Köln Pfad: Etappe 3 – in einem Jahr rund um Köln

Text & Fotos: Lina Reitz

Es gibt da diese Idee - in einem Jahr rund um Köln zu wandern. Bewusst ein paar Stunden dem Großstadttrubel zu entkommen. Bei Wind und Wetter rauszugehen, mal ganz alleine, mal zu zweit oder auch in großer Runde. In elf Etappen geht es zu Fuß auf dem Köln Pfad um unsere Stadt herum, insgesamt 171 Kilometer. Die Etappen sind zwischen neun und 22 Kilometer lang und jede Etappe beginnt und endet in der Nähe einer Bahnstation – also perfekt für WE ARE CITY Großstadtkinder.

Etappe 3

Von Bocklemünd nach Worringen

An diesem Frühlingsmorgen schieben sich graue Wolken über den Himmel, Regen ist angesagt und von der Sonne leider wenig zu sehen. Doch wie ausgemacht wird natürlich auch heute gewandert, auch das ist Teil der Herausforderung. Bei Wind und Wetter trotzdem hinaus zu gehen und dem Großstadttrubel für ein paar Stunden den Rücken zuzukehren, denn wie meine Mutter schon immer sagte, es gibt kein schlechtes Wetter nur die falsche Kleidung. Also Regenjacke angezogen, dicken Pulli drunter und eine Laufhose an, welche schnell wieder trocknet und fertig ist das perfekte Wander Allwetter Outfit.

Mit den Straßenbahn Linien 3 und 4 erreicht man sehr gut die KVB Haltestelle Bocklemünd. Hier startet Etappe 3, unser Treffpunkt an diesem Morgen mit meiner Mama und einem meiner besten Freunde. Zu dritt machen wir uns auf, los geht es auf dem Wanderweg nach Worringen. Doch schon die erste Abbiegung verpassen wir, so verlaufen wir uns kaum dass wir los gewandert sind. Die schwarz weißen Markierungen sind hier in Bocklemünd rar und schwer zu finden. Doch nachdem wir kurz die Orientierung verloren haben, finden wir bald im Wald zwischen Bocklemünd und Mengenich wieder zurück auf den Etappen Pfad. Der Wald hier ist matschig vom Regen der letzten Tage und die jungen Bäume stehen rechts und links in Reihe und Glied. So hat der Wald eine Strenge, die kaum Wildnis zulässt. Ein paar Meter weiter kreuzen wir den Militärring und kommen in einen ganz anderen Waldabschnitt. Etwas verwunschen, fast wie in einem Märchen wirkt hier die Natur. Wir kommen an einem kleinen Landgut vorbei und laufen in den Wald unter die Bäume, die wie ein Bogen gewachsen sind und einladen weiter dem Weg zu folgen.

Kurz genießen wir die Ruhe und die Sonnenstrahlen, die durch die Bäume fallen, bevor sich dann wieder Wolken vor die Sonne schieben. Eine Markierung weiter werden wir auf die Felder links von der Autobahn geführt. Wir folgen dem Feldweg und suchen die nächsten Markierungen, doch vergebens. Zum zweiten Mal an diesem Tag verlaufen wir uns auf der Strecke. Und stehen plötzlich mitten im Nirgendwo auf einer schmalen Straße. in diesem Moment bringen Hirten ihre Schafe und Lämmer auf die neuen Felder. Getrieben laufen hunderte Schafe und Lämmer auf uns zu, kurz überlegen wir was zu tun ist und bleiben dann einfach in Mitten der Herde stehen, bis diese weitergezogen ist. Zu dritt stehen wir einen Moment lang etwas argwöhnisch zwischen den Tieren und genießen in der Sonne, die sich durch die Wolken kämpft. Ein kleines Naturschauspiel. Als wir wieder alleine sind, kontrollieren wir kurz unseren Standort und suchen uns einen Weg zurück auf die Etappe.

Unter der Autobahnbrücke durch führt uns ein kleiner Waldweg direkt zum Escher Baggerloch. Hier setzen wir uns auf eine kleine Bank und machen eine Butterbrots-Pause. Genießen den Blick aufs Wasser und lauschen Anekdoten meiner Mama. Mit neuer Kraft in den Beinen laufen wir dreiviertel um das Baggerloch herum und sind dann in Esch. Als wir gerade in der Stadtmitte ankommen wird der Himmel fast schwarz und ganz plötzlich brechen die Wolken und starker Regen fällt auf die Straßen. Wir laufen schnellen Schrittes weiter und finden zum Glück das kleine Künstlercafé Miro. Schnell rein, bevor es anfängt zu Hageln. Bei einen Stück hausgemachten Kuchen und einer Tasse Kaffee, trocknen unsere Klamotten und wir wärmen uns es etwas auf. Typisch Frühling ziehen ein paar Minuten später die Wolken weiter und machen der Sonne wieder Platz. Zeit für uns wieder weiter zu wandern.

Von Esch aus sind es nun nur noch ein paar letzte Kilometer der insgesamt 16 Kilometer langen Strecke bis zum Ziel. Die Etappe ist also fast geschafft und beschert uns auf den letzten paar Metern noch wunderschöne kleine Ausblicke, verwunschene Waldecken und weite Felder. Und ganz plötzlich sind wir dann schon am Ziel für den heutigen Tag. Mitten in Worringen stehen wir am Bahngleis und warten noch ein paar Minuten auf die Bahn, die uns zurück in die Wirklichkeit bringt.

Kurz lasse ich die Gedanken schweifen und beschließe Etappe 4 einfach einmal komplett alleine zu wandern. Ohne Freunde und Familie, einfach nur ich allein, wie das ist lest ihr dann Ende Mai.

Eure Lina


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Die Wanderung auf einen Blick
Etappe 3

Start: Straßenbahn Haltestelle Bocklemünd
Ende: S11 Haltestelle Worringen
Distanz: 16 Kilometer
Dauer: ca. 4 Stunden
Die Strecke: Von Bocklemünd führt die Strecke zunächst durch Waldgebiete, bis ihr dann entlang mehrerer Straßen und auf Feldwegen lauft, bis ihr plötzlich ganz schnell in Worringen steht. Ihr solltet euch vorher allerdings die Strecke ansehen – die Beschilderung auf dieser Etappe ist rar.
Empfehlenswert: Das Café Miro in Esch ist einen Besuch wert. Hier gibt es hausgemachte Kuchen und viele herzhafte, warme Leckereien. Wenn ihr in großer Runde unterwegs seid, dann empfiehlt es sich hier einen Tisch zu reservieren.
Ausrüstung: Verzichtet auf dieser Strecke lieber auf eure Wanderschuhe und tragt Sport-Lauf-Schuhe, da ihr viel über Beton und unterschiedliche harte Böden gehen werdet ist die flexiblere Sohle empfehlenswert.
Solltet ihr immer dabei haben: Belegte Brote, ausreichend Wasser und vielleicht den Wanderschnaps für die gute Stimmung, wenn ihr euch wieder einmal verlaufen habt.