Kobum III: Hannahs Boxtagebuch - Phase 1

Text: Hannah Göbbels & Fotos von Gastfotografen: Fabian Stürtz & Sebastian Trägner


KOBUM ist, nach einem Jahr Pause, in die Dritte Runde gestartet und ich bin Teil dieses unfassbar spannenden Box-Projektes. Die Leistungsdiagnostik und Phase eins habe ich nun hinter mir. Jetzt ist es Zeit euch zu berichten, wie es mir in den ersten zwei Monaten bei KOBUM ergangen ist. Wie ich mich sportlich und vor allem auch mental weiterentwickelt habe. Welche Höhen und Tiefen ich hatte und warum ich mir freiwillig ins Gesicht schlagen lassen möchte.

WAS GENAU IST EIGENTLICH KOBUM?

Doch zunächst einmal, was ist eigentlich KOBUM? Bei KOBUM bereiten sich 50 völlig verschiedene Kandidaten jeden Alters in drei Phasen intensiv auf ein gemeinsames Ziel vor - alle wollen in den Ring steigen. Nur zehn werden es am Ende schaffen. Die Voraussetzung, um an KOBUM teilnehmen zu dürfen: Keiner darf eine Vorbildung im Boxen haben. Alle sollen auf dem gleichen Anfängerstand sein.

Doch bevor es in den Ring geht, heißt es zunächst ein halbes Jahr lang hartes Boxtraining, damit am Ende spannende und vor allem sichere Boxkämpfe stattfinden können. Trainiert werden die Kandidaten von einem sorgfältig ausgesuchten Team aus Trainern wie Erdinc Arslan, der ebenfalls Trainer des deutschen Hochschulteams ist sowie aktiven Boxern, wie Boxweltmeisterin Verena Kaiser.

Jede Trainingsphase dauert zwei Monate. Phase eins startet mit der Grundausbildung; den sogenannten Modulen in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Mobilität und Boxgrundlagen. Nach der ersten Phase dürfen von den 50 Kandidaten 40 mit in die zweite Phase ziehen. Das Trainerteam entscheidet, wer weiterkommt. Motivation und Fortschritte spielen hier eine große Rolle. In der zweiten Phase wird der Schwerpunkt auf das eigentliche Boxen gelegt und die Teilnehmer nehmen jede Woche an einem Sparring Termin teil. Beim Sparring handelt es sich ums Kämpfen ähnlich wie im Wettkampf, jedoch mit geänderten Regeln und Vereinbarungen, die Verletzungen weitgehend verhindern sollen. Um das Verletzungsrisiko zu verringern, kämpfen die Teilnehmer nur gegen geübte Boxer und nicht untereinander.
In der dritten Phase dürfen 20 Teilnehmer in die finale Wettkampfvorbereitung ziehen. Sie werden in zwei Teams unterteilt: schwarz und gelb. Nun werden verschiedene Boxpaarungen aus den beiden Teams ausprobiert und entschieden, wer aus den Teams bei der großen Abschlussveranstaltung im September gegeneinander Kämpfen darf: fünf spannende und ausgeglichene Boxkämpfe von zehn Teilnehmern.

Wir machen aus blutigen Anfängern blutende Kämpfer.
— KOBUM

DER START VON KOBUM III

Los ging es dieses Jahr Ende März mit der sogenannten Leistungsdiagnostik. Bei der Leistungsdiagnostik werden alle potenziellen Kandidaten auf Herz und Nieren getestet. Der aktuelle Fitnessstand in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Mobilität, Flexibilität, Koordinationsfähigkeit, sportliche Vorbildung und die Verletzungshistorie werden dokumentiert, damit sich das Team eine Übersicht über die Kandidaten machen und entscheiden kann, wer Teil vom sechsmonatigen Training sein darf.  Denn an der Leistungsdiagnostik dürfen mehr Kandidaten teilnehmen, als letztendlich mit in die erste Phase dürfen.

Fünf Tage vor der Leistungsdiagnostik habe ich erst von KOBUM durch unsere Autorin Lina erfahren und war sofort Feuer und Flamme von dem Konzept. Denn nach einem Jahr ohne Sport brauchte ich dringend eine Motivation und Trainer die mich pushen, um wieder mit dem Sport anzufangen. Lina ist ebenfalls Teil von KOBUM III und bestreitet gemeinsam mit mir den Kampf in den Ring. Nach einem netten Telefonat mit Gründer und Veranstalter Sönke Andersen, der mich mit seiner Motivation das Projekt durchzuführen endgültig überzeugte, war es für mich klar: Ich will ein Teil dieses unfassbar tollen Projektes sein! So ging es für mich zur Leistungsdiagnostik. Ich muss zugeben, dass ich ein wenig aufgeregt war, da ich nicht wusste was mich erwarten wird und ich das ganze letzte Jahr nicht wirklich sportlich aktiv war. Doch die Aufregung war sofort verflogen, als ich das tolle Team und alle anderen Kandidaten kennen gelernt habe, denn man hat sofort die Energie gespürt: Alle haben wahnsinnig Lust auf das Projekt und wollen Teil dessen sein.

Bei der Leistungsdiagnostik wurde mir zunächst Fragen zu meinen Gewohnheiten wie Essen, Schlafen, Sport und ebenfalls Krankheiten oder Verletzungen gestellt. Nach der folgenden Körperfettanalyse ging es dann mit dem sportlichen Teil los. Push-ups, von denen ich leider nicht wirklich welche geschafft habe, das heißt eigentlich keine einzige, Rudern, ein zwölfminütiger Lauftest auf dem Laufband, den ich zu meinem Erstauen relativ gut überstanden habe, da ich nicht damit gerechnet hätte, dass ich locker 12 Minuten durchlaufen kann, eine Mobilität und Stabilität Übung und schlussendlich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Boxhandschuhe angezogen bekommen. In dem Moment war ich dann doch wieder ein bisschen aufgeregt, aber es war am Ende natürlich halb so wild. Trainerin Verena testete mich auf meine Schlagbereitschaft, Schlagkraft und Reaktion, alles war anscheinend relativ gut. Dann war die Leistungsdiagnostik auch schon wieder vorbei und meine Vorfreude und das Bangen auf das was kommt umso Größer.

INDIVIDUELLER TRAININGSPLAN BEI KOBUM III

Nach der Leistungsdiagnostik hieß es dann warten und nach einer Woche kam dann die Email, dass ich Teil von KOBUM III bin. Sofort machte sich die Vorfreude in mir auf und die Spannung, wie es jetzt weiter geht. Aber gleichzeitig auch ein kleiner Funke Angst und Respekt vor dem, was jetzt kommt.
Nach einer Infoveranstaltung und einem Probelauf am Herkulesberg ging es los. Alle Teilnehmer haben ihre passenden Module zugeteilt bekommen, denn es gibt vier Module, aber nur drei Trainingseinheiten in der Woche. Jeder wurde den Modulen zugeteilt, in denen er am schwächsten war. Von den vier Modulen: Straßenarbeit/reines Lauf- und Ausdauertraining, Maschinenbau/Krafttraining mit eigenem Körpergewicht, Körperbildung/Gymnastik und Yoga, Faustkunst/Boxgrundlagen und Boxtechnik, ging es für mich erstmal mit Straßenarbeit, Maschinenbau und Faustkunst los. Also viel Laufen, Krafttraining und Boxgrundlagen.

Jedes der drei Module war auf seine eigene Weise anstrengend. Die Straßenarbeit war für mich vor allem körperlich und mental anstrengend. Da ich generell noch nie gerne laufen gegangen bin, war das Modul bis jetzt die größte Überwindung für mich. Ich weiß noch, dass ich mich in der ersten Woche gefragt habe, wie ich es jemals schaffe, unsere Runde am Herkulesberg, ohne große Anstrengung zu laufen. Und zum Glück wurde es von Woche zu Woche besser, sowohl von der Ausdauer als auch von der mentalen Überwindung.
Maschinenbau hat mir von Anfang an viel Spaß gemacht, hier brauchte ich nicht viel Überwindung. Trotzdem war oder ist es immer noch extrem anstrengend und unser Trainer Florian Röhrig, ebenfalls aktiver Boxer, schafft es von Training zu Training uns immer wieder zu pushen und an unsere Grenzen zu bringen mit super anstrengenden aber abwechslungsreichen Übungen.
Bei der Faustkunst war es in der ersten Phase ein wenig anders. Hier sind wir nicht an unsere körperlichen Grenzen gegangen, sondern hier brauchten wir vor allem unseren Kopf. Bevor wir überhaupt in den Ring steigen können, brauchen wir die nötige Grundausbildung und Technik. Das heißt, hier gab es ganz schön viel Input. Aber auch Faustkunst hat mir super viel Spaß gemacht, weil wir jede Woche etwas Neues dazu gelernt haben.

RAUS AUS DER KOMFORTZONE

Aber natürlich hat nicht immer alles Spaß gemacht in der ersten Phase und ich war auch nicht immer top motiviert. Es gab Tage, an denen ich mich selber motivieren und überwinden musste, zum Training zu gehen. Für mich war und ist KOBUM eine riesen Umstellung. Von null Sport zu drei bis vier mal pro Woche. Ich glaube, da ist es normal, dass man nach einem langen Tag im Büro, Schwierigkeiten hat sich aufzurappeln und zum Sport zu gehen. Aber ich habe es dann doch immer geschafft und war am Ende des Tages froh mich aus meiner Komfortzone gepusht zu haben und an einem tollen Training teilzunehmen. Ohne so ein tolles Kandidatenteam, das sich gegenseitig aufbaut und unterstützt, und so motivierende Trainer sowie die ersten sportlichen Erfolge, wie mehr Ausdauer und Kraft, würde das wahrscheinlich auch anders aussehen.

ANGST VOR DEM, WAS IN PHASE ZWEI, BEI KOBUM III PASSIERT

Ich bin ziemlich froh die Chance an KOBUM III teilzunehmen genutzt zu haben und bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich die erste Phase überstanden habe. Zum Glück darf ich weiter machen und bin Teil von Phase zwei. Eigentlich geht jeder Teilnehmer von Phase eins, den ich kenne, in die Nächste. Die 10 Teilnehmer die nicht mehr dabei sind, sind die, die sich entweder verletzt haben oder selber nicht mehr Teil sein möchten. Jetzt wird es ernst, denn Phase zwei startet mit dem ersten Sparring und auch das Training wird angezogen. Ich muss zugeben, dass ich ziemlich Angst vor dem Sparring habe, da ich nicht weiß wie ich reagieren werde, wenn ich selber jemanden schlagen muss oder geschlagen werde. Gleichzeitig freue ich mich aber, dass wir endlich gegen einen Gegner kämpfen dürfen, nachdem wir zwei monatelang nur Technikübungen gemacht haben.
Wie es mir beim ersten Sparring ergangen ist, erfahrt ihr dann im nächsten Artikel über die zweite Phase. Eins kann ich euch versichern, es bleibt spannend.

Eure Hannah & euer Fabian & Sebastian

fabian stuertz 2019.06.09 - kobum 0046-bw.jpg

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