Kölner Tattoo-Künstler: Alex Berger aus dem Bunker 13

Text: Jacqueline Skvorc & Fotos: David Heyer

Dass Köln eine bunte Stadt ist, wissen mit Sicherheit die meisten von euch. Dass sich hier aber auch einige sehr begabte, authentische und charismatische Tattoo-Künstler tummeln, wollen wir euch mit der Reihe - mit dem Namen WE ARE COLORFUL - zeigen. Wir, das sind David und Jaci. WE ARE COLORFUL stellt euch einige Tätowierer und Tattoo-Studios aus Köln vor, die uns mit ihrer Kunst, ihrem außergewöhnlichen Stil oder ihrem besonderen Studio begeistern – damit Köln noch bunter wird. Jaci schwingt den Stift für euch, David fotografiert analog.

A B O U T  M E: In Köln Chorweiler aufgewachsen, hat Alex Berger schon immer viel für Kunst übrig gehabt. Von klein auf hat er gezeichnet, später war er fleißig in der Kölner Graffiti-Szene unterwegs und hat seine kreative Ader an der Dose ausgelebt. Nach der Schule folgte das Design-Studium. Doch da hat er gemerkt: Gruppenarbeit und Arbeiten im Team, das ist nicht seins. Alex ist ein „Alleinarbeiter“, spielt am liebsten nach seinen eigenen Regeln und sucht sich seine Arbeit selbst aus. Auch das ständige am PC sitzen war für ihn nicht das Wahre, er wollte „etwas mit den Händen machen.“ Mittlerweile tätowiert der 28 Jährige seit dreieinhalb Jahren erfolgreich in Köln und macht das, worauf er Bock hat. Das Design-Studium ist abgebrochen und Alex mit der jetzigen Situation mehr als zufrieden. Ob das so bleibt? „Wer weiß, vielleicht mache ich das Studium irgendwann noch einmal fertig, vielleicht ist das Tätowieren aber auch ein Sprungbrett für den nächsten Karriereschritt. Ich bin für alles offen.“ Man darf also gespannt bleiben.

A B O U T  M Y S T U D I O: Wir finden Alex im Bunker 13 – einem Kelleratelier in der Nähe vom Hansaring. Früher herrschte hier reines Künstlerflair und ab und zu wurden zur Abwechslung fette Partys mit DJs an pompösen Turntables gefeiert. Mittlerweile sind sie im Atelier in der Kölner Innenstadt zu viert unterwegs: Drei Tätowierer und ein Künstlerkollege aus Chile teilen sich die Räumlichkeiten zum täglichen Kreativsein und bunten Ausleben. Alte Metallspinte, ein Fischkopf an der Wand, grüne Kunstpflanzen und ein ausrangiertes Oma-Sofa vom Sperrmüll machen das Atelier zu einem ganz besonderen Ort. Im Bunker 13 scheint kein Tageslicht herein, man weiß nie ob draußen die Sonne scheint oder ob über einem gerade die Welt untergeht. Und trotzdem haben die Jungs es sich hier mehr als gemütlich gemacht.

A B O U T  M Y S T Y L E: Wenn wir Alex nach seinem Tattoo Style fragen, schmunzelt er. „Ich werde häufig gefragt, wie ich meinen Stil beschreiben würde.“ Als er klein war, hat er viele Comics gezeichnet. Im Design-Studium ging es für ihn dann mehr in Richtung Illustration – und beides hat auch seinen Tattoostyle geprägt. Wenn man auf seinem Instagramprofil @alexbergertattoo stöbert, könnte man glatt denken, die eigene Nase würde in einem schwarz-weiß Comic aus einem anderen Jahrzehnt stecken. Laute, brüllende Motive versehrt mit ironisch angehauchten Schriftzügen. Seine Antwort auf unsere Frage? „Fresh ignorant.“ Und das trifft es zu 100%.

L I E B L I N G S M O T I V: Ein Lieblingstattoo hat Alex tatsächlich nicht. Braucht man auch nicht – wir finden Alex‘ Motive alle ziemlich genial.

K Ö L N: „Für mich ist Köln eine Tattoostadt, weil ich hier meinen größten Kundenkreis habe. Aber aus anderer Sicht geht hier nicht wirklich viel.“ Wenn es nach Alex geht, gibt es in der Domstadt kaum Leute, bei denen man sich coole Tattoos abholen kann. „Also geschmacklich. Technisch ist das wieder eine andere Schiene. Aber hier in Köln gibt es tattoomäßig auf jeden Fall noch viel Potenzial nach oben.“

I C H  M Ö C H T E  N I E M A L S  S T E C H E N: Auch da gibt es bei Alex, der bei unserem Interview übrigens aussieht wie ein Burberry Male Model im klassischen Karohemd, keine Grenzen. „Ich bin eine Hure, für Geld mache ich alles.“ Ob er das ernst meint?

Ja. Mir ist es egal, welches Motiv beim Kunden auf die Haut kommt. Hauptsache die Leute gehen am Ende mit einem Lächeln hier raus.
— Alex Berger

Alex versteht sich nicht als Künstler, sondern als Dienstleister. Und seine Kunden sollen doch mit ihrer Haut machen können, was sie wollen – so lange sie niemandem damit schaden. „Aber trotzdem bin ich dafür, bei kontroversen Motiven eher in die ironische Schiene zu gehen. Doch leider verstehen viele diesen schwarzen Humor nicht.“  

I C H M Ö C H T E  U N B E D I N G T S T E C H E N: Als großer Filmfan hat Alex hier eine ganz klare Antwort: „Mehr Filmszenen! Mehr Screenshots aus Filmen, gerne auch mehr peinliche oder lächerliche Szenen. In so eine Richtung kann es gerne weitergehen.“ Die Meisten seiner Ideen für Motive bekommt er auch beim Filmschauen, wie er uns verrät – oder auch aus Alltagssituationen. Wenn man sich auf ein Tattoo von Alex einlässt, läuft meist wenig traditionell ab. Dafür aber umso humorvoller. „Es ist wichtig, den Menschen vor den Kopf zu stoßen. Wenn man will, dass die Leute einen sehen und einem zuhören, dann reicht es meist nicht, ihnen auf die Schulter zu klopfen. Da muss man ihnen schon mit dem Vorschlaghammer vor den Kopf hauen.“ Das machen Alex‘ Motive in jedem Fall – und das ist die beste Werbung, die man bekommen kann.

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Die Künstler-Box

Ich heiße: Alex Berger.
Stil: Fresh ignorant.
Mein Studio heißt: Bunker 13.
Adresse: Gibt’s nur auf Anfrage!
Termine frei? Bei mir gibt es Monat für Monat neue Termine. Also wartet ihr nie länger als zwei bis vier Wochen auf euer Tattoo.
Am besten kontaktiert man mich über: Instagram DM @alexbergertattoo oder eine Mail an a.bergertattoo@gmx.de.
Eigene Tattoos: 30? Vielleicht 40? Auf jeden Fall viele.
Köln ist für mich: Ein Gefühl!
Was ihr unbedingt wissen müsst: Das Leben ist ein Witz. Und so sollte man sich auch verhalten.
Meine Message für Köln: Cool wäre mal ‘ne KVB, die die ganze Nacht durchfährt.