jeck im Sunnesching 2018

Text: Charlotte Ebert & Fotos: Lukas Piel

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Vergangen Samstag war zum dritten Mal Jeck im Sunnesching. Und, ob boy, der Name war Programm. Bei bestem fünf Sterne Kaiserwetter zogen Tausende von Jecke los, um kölsche Lebensart zu feiern. Was vor Jahren im Kleinen in der Sülzer Urkneipe Haus Unkelbach anfing, begeistert mittlerweile mehrere zehntausend Menschen. Ja, manch einem Kritiker geht das Event gegen den Strich. Das ist auch OK und muss den restlichen Jecken ja nicht den Spaß an der Freud verderben. Einfach levve un levve loße, denn: Et bliev eh nix, wie et wor.

Neben zwei Festivals in Köln und Bonn wurde ringsherum in der ganzen Stadt gefeiert. Über 100 Kneipen, Brauhäuser und andere Eventlocations waren Teil von Jeck im Sunnesching. Hotspots waren die Friesenstraße, das Kwartier Latäng, das belgische Viertel mit der Aachener Straße und der Lindenstraße.

Zusammen mit meinem Kumpel Ben und dessen Praktikant Lukas habe ich mir einen motivierten Tag vorgenommen: Auf dem Festivalgelände im Deutzer Jugendpark legten wir los, später hatten wir sieben weitere Locations auf dem Plan, die wir abklappern wollten. Lukas muss fahren. Wo wir letztendlich waren und wen wir getroffen haben, könnt ihr jetzt in meinem Protokoll des Tages nachlesen.

8: 30 Uhr morgens bei mir zu Hause, Chat mit Ben

08.45 Uhr
ICH: Ich bringe Brötchen und Sekt mit, okay?
BEN: Hab Kölsch hier 😊
Wenn du Sekt willst Bring Sekt mit haha
XD

08.46 Uhr
ICH: Bier kann ich nicht zum Frühstück
BEN: haha
gut
ist ok

09.22 Uhr
ICH: Ich muss mit meinem Auto kommen, packe 10 sonst nicht bei dir in Poll zu sein
Ben: halb 10 waren wir verabredet.

So fängt mein Tag an: Es ist eine harte Geburt. Ich komme schwer aus dem Bett und habe mein Jeck im Sunnesching T-Shirt noch nicht präpariert. Schnell Kaffee sippen und zwischendurch Fransen reinschneiden. Ergebnis: Naja. Eigentlich kann ich Kostüm besser. Immerhin habe ich es noch geschafft, mir einen kleinen Glitzerhut und eine Konfettipistole zu besorgen. Konfetti geht immer und hübscht jedes Outfit auf. Zu spät verlasse ich das Haus und Brötchen muss ich auch noch kaufen. Beim Bäcker stelle ich fest, dass ich mein Portmonnaie zu Hause vergessen habe.

10:30 Uhr bei Ben in Poll

Mit einer Stunde Verspätung komme ich bei Ben an. Er kränkelt und außerdem hat keiner von uns ein richtiges Kostüm. Mist. Erst mal zwei Sekt trinken.

Eine Flasche Sekt intus später fahren wir zum Deutzer Jugendpark. Das Festival hat um 9 Uhr begonnen. Nach fünf Minuten auf dem Gelände habe ich Ben und Lukas in der Menge verloren. Dafür sehe ich auf Anhieb viele bunte Kostüme und gutgelaunte Leute, denen man ansieht, dass sie es heute so richtig krachen lassen wollen. Und ich stelle fest, dass die Konfettipistole sehr gut funktioniert und noch mehr gute Laune macht.

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12:30 Uhr, Festivalgelände Deutzer Jugendpark

Finde die Jungs und mich kurzerhand auf der Bühne wieder. Der Zapfanstich steht bevor, die offizielle Eröffnung von Jeck im Sunnesching. Ich stand noch nie auf einer Bühne. Vor mir: 10.000 Leute, holy shit, sind das viele! Lukas Wachten moderiert die Eröffnung, kurz danach treten Kasalla auf und das Publikum jubelt noch mehr. Und dann passiert etwas Krasses: Alex macht ihrer Freundin Natalie auf der Bühne vor diesen zehntausend Leuten einen Heiratsantrag. Wow! Darauf einen Schuss mit der Konfettipistole.

13:15 Uhr

Zurück in die Menge. Bleibt man im bunten Getummel einfach mal stehen und lauscht den Jecken, stellt man fest: Die kommen von überall her! Mal hört man Hochdeutsch, mal Dialekt. Ich sehe glitzernde Raverbienen und Gruppen, die sich als Brings verkleidet haben: mit roter Karohose und schwarzen Hemden inklusive Hüten und roten Hosenträgern. Ich treffe Antje und Luca, eine Nixe aus Freiburg und der Ranger aus Engelskirchen. Sie ist 21, er 24. Betonen aber, dass sie sich schon länger kennen und dass er sie irgendwo aufgegabelt hat. Die nächste Band auf die die beiden sich freuen ist Cat Ballou, „weil die so rocken“. Ihr Plan: Auf dem Festivalgelände bleiben, vermutlich knutschen und später ins Gaffel am Dom gehen.

15 Uhr Aachener Weiher

Wir haben das Festivalgelände von Jeck im Sunnesching verlassen und sind zum Aachener Weiher gefahren. Hier singt Björn Heuser am Biergarten und hunderte grölen mit. Viel studentisches Publikum tanzt drumherum, feiert oder hängt auf dem Rasen ab. Ben schießt mit meiner Konfettipistole um sich. Aha, ich bin nicht die einzige, die in das Accessoire verliebt ist. Mittlerweile habe ich auch eine Sonnenbrille und ein Jeck im Sunnesching Tattoo. Das Kostüm wächst. Dominik von „Querbreit“ malt mir fluoreszierende Farbe in Knallorange ins Gesicht. Er und seine Jungs kommen aus Widdersdorf. Ein Fußballverein, der die Gruppe Querbeat mimt und sich Querbreit tauft. Wir möchten sie alle aufs Bild bekommen, was sich bei acht Jungs schwieriger als üblich gestaltet. Denn der Flirtmodus ist angeschaltet und so langen neben den Jungs auch ein paar Mäuse auf dem ersten offiziellen Pressefoto von Querbreit.

16 Uhr

Treffe auf Murat aus der Türkei und Giovanni aus Italien. Nach eigenen Angaben haben sie ein Jointventure gegründet, mit Döner und Pizza. Aber in richtig gut! Die beiden nutzen ihre Mittagspause bis 17 Uhr, um sich weiter in die Kölsche Kultur zu integrieren. Danach müssen sie husch husch zurück in ihre Imbissbude. In der Zwischenzeit wird Lukas von einem Mädel angesprochen, die ihm aus dem Nichts heraus erklärt, dass seine Fotoarbeiten einfach das Größte seien. Hui, Fangirlmoment für Lukas. Der übrigens alle Bilder macht, während Ben mit feiern beschäftigt ist.

17 Uhr, zu Hause

Kleine Verschnaufpause zu Hause in Sülz. Mal in Ruhe auf die Couch setzen und einen Couscous Salat essen.

17:30 Rhein Roxy Schiff in Rodenkirchen

Müsste ich schätzen, ich würde behaupten: Das Publikum ist hier gut und gerne 20 Jahre älter als am Aachener Weiher. Statt low Budget Kostüme sieht man viel Hand- und Näharbeit bei den Damen als auch bei den Männern. Bunte Pailletten an Shirts und kesse Hüte wippen beim schunkeln und tanzen. Mein Konfetti schießt durch die Luft, als Klüngelköpp ziemlich nah am Publikum auftritt. Ich treffe Aki vom Niederrhein. Ich weiß, dass er Aki heißt, bevor ich mit ihm spreche: Er trägt ein aus einer Wäscheklammer gebasteltes Namensschild, auf dem sein Name steht. Aki ist schätzungsweise 55 Jahre alt. Er ist mit seinem Karnevalsverein angereist, sie sind 30 Männer und Frauen: „Eigentlich wollten wir in der Stadt feiern“, sagt er. Spontan haben sie sich dazu entschlossen, auf dem Schiff zu feiern. „Hier ist es schön kuschelig, hier geht keiner verloren.“ Gute Teamspirit!
 

18:30 Uhr

Ben schmeißt meine Konfettipistole in den Rhein. Ben ist doof.

20 Uhr Gaffel am Dom

Wir haben es ins Gaffel am Dom geschafft, hier wollen wir den Auftritt von Brings und Miljö bei Jeck im Sunnesching sehen. Mittlerweile ist der Sunnesching in ein Abendschimmer übergegangen. Wir sind immer noch top motiviert. Wir treffen auf Sally und andere Freunde und Sally haut Ben, weil er meine Konfettipistole in den Rhein geschmissen hat. 700 andere Feierwütige sind heute Abend hier und warten auf die Bands. Dass es 700 Jeck im Sunnesching Fans sind weiß ich von Türsteher Denniz. Er betreut einen abgesperrten Bereich im Brauhaus. Ob ihm in seinem Pulli nicht warm sei, frage ich ihn. Er antwortet, dass er normalerweise an der Eingangstür stehe. Doch heute seine so viele Leute da, auch viele neue. Denniz arbeitet seit zwei Jahren in der Gaststätte und kennt daher viele Gesichter. Er wird heute drinnen gebraucht. „Ich bin falsch angezogen“, sagt der 43-Jährige. Er sieht aus wie 33 und erzählt mir stolz, dass seine Frau 16 Jahre jünger ist als er. Zwischendurch muss er sich den Schweiß von der Stirn wischen. Bis mindestens drei Uhr nachts wird er heute noch hier sein.

22 Uhr: Miljö tritt auf

Fast alle aus unserer Feiergang sind Richtung Friesenviertel gezogen, um dort das Abschlusskonzert von Björn Heuser zu sehen. Das soll legendär sein. Ich nötige Lukas, mit mir im Gaffel am Dom zu bleiben, weil ich unbedingt Miljö sehen will. Ihr Album Wolkestadt läuft seit Wochen in meinem Auto. Seit einiger Zeit begleiten wir die Jungs und wollen bald ein Portrait über sie veröffentlichen. Sänger Mike erzählt mir, dass dies heute ihr siebter Auftritt ist. Dann muss er schnell auf die Bühne und ich muss bei Kölsch statt Kash ordentlich mitshaken.

0:30 Uhr: Veedel Club

Wir haben die Jungs von Miljö und Brings gesehen, das Warten hat sich gelohnt. Es war großartig! Im Veedel Club legt heute König Cem auf, mal Kölsche Lieder, mal HipHop. Jungs in Elefantenkostümen halten Biergläser in der Hand, Mädchen in legeren Outfits tanzen daneben. Ich habe Lust auf mehr jecke und verlasse den Club.


2 Uhr: Flamingo

Letzter Auftritt von der Band Fiasko. Beide Fotografen, Ben und Lukas, haben aufgegeben wegen müde. Ich also alleine in den Club, wegen unerklärlicher Energie und Lust. Immerhin weiß ich, dass die Miljö Jungs da sind, ihre Bandkollegen supporten und so. Ich gehe nie alleine in Clubs und dann auch noch ins Flamingo. Ein Laden, in dem ich sonst nie feiere. Ich finde Mike und Co. nicht und fühle mich etwas verloren. Ich denke mir, ach komm, was solls. Gönn dir einen letzten Sekt und beende den Abend als erwachsene Frau alleine im Club. Dann sehe ich einen Typen, der neben den sauber geschnittenen Kurzhaarschnitten und Hemden (kaum einer ist in Kostüm hier) hervorsticht. Er hat längeres, lockiges Haar und trägt ein schwarzes Shirt. Er könnte der jüngere Bruder meines Vaters sein. Skeptisch beobachtet er eine Flirtszene zwischen einem Mann und einer Frau. Er guckt mich an und sagt „Meinste, die will das?“ Ich glaube schon, so wie sie lacht. Der Mann im schwarzen Shirt und dem lockigen Haar ist Dirk. Er ist der Bandfahrer von Fiasko. Trinken kann er deswegen nichts, aber wir unterhalten uns und beobachten das Treiben drumherum.

2:30 Uhr: Stuckbar

Die Band spielt zu Ende und Dirk verabschiedet sich. Ich bin kurz davor, auch zu gehen, als plötzlich Mike neben mir steht und sagt: „Wir ziehen jetzt bitteschön weiter!“ Ok, Chef. Er trommelt seine Crew zusammen und so finde ich mich mit völlig unbekannten Leuten auf einmal im Friesenviertel wieder. Vor der Stuckbar bleiben wir stehen. Jemand holt Bier und drückt es mir in die Hand. Mit wildfremden und saunetten Leuten unterhalte ich mich. Da sind Henning, der Gitarrist von Fiasko und Julia, Sängerin bei der kölschen Band La Mäng. Wir stoßen an und beklagen uns über den Kater, der uns morgen bevorsteht. Obwohl ich niemanden kenne, bin ich auf einmal Teil dieser Gruppe und es fällt mir schwer, mich zu lösen. Doch, ich muss der Wahrheit ins Auge blicken: Die Müdigkeit schlägt ein wie eine Abrissbirne. Jetzt hilft nur noch eins: Eine große Pommes von Golden Potato auf den Ringen.

04.30 Uhr: zu Hause, im Bett

Müde. Satt. Sehr jeck gewesen und viel Spaß dabei gehabt. Nächstes Jahr unbedingt wieder!

Eure Charlotte & Lukas mit Ben im Schlepptau

*Dieser Beitrag entstand in freundlicher Kooperation mit Gaffel Kölsch.