Köln Pfad: Etappe 5 – in einem Jahr rund um Köln

Text & Fotos: Lina Reitz

Es gibt da diese Idee - in einem Jahr rund um Köln zu wandern. Bewusst ein paar Stunden dem Großstadttrubel zu entkommen. Bei Wind und Wetter rauszugehen, mal ganz alleine, mal zu Zweit oder auch in großer Runde. In elf Etappen geht es zu Fuß auf dem Köln Pfad um unsere Stadt herum, insgesamt 171 Kilometer. Die Etappen sind zwischen neun und 22 Kilometer lang und jede Etappe beginnt und endet in der Nähe einer Bahnstation – also perfekt für WE ARE CITY Großstadtkinder.

Etappe 5 - Von Merkenich nach Mülheim 

Als es an meinem ersten geplanten Wandertag fast 40 Grad waren, habe ich mich bewusst dagegen entschieden auch nur einen Schritt zu wandern. Eine Woche später und schon mit etwas Zeitdruck, weil dieser Artikel endlich fertig werden soll ;), mache ich mich dann bei „kühlen“ 28 Grad auf den Weg Richtung Merkenich. Hier wo ich Etappe 4 klitschnass abgeschlossen habe, beginne ich heute bei sehr hochsommerlichen Temperaturen, fast savannenartig, meine Wanderung.

Mit dem Köln Pfad nach Niehl

Etappe 5 gestaltet sich bereits zu Anfang schwierig. Zwar finde ich direkt zu Beginn ein großes Infoschild des Köln Pfads, doch leider danach nicht mehr. Die Großbaustelle an der Autobahnbrücke wirkt sich auch auf die Straßen drum herum aus und hat anscheinend alle Markierungen verschwinden lassen. Aber das ist gar nicht so schlimm, denn schon in der Bahn hatte ich mir überlegt den ersten Teil der Wanderung etwas anders anzugehen. Da an diesem Wochenende das Summerjam am Fühlinger See stattfindet, lasse ich diesen Teil der Wanderung aus und laufe direkt zum Rhein hinunter. Dieser bringt mich ja auch nach Niehl, wo ich dann in die Etappe einsteigen kann. Soweit zu mindestens der Plan. Also laufe ich los.

Verlassene Wege auf dem Köln Pfad: Etappe 5

Mein Weg führt mich ein Stück durch Merkenich, an Reihenhäusern vorbei, bis ich dann in die Rheinaue laufe. Links von mir sehe ich die Leverkusener Brücke. Ich laufe weiter bis zum Rhein, hier biege ich rechts ab und folge dem Fluss stadteinwärts. Der Weg ist schmal und wenig belaufen, nur einmal kommt mir ein junges Paar mit Hund entgegen. Die Sonne knallt vom Himmel und ich bin froh, dass ich mich vorher noch mit Sonnenmilch eingecremt habe. Rechts und links vom Weg blüht es, die Büsche und Wiesen strahlen in sattem Grün und der Rhein fließt stetig in seinem Bett. Der Weg wird schmaler, die Blätterdecke der Bäume dichter und irgendwann gelange ich an einen Punkt, an dem ich nicht mehr traue weiter zu gehen. Alleine unterwegs bin ich mir nicht sicher, was mich erwartet. Also kehre ich um, laufe zurück zur Rheinaue, biege links auf einen breiten Waldweg ein, der mich nach kurzer Zeit zu einer Straße führt. Die Sonne gibt alles und ich bin nach nur einer Stunde zu Fuß an einer ersten Grenze, vor allem mental. Mich ärgert, dass ich mich nicht getraut habe weiter dem kleinen Weg zu folgen. Aber es jetzt doch nochmal zu versuchen ist heute keine Option. Der neue Weg führt mich durch ein Industriegebiet. Irgendwann erkenne ich wo ich bin und nehme die nächste Bahn um aus dieser tristen Industrie-Ecke hinaus zu kommen. Vier Stationen später steige ich wieder aus und bin in Niehl. Hier steige ich in die zweite Hälfte meiner Wanderung ein und bin direkt auf dem Etappenweg. Dieser führt mich am Rhein entlang. Links der Fluss, Rechts kleine Einfamilienhäuser, eine Kirche und eine Gästestätte. Es ist schattig, ein bisschen Wind geht und ich kann mich entspannen. Dann führt mich die Markierung über eine kleine schmale Fußgängerbrücke. Meine nächste Herausforderung, aber diesmal gibt es kein Drumherum kommen. Also folge ich den Markierungen über die Brücke. Einatmen. Ausatmen. 

DIE LETZTEN KILOMETER BIS ZUR MÜLHEIMER BRÜCKE

Etappe 5 verlangt viel von mir, doch als ich über die Brücke hinüber bin, bin ich wie in einer anderen Welt. Hier direkt am Rhein kommen mir Jogger entgegen, haben Verliebte Dates und die Natur tut ihr übriges und zeigt sich von seiner sommerlich schönen Seite. Nach einer kurzen Pause auf einer der vielen Parkbänke. Laufe ich hier die letzten vier Kilometer bis zur Mülheimer Brücke. Vergesse alle Hürden und freue mich nur noch über das was ich in diesem Moment sehe und über jeden Schritt der mich meinem Ziel näher bringt. Ich steige die Treppen der Mülheimer Brücke hinaus, Radfahrer kommen mir entgegen und nach fünf Minuten habe ich den Rhein überquert. Ich laufe wieder Treppenstufen hinunter, folge der Straße. Komme zu einem Kiosk, ich kaufe Wasser und Eis und gehe noch ein paar Meter runter zum Rheinufer. Auf einer kleinen Steinwand nehme ich Platz und esse mein Eis. Etappe 5 ist geschafft und ich auch irgendwie sehr. Im Sommer zu wandern ist nicht ohne und auch dieses Alleine-Wandern hat mich heute an meine Grenzen gebracht. Vielleicht wird deswegen Etappe 6 wieder ganz anders. 

Findet es heraus,
eure Lina

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Die Wanderung auf einen Blick
Etappe 5

Start: KVB Haltestelle Merkenich Linie 12
Ende: Wiener Platz in Mülheim
Distanz: 13 Kilometer
Dauer: ca. 2 1/2 Stunden
Die Strecke: Von Merkenich aus läuft ihr am Fühlinger See entlang, parallel zur Neusser Landstraße nach Longerich und über Niehl zum Rhein. Von dort geht es weiter über den Molenkopf (Niehler Hafen) und die Mülheimer Brücke bis nach Mülheim zum Wiener Platz.
Empfehlenswert: Lauft die Strecke doch einfach anders herum, gerade jetzt im Sommer ist der perfekte Abschluss dieser Wanderung doch ein Sprung ins kühle Wasser des Fühlinger Sees. Ausrüstung: Auch auf Etappe 5 gilt - Verzichtet auf dieser Strecke lieber auf eure Wanderschuhe und tragt Sport-Lauf-Schuhe, da ihr viel über Beton und unterschiedliche harte Böden gehen werdet ist die flexiblere Sohle empfehlenswert.
Solltet ihr immer dabei haben: Wirklich ausreichend Wasser, packt im Sommer lieber die doppelte Menge ein, eurer Körper wird es euch danken. Außerdem Sonnencreme, da die Strecke wenig Schatten bietet.