Kölner Tattoo-Künstler: Joy Abiola-Müller von Tattau

Text: Jacqueline Skvorc & Fotos: David Heyer

Dass Köln eine bunte Stadt ist, wissen mit Sicherheit die meisten von euch. Dass sich hier aber auch einige sehr begabte, authentische und charismatische Tattoo-Künstler tummeln, wollen wir euch mit der Reihe WE ARE COLORFUL zeigen. Wir, das sind David und Jaci. WE ARE COLORFUL stellt euch einige Tätowierer und Tattoo-Studios aus Köln vor, die uns mit ihrer Kunst, ihrem außergewöhnlichen Stil oder ihrem besonderen Studio begeistern – damit Köln noch bunter wird. Jaci schwingt den Stift für euch, David fotografiert analog.

A B O U T  M E : Joy, der absolute Sonnenschein in unserer WE ARE COLORFUL-Reihe. Joy Abiola-Müller hat immer ein Lächeln im Gesicht, immer gute Laune und ein offenes Ohr für ihre Menschen auf dem Tätowier-Stuhl – da spreche ich aus Erfahrung. Denn auch auf meiner Haut befinden sich mittlerweile drei Kunstwerke von ihr. Seit zwei Jahren tätowiert Joy jetzt schon und beschreibt sich als „klassische Quereinsteigerin“ in diesem Beruf. Schon als Kind hat die Berlinerin mit nigerianischen und deutschen Wurzeln immer gerne gemalt und gezeichnet und fand auch Tattoos schon immer faszinierend.

Bevor ich laufen konnte, hatte ich schon einen Stift in der Hand.
— Joy Abiola-Müller

Mit 17 ist Joy für die Schauspielerei nach Köln gekommen, hegte jedoch schon lange den Wunsch, Tätowiererin zu werden. Einer ehemaligen Arbeitskollegin aus der Schauspiel-Branche erzählte sie von ihren Ambitionen, den Beruf zu wechseln und ihrer künstlerischen Ader nachzugehen – und schneller als gedacht stand sie mit ihrer Künstler-Mappe bei Tattau vor der Tür. Das war das allererste Mal, dass sie überhaupt jemandem ihre Zeichnungen vorgelegt hat. Und das mit Erfolg.

A B O U T  M Y  S T U D I O : Seit 15 Jahren gibt es Tattau bereits in Köln, seit zehn Jahren befindet sich das Studio in einem weitläufigen Atelier im Kunsthaus Rhenania im Rheinauhafen. „Wenn alle da sind, sind wir hier zu sechst. Drei feste und drei Guest-Tätowierer“, erklärt uns Joy die Zusammensetzung bei Tattau. Das Studio ist sehr stilvoll eingerichtet, mit ausgewählten Kunstwerken, Ledercouch und 100 Jahre alten Zahnarztstühlen. Hier kommt keine Laufkundschaft vorbei, als Kunde hat man hier ganz seine Ruhe und kann sich ausgiebig am großartig bestückten Süßigkeitenteller im Wartebereich bedienen, ohne von Vorbeikommenden beim Bonbon lutschen beobachtet zu werden. Das Motto von Tattau: „Weniger ist mehr“. So kann es auch schon mal vorkommen, dass eine Idee abgelehnt wird.

Die Leute laufen ja quasi für uns Werbung. Da wollen wir, dass sie auch schöne und langlebige Hautbilder tragen.
— Joy Abiola-Müller

A B O U T  M Y  S T Y L E : Vorwiegend Frauen kommen bei Joy unter die Nadel – „Ich mache viel Fineline-Kram, das ist wohl eher was für Mädchen.“ Esther, die ebenfalls im Rheinauhafen bei Tattau tätowiert, würde Joys Stil als „stilistisches Fineline-Blackwork“ beschreiben. Viele geometrische Motive finden sich in ihrem Portfolio ebenso wie die unterschiedlichsten Frauenköpfe, Fineline-Schriftzüge und Flashs mit verschiedenen Black- und Dotwork-Elementen. Schon früher waren ihre Zeichnungen „ganz gut tätowierbar“, und doch verändert sich der Stil mit der Zeit immer mal wieder ein bisschen. „Und das ist auch gut so.“

L I E B L I N G S M O T I V : Definitiv der Frauenkopf an „Schwesti“ Esthers Schienbein. „Aber das Beste ist, wenn der Kunde einen einfach machen lässt.“ Im Moment sticht Joy wahnsinnig gerne Scherenschnitt-Motive mit Bäumen und Landschaften. Und auch noch weitere Frauenköpfe stehen ganz oben auf ihrer Wanna-Do-Liste.

K Ö L N : Die Domstadt ist für Joy viel bunter und ehrlicher als unsere Hauptstadt, in Berlin herrscht ihrer Meinung nach eine „aufgesetzte Buntheit“. Was sie ebenfalls sehr fasziniert ist der Tattoo-Patriotismus in Köln:

Für mich ist Köln auf jeden Fall eine super bunte Stadt! Ich glaube es ist einmalig auf der Welt, wie viele Leute sich ein Köln-Motiv stechen lassen und ihre Stadt immer bei sich tragen wollen. Das finde ich total schnuffelig.
— Joy Abiola-Müller

I C H  M Ö C H T E  N I E M A L S  S T E C H E N : Rechtsextreme Zeichen kommen bei Joy niemals unter die Nadel. „Und auch keine Kinderportraits, so etwas muss man einfach richtig richtig gut können. Das würde ich ungern machen.“

I C H M Ö C H T E  U N B E D I N G T  S T E C H E N : Eins der Motive ihrer Wanna-Do-Liste: Eine farbige Frau mit verschiedenen geometrischen Elementen. „Und am liebsten einfach nur noch Star Wars Tattoos“, gesteht Joy uns ihre große Leidenschaft. Da würde sich doch ein Tattoostand auf der nächsten Gamescom anbieten, oder?

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Die Künstler-Box

Ich heiße: Joy Abiola-Müller.
Stil: Stilistisches Fineline-Blackwork (O-Ton Esther von Tattau).
Mein Studio heißt: Tattau
Adresse: Bayenstraße 28, 50678 Köln.
Termine frei? Jap, ich bin für 2018 noch nicht ausgebucht.
Am besten kontaktiert man mich über: Die Webseite www.tattau.de und dann über das Kontaktformular.
Eigene Tattoos: Bisher 12, aber der Körper wird noch voll.
Köln ist für mich: Mittlerweile meine Heimat geworden und eine sehr offene und lebensfrohe Stadt, die sehr gut zu mir passt. Denn ich mag Karneval sehr.
Was ihr unbedingt wissen müsst: Bei uns im Studio gibt es immer Süßigkeiten und gute Laune. Und ich habe die Ambition, die beste Tätowiererin der Welt zu werden – also kommt vorbei!
Meine Message für Köln: Bleib so, wie du bist! Aber sorge dafür, dass ich eine geile und bezahlbare Wohnung in Ehrenfeld finde.

Eure Jaci & David


WE ARE COLORFUL IST EINE SERIE, DIE ALLE VIER WOCHEN AUF WE ARE CITY ERSCHEINT.

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