Team Racoon – der geheime Geheimtipp, oh yeah.

Text: Lina Reitz & Fotos: Renée Nagel

Es ist ein Samstagabend, die Nacht legt sich langsam über Köln. Mit Kölsch in der Hand laufen Fotografin Renée und ich ein paar Straßen quer. Unser Ziel das “Krautis”, eine urige Südstadt-Kneipe mit Herz. Hier feiern in dieser Nacht Luke und Rees, zweidrittel von “Team Racoon”, ihren 30ten Geburtstag. Wir sind eingeladen und dürfen uns freuen auf Kölner Hip Hop, voll Sprechgesang und tanzbaren Beats.

Wir sind der geheime Geheimtipp von deinem geheimen Geheimtipp seinem geheimen Geheimtipp – oh yeah. – Geheimtipp (Team Racoon & Young Paul)

Durch die schwere Holztür betreten wir mit einem Kribbeln im Bauch die Kneipe. Die ersten Gäste sind bereits da, das Fässchen ist angeschlagen und im Hintergrund läuft Old School Hip Hop. Aber jetzt erst einmal – Happy Birthday – den Jungs gratulieren, alle umarmen und Hallo sagen. Die Kneipe wird langsam voller und eine Stunde nach unserem Eintreffen greift Yelm zum Mikrofon.
Yelm, der allerbeste Freund, wie er liebevoll von vielen hier genannt wird, moderiert “Young Paul” an. Das Intro knallt aus den Boxen und schnell folgt ein Wort dem anderen. Ein paar Tracks weiter geben sich Team Racoon die Ehre, mit Max, nun auch zu Dritt. Zum Schluss wird Jonesis auftreten und den Abend ausklingen lassen. Der Bass drückt durch die Boxen, Arme bewegen sich im Takt der Musik. Refrains werden laut mitgesungen und immer wieder wird frisches Kölsch gezapft.

Ich kann nicht spurlos leben und das muss ich ehrlich erkennen und ihr nehmt was ihr wollt, ich bin ein gläserner Mensch! – Gläserner Mensch (Team Racoon)

Als Team Racoon an diesem Abend dran ist, nimmt Max das Mikrofon in die Hand und Luke steht am Mischpult. Rees setzt an „7.1.89, 1 Meter 89 - 83 Kilo, ich bin ehrlich Leute lacht nicht - braune Augen, braune Haare, nichts ist ungewiss - Gesundheitsrisiko, Rap bis zum Lungenriss!“.
Die Liebe zum Hip Hop hat die drei Jungs zusammen gebracht. Da lag nichts näher, als selber Musik zu machen und so sind in den letzten Jahren mehrere Singles und EP´s veröffentlich worden. Meistens im Kleinen, meistens von Freunden gehypt und als Geheimtipp gehandelt. Aber Team Racoon hat viel zu sagen. Ist dabei frech, politisch und nimmt sich dennoch nicht allzu ernst. Die Beats sind eine Mischung aus verstohlen-knisternden Samples, knackigen Drums, gepaart mit silbenreichen, rauen Raps, erklärt uns Rees. Verarbeitet wird, was bewegt. So sind Lieder wie „Gläserner Mensch“, „Eckkneipe“ und „Tonnensystem“ entstanden. In diesen behandeln die Drei den gesellschaftlichen Rechtsruck, Burnout in der Arbeitswelt, staatliche Überwachung und - leider auch allzu präsent in Köln - die Gentrifizierung. Dabei sind Team Racoon kulturell sehr tief im Hip-Hop verwurzelt und haben viele Freunde hier gefunden, die auch an diesem Abend dabei sind - Jonesis, Young Paul und Yelm.

Zum Anderem positionieren wir uns bewusst gegen das Phrasengedresche von vermeintlich starken Rappern und ihre Diskriminierung gegenüber Frauen und sexuellen Minderheiten.
— Rees

Was soll ich noch erzählen wenn es eh schon alle wissen, kann mich nicht vor schützen aber will es auch nicht müssen. – Gläserner Mensch (Team Racoon)

So entsteht eine Mischung moderner Großstadtpoesie mit Augenzwinkern und ernsten Themen. Musik die zum Nachdenken anregt und zum Tanzen einlädt. So ehrlich wie ihre Texte, sind dabei auch die Jungs selbst „Wir sind keine Superhelden und mit unserer relativ alltäglich Präsenz in den sozialen Medien auch eher auf der Verliererseite der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie“. Da frage ich mich: Ist das relative Alltägliche vielleicht genau das, was wir gerade brauchen?

Also unser Geheimtipp: Musik und Sozial Media Input von Team Racoon.
Ein bisschen Alltägliches mit Tiefgang.

Eure Lina & Renée

Team Racoon
Rees - Demenz
Young Paul
Jonesis
Krautis Kneipe


GASTFOTOGRAFIN RENÉE NAGEL STELLT SICH VOR:

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Renée Nagel
Medienkauffrau, Freiberufliche Fotografin & Künstlerin

Seit nun schon über 6 Jahren bin ich glückliche Wahlkölnerin mit Domizil in Nippes. Ursprünglich komme ich aus dem schönen Rheingau und bin damit geborenes Rieslingmädchen. Damals hat mich meine Ausbildung bei einer großen Fernsehproduktionsfirma hier her verschlagen. Mittlerweile hab ich gerne Riesling gegen Kölsch getauscht und man bekommt mich aus dieser lebendigen, kreativen und lebensfrohen Medienstadt so schnell nicht weg.

Auch mein Designstudium in Düsseldorf, wo ich mich derzeit künstlerisch zum Bachelor tobe nicht. Nur der Ruf der großen weiten Welt lockt mich des häufigeren mal aus der Kölnerdunstzone. So bin ich jährlich mindestens in 4 verschiedenen Ländern, meine Favoriten dabei sind Indien, Japan, Italien und der gesamte skandinavische Raum.

Fotografie war schon immer meine große Leidenschaft, dabei ist es mir ein Anliegen gute Kompositionen zu kreieren und das kleine Alltägliche in den Kunststand zu erheben. Aber ganz egal ob Portraits, Reisedokumentationen oder Kunstserien, ich begeistere mich für alles und lasse mich jeden Tag neu inspirieren. Zusätzlich male, zeichne und experimentiere ich mit allem was ich so finde.

www.instagram.com/renee.la.mutine
www.reneenagel.com

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